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„Heute Abend gibt‘s Schweinsbraten“: Ein Mitarbeiter der Wien Energie berichtet aus der wochenlangen Isolation

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Von: Helena Dimmel

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Montage: Martin Winkler mit Kochlöffel / Wien Energie Büro
Martin Winkler ist nicht nur Schichtleiter, sondern versorgt das Isolations-Team auch mit seinen Kochkünsten © Martin Winkler/Johannes Zinner/Wien Energie/BuzzFeed Österreich

Angesichts der fünften Corona-Welle haben die Mitarbeiter:innen von Wien Energie wiedermal eine starke Entscheidung getroffen: 50 von ihnen sind seit letzter Woche freiwillig in Isolation. Damit gewährleisten sie Strom, Gas und Fernwärme für die Bundeshauptstadt.

Die hochinfektiöse fünfte Corona-Welle erfordert einmal mehr strikte Maßnahmen, um die systemrelevante Versorgung aufrechtzuerhalten. Schon einmal haben sich die Mitarbeiter der Wien Energie isoliert, und zwar am Anfang der Corona-Pandemie, im Frühling 2020. Nun ist es wieder so weit: 50 mutige Freiwillige sind am Freitag, den 7. Jänner an verschiedenen Kraftwerkstandorten in Wien eingezogen.

Vorerst werden sie für vier Wochen in den Räumlichkeiten der Abfallverwertungsanlagen Spittelau, Flötzersteig, Simmeringer Haide und Simmering wohnen. Dort stehen Betten, Kücheneinrichtung, Wasch- und Freizeiträume zur Verfügung. Um auf Nummer Sicher zu gehen, haben sich die Freiwilligen in der Zeit vor dem Einzug so gut es geht in Selbstisolation begeben und in der Woche vorher täglich PCR-getestet. Auch während der ersten Tage in Isolation wurden sie noch weiter getestet.

So ist das Leben in Isolation für die Wien Energie-Mitarbeiter

Martin Winkler ist Kraftwerksmitarbeiter bei Wien Energie. Er ist bereits zum zweiten Mal in Isolation und bei der Müllverbrennungsanlage Spittelau im Einsatz. Wir haben ihn zum Alltag in der Isolation befragt:

Hallo Martin. Erstmal Dankeschön, dass ihr euch isoliert, damit wir hier in Wien auf jeden Fall Strom, Gas und Fernwärme haben. Du bist zum zweiten Mal dabei, wie war der Einzug? Habt ihr euch schon gut eingelebt?

Der Einzug hat ohne Probleme funktioniert, man hat ja schon gewusst, was ungefähr auf einen zukommt. Auch der Faktor Zeit war maßgeblich, wir konnten uns als Firma besser auf die Isolationswochen einstellen als noch im März 2020. So eine Isolation braucht natürlich immer ein Großaufgebot an Man Power. Damals vor zwei Jahren sind die Kolleg:innen ausgeschwärmt, schnell zum Ikea gefahren und haben 50 Betten für uns organisiert - Da hat uns der Ikea-Mitarbeiter dann gefragt, ob man jetzt schon Betten hamstern muss wegen Corona (lacht).

Wie hast du dich dieses Mal auf die Isolation vorbereitet?

Vorbereiten kann man sich nicht wirklich. Ich hab mit meiner Freundin noch die Weihnachtsfeiertage verbracht, weil wir glücklicherweise beide Urlaub hatten. Am 6. Jänner hab ich dann noch den Weihnachtsbaum abgebaut, das war eigentlich das schlimmste (lacht) und am 7. Jänner bin ich dann auch schon im Kraftwerk eingezogen. Mitgenommen hab ich unter anderem ein Bild von der Familie, Bücher, Laptop & Co, damit man mal Netflix schauen kann.

Wie lebt es sich so im Kraftwerk?

Also wir sind sechs Mitarbeiter an einem Standort, die in Schichten arbeiten. Jeder hat einen Einzel-Container zum Wohnen. Naja, das ist halt kein Wellness-Tempel (lacht), aber wir haben alles, was wir brauchen, mit Duschen, Betten, Nachttischen und natürlich den Gemeinschaftsräumen. Man hat auf jeden Fall auch seine Privatsphäre.

Gibt es konkret etwas, das du aus dem letztem Mal Isolation gelernt hast?

Also in erster Linie die Wichtigkeit des viel gerühmten Polsters (lacht). Letztes Mal hatten wir einen Zweier-Container, da war ich ein bisschen neidisch auf den Polster meines Mitbewohners, den er sich extra mitgenommen hat, der war so flauschig. Dieses Mal hab ich mir selber einen mitgenommen.

Wie schaut euer Arbeitsalltag aus?

Wir arbeiten in Schichten, tragen FFP2 Masken und sind gekennzeichnet mit einer Warnweste. Ich trag meine aber als Cape, weil Helden tragen Capes (lacht). Über eine dicke Jacke kann man die nämlich gar nicht so gut drüber anziehen. Die Warnweste tragen wir natürlich immer, damit uns auch andere Menschen auf dem Gelände erkennen. Zusätzlich sind für uns gewisse Bereiche abgesperrt, also ich hatte bis jetzt eigentlich auch kaum Sichtkontakt zu anderen, nicht-isolierten Mitarbeitern. 

Wie gestaltet ihr eure Freizeit in der Isolation?

Für die Zocker unter uns gibt es eine Playstation. Sonst Dartscheiben, UNO-Karten, etc. und wir haben Fitness-Equipment. Das ist cool, weil das motiviert auch die Kollegen, die normalerweise nicht so die Sportfüchse sind, zu trainieren. Trainieren muss man auf jeden Fall - Wenn man vier Wochen in Isolation nur sitzt, arbeitet und isst, kommt man da sonst als Kugel wieder raus.

Stichwort Essen: Was wird in der Isolation aufgetischt?

Beim letzten Mal gab es eine Zentralküche, wo drei Mitarbeiter:innen jeden Tag wirklich für das ganze Isolationsteam, also insgesamt 53 Leute, gekocht haben. Das waren natürlich unglaubliche Mengen an Essen. Dieses Mal kochen wir selber. Ein Kollege und ich kochen besonders gerne und so hat es sich eingebürgert, dass wir das übernehmen. Wir werden von einem Lebensmittelhändler beliefert und bestellen immer ein, zwei Tage im Voraus. Beim Essen kommen die Leut’ zam, es liefert eine Struktur im Alltag, wenn wir alle gemeinsam am Tisch sitzen, also das ist sehr wichtig. Heute Abend gibts zum Beispiel Schweinsbraten.

Wie ist die Stimmung unter den Mitarbeitern?

Die Stimmung ist auf jeden Fall super. Wir wissen alle, worauf wir uns einlassen und die Leute machen das beste daraus. Wir fühlen uns auch wertgeschätzt, letztens hat der Geschäftsführer der Wien Energie zum Beispiel persönlich angerufen und sich bedankt.

Sechs Männer, die vier Wochen lang auf einem Fleck wohnen. Kann man sich das ein bisschen so vorstellen wie eine Schullandwoche für Erwachsene?

Ja vielleicht ein bisschen so wie eine Skiwoche, mit dem Unterschied, dass wir alle nicht mehr so wild sind wie früher (lacht).

Und wenn doch mal Spannungen auftreten?

Wir hatten im Vorfeld einen medizinischen Check-Up und ein Gespräch mit einer Psychologin, die gefragt hat, wie’s uns geht und ob uns etwas bedrückt. Zusätzlich steht uns eine Arbeitspsychologin zur Verfügung. Wir sprechen wöchentlich mit der Personalabteilung und haben alle möglichen Notfallnummern bekommen, sollte irgendwas sein. Wie gesagt kann man ja auch seine Privatsphäre haben in den Einzel-Containern. Wir verstehen uns untereinander auf jeden Fall sehr gut. Man kennt sich auch schon lang, außerdem arbeiten alle für das gleiche, gemeinsame Ziel.

Was war denn dein persönliches Motiv, auch dieses Mal wieder bei der Isolationstruppe dabei zu sein?

Auf jeden Fall die Zugehörigkeit zu Wien Energie. Das ist eine gute Sache, die da gemacht wird. Es hängen Jobs daran, auch mein eigener, und dass die Firma als wichtigster Energielieferant für Wien und Umgebung in Pandemie-Zeiten vorsichtig ist, finde ich super. Ich freue mich natürlich, wenn ich da meinen Beitrag dazu leisten kann.

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