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Neuer Gesundheitsminister: Wer zum Teufel ist Johannes Rauch?

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Von: Johannes Pressler

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Gesundheitsminister Johannes Rauch spricht auf einer Pressekonferenz.
Johannes Rauch, der neue österreichische Gesundheitsminister. © Hans Punz/APA-PictureDesk

Mit Johannes Rauch stellt Österreich den bereits dritten Gesundheitsminister seit dem Beginn der Coronapandemie. Doch wer ist der Mann, der die Nachfolge von Wolfgang Mückstein antritt?

Österreich und seine Gesundheitsminister. Seit dem Beginn der Coronapandemie eine äußerst komplizierte Geschichte. Bereits rund eineinhalb Monate nach Ausbruch des Virus zog sich der damalige Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) „aus gesundheitlichen Gründen“ zurück. Sein Nachfolger Wolfgang Mückstein tat es ihm am 4. März 2022 gleich. Die vielen Hassbotschaften und Bedrohungen hätten dazu geführt, dass der gelernte Hausarzt in seiner Funktion als Gesundheitsminister nicht mehr hundert Prozent geben könne. Wir haben darüber bereits berichtet.

Nun liegt es also an dem erfahrenen Politiker Johannes Rauch (Grüne), Österreich aus der Coronapandemie zu managen. Dazu wurde der gebürtige Vorarlberger am Dienstag (8. März) in der Wiener Hofburg von Bundespräsident Alexander Van der Bellen zum österreichischen Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz angelobt. Doch wer genau ist der Mann, der dieses für viele Expert:innen so undankbare politische Amt nun antreten wird?

Neuer Gesundheitsminister: Wer ist Johannes Rauch?

Geboren am 24. April 1959 wuchs Johannes Rauch gemeinsam mit seinen fünf Geschwistern in der Vorarlberger Marktgemeinde Rankweil auf. Nach vier Jahren als Bankkaufmann wechselte Rauch in den 1980er-Jahren die Berufsbranche und absolvierte die Ausbildung zum Sozialarbeiter, wo er dann insbesondere in den Bereichen Sozialpsychiatrie, Arbeitslosenbetreuung und Schuldenberatung arbeitete. Durchaus wichtige Erfahrungen für einen Bundesminister, der nicht nur für die Gesundheitspolitik, sondern auch den Sozialbereich verantwortlich ist.

Apropos Erfahrung: Die bringt der neue Gesundheitsminister auch aus politischer Sicht zweifelsohne mit. Bereits in den 1980er-Jahren engagierte sich Rauch bei den Grünen in Vorarlberg, ab 1990 wurde der leidenschaftliche Radfahrer zum Umweltgemeinderat seiner Heimatgemeinde und sieben Jahre später zum Vorstandssprecher der Vorarlberger Grünen. Nach seiner Angelobung zum Landtagsabgeordneten im Jahr 2000 ging es für die Grünen im „Ländle“ stets bergauf. Seit den Landtagswahlen 2004 konnten die Vorarlberger Grünen jedes Mal an Stimmen dazugewinnen.

2004 ist auch jenes Jahr, in dem Rauch die Politik zu seinem Hauptberuf machte. Ein Jahr später musste der Vorarlberger aufgrund eines Darmkrebs zwar eine Auszeit nehmen, war allerdings rund 12 Monate später schon wieder zurück in der Landespolitik. Ein weiterer Meilenstein in der Karriere von Rauch folgte dann 2014. Seitdem sind die Vorarlberger Grünen gemeinsam mit der ÖVP und Landeshauptmann Markus Wallner nämlich in der Landesregierung. Rauch wirkte als Vorarlberger Landesrat für Umweltschutz und Nahverkehr.

Der (späte) Sprung von der Landes- in die Bundespolitik

Eigentlich sah bei Johannes Rauch alles schon nach einem schönen, langsamen Abschied aus der Politik aus. Schon im Juni 2021 gab der heute 62-Jährige seine Funktion als Landessprecher der Vorarlberger Grünen ab, seinen Posten als Landesrat hätte er zumindest noch bis zur Landtagswahl 2024 gehalten. Nach dem recht überraschenden Rücktritt von Gesundheitsminister Mückstein folgt jetzt also doch noch der Wechsel in die Hauptstadt. Auch wenn es nicht das erste Mal ist, dass der Vorarlberger in Wien politisch aktiv war.

Ende 2019 bzw. Anfang 2020 verhandelte Rauch für die Grünen das Regierungsabkommen mit der Volkspartei mit. Generell gilt der Vorarlberger in Politikkreisen als zäher Verhandler und lösungsorienter Politiker. Drei Bundeskanzler und zwei Gesundheitsminister später sitzt Rauch nun selbst im Gesundheitsministerium am Stubenring im 1. Wiener Bezirk. Und das, obwohl der zweifache Vater laut Medienberichten im ersten Moment überhaupt nicht begeistert vom Anruf von Vizekanzler Kogler gewesen sein soll. Nach einer kurzen Bedenkzeit entschied er sich aber doch für diese „ehrenvolle“ Aufgabe, wie er selbst sagte.

Die letzten Jahrzehnte hatte Rauch als Umwelt- und Energielandesrat mit Gesundheitspolitik an sich wenig zu tun. Viel mehr übernimmt er diese Position als „Politikprofi“, wie ihn mehrere Medien beschrieben haben. Also das genaue Gegenteil zu seinem Vorgänger Wolfgang Mückstein, der Wiener Hausarzt. Nichtdestotrotz wird es Rauchs größte Aufgabe sein, die Coronapandemie zu managen und dabei den Spagat zwischen Regierungspartner, Oppositionsparteien, Arbeiter- und Wirtschaftskammer und den Bundesländern so gut wie möglich hinzubekommen. Eine Aufgabe, die seine beiden Vorgänger in die Knie zwang. Doch eine Aufgabe, für die der erfahrene Rauch der genau perfekte Mann sein könnte.

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