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Täglich warm duschen ist unnötig: Deutsche sollen Energie sparen, sagt Chef der Bundesnetzagentur

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Von: Robert Wagner

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Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur und Frau, die sich die Haare wäscht.
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, sagt, die Menschen sollten sich beispielsweise die Frage stellen, ob es tatsächlich nötig ist, jeden Tag warm zu duschen, sofern man eine Gasheizung hat. © Christophe Gateau/dpa/Karolina Grabowska/Pexels

Der Ukraine-Krieg bedroht die Energiesicherheit Deutschlands und Europas. Der Chef der Bundesnetzagentur appelliert an die Deutschen, weniger Gas zu verbrauchen.

Seit Wochen diskutiert Deutschland darüber, ob man den Import von Erdgas aus Russland einstellen sollte, um den Ukraine-Krieg durch ein Gasembargo rasch zu einem Ende zu bringen. Andererseits besteht die Gefahr, dass der russische Präsident Wladimir Putin von sich aus den Gashahn zudreht, um dem Westen, der die Ukraine massiv unterstützt, maximal zu schaden. In beiden Fällen wäre Deutschland einer der größten Leidtragenden, da nur wenige Länder so abhängig sind von russischen Gasimporten wie wir. (Wie abhängig wir sind und wie es zu dieser Abhängigkeit kam, erklärt dir Mr.Wissen2go in seinem aktuellen Video.)

Es liegt also durchaus im Bereich des Möglichen, dass Deutschland bald in einer Energiekrise stecken könnte. Es drohen massive wirtschaftliche und folglich soziale Verwerfungen. Die Arbeitnehmervertreter:innen der Autoindustrie warnen etwa vor einer „Katastrophe“ durch massenhaften Arbeitsplatzverlust. Um diesen Ernstfall zu verhindern, ist die Bundesnetzagentur darum bemüht, die deutschen Gasspeicher zu füllen. Deren Füllstand liegt aktuell bei knapp unter 30 Prozent. Zu wenig, um bei einem möglichen Gaslieferstopp durch den nächsten Winter zu kommen.

Wegen Ukraine-Krieg: „Jeder und jede ist aufgerufen, Gas zu sparen“

Die aktuellen Gasreserven würden in Kombination mit den geringeren Gasimporten etwa aus Norwegen maximal bis zum Frühherbst ausreichen. „Aber dann wären die Speicher richtig leer. Und das würden wir vor dem Winter nicht haben wollen“, erklärt Klaus Müller, der Präsident der Bundesnetzagentur heute Morgen (13. April 2022) bei RTL/ntv. Um das Szenario leerer Gasspeicher in Deutschland zu verhindern, seien auch die privaten Verbraucher:innen gefordert, so Müller. „Aus Sicht der Speicherstände muss ich deutlich sagen: Jeder und jede ist aufgerufen, auch schon heute dazu beizutragen, Gas zu sparen.“

Das von der Bundesregierung ausgerufene Ziel sei, die Füllstände der Gasspeicher auf 90 Prozent anzuheben. Ein ehrgeiziges Ziel, so Müller: „Da ist viel zu tun. (...) Alles, was heute einen Kubikmeter Gas spart, ist gut.“ Das gelte sowohl für die Industrie als auch für private Haushalte. Die Menschen sollten sich beispielsweise die Frage stellen, ob es tatsächlich nötig ist, jeden Tag warm zu duschen, sofern man eine Gasheizung hat.

Einfacher Weg, um Gas zu sparen: weniger und effektiver heizen

Naheliegender und effektiver sei es aber, das eigene Heizverhalten zu überdenken. „Die Frage, wie gut heize ich eigentlich, ist etwas, was sich jetzt, im April, Richtung Mai, tatsächlich jeder und jede stellen sollte.“ Müller legt nahe, sich von der üblichen Vorstellung zu verabschieden, die Wohnung wäre bei 22 Grad ideal geheizt. Abgesehen etwa vom Kinderzimmer würden niedrigere Temperaturen grundsätzlich ausreichen. „Im Rest der Wohnung kann ich auch über 17, 18, 19 Grad nachdenken.“ Ein sparsameres Heizen würden außerdem CO2 und natürlich auch Geld einsparen.

Klaus Müller rät dringend zu einem sparsameren Verhalten, weil Deutschland im Rahmen der europäischen Solidarität dazu verpflichtet wäre, im Krisenfall auch die Gasversorgung der EU-Partner:innen mit zu gewährleisten. Das erhöhe den Druck, „alles dafür zu tun, dass die Gasspeicher im Winter so voll wie möglich werden“, wie er bereits Ende März gegenüber der ARD bekräftigte.

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