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Immer mehr Österreicher:innen sind dauerhaft von Armut betroffen

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Von: Helena Dimmel

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Immer mehr Menschen gelten in Österreich als arm. © IMAGO / Michael Gstettenbauer

Rund 800.000 Menschen sind in Österreich dauerhaft von Armut betroffen, davon 370.000 Kinder.

Ende April wurde die neue Statistik der EU zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) für das Jahr 2021 veröffentlicht. Sie liefert Einblicke zur finanziellen Situation, Arbeit, Gesundheit und Wohnbedingungen der EU-Bürger:innen. Die erhobenen Daten zeigen auch für Österreich, wie viele Menschen tatsächlich armutsgefährdet oder akut von Armut betroffen sind. 

Mehr als 1,5 Millionen Menschen sind armutsbetroffen

Österreich gilt als eines der reichsten Länder der Welt. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft dennoch auseinander. Sowohl das Einkommen als auch Vermögen variieren stark. Die neuesten erhobenen Daten der EU-SILC Statistik zeichnen abermals ein erschreckendes Bild: Mehr als 1,5 Millionen Österreicher:innen sind von Armut und sozialer wie materieller Ausgrenzung betroffen, das sind rund 17 Prozent der österreichischen Bevölkerung.

Als armutsbetroffen gilt, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. 2021 lag die Schwelle für einen Ein-Personen-Haushalt bei 1.371 Euro pro Monat. Kinder in Österreich haben indes ein besonders hohes Risiko, von Armut und Ausgrenzung betroffen zu sein - 368.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren galten im Jahr 2021 als arm. Ende letzten Jahres zeigte die neueste Kinderkostenstudie, wie schwer die sozioökonomische Last ist, die Eltern in Österreich tragen.

770.000 Österreicher:innen sind dauerhaft von Armut betroffen

Besorgniserregend ist auch die Zahl jener Menschen, die dauerhaft von Armut betroffen sind: 777.000 Österreicher:innen betrifft dies, und damit 100.000 Menschen mehr als im Vorjahr. Als dauerhaft arm gilt, wer bereits im dritten Jahr von Armut betroffen ist. Der Anstieg lässt darauf schließen, dass die Corona-Krise gerade für jene Menschen eine Armutsfalle darstellt, die bereits vor der Corona-Krise auf Jobsuche waren.

Jede/r Zweite Sozialhilfe-Empfänger:in ist armutsgefährdet

Eine besonders betroffene Gruppe stellen die Sozialhilfeempfänger:innen dar. Die Datenerhebung zeigt, dass jede:r zweite Sozialleistungsbezieher:in als armutsbetroffen gilt, wenn diese Leistungen die wichtigste Einnahmequelle darstellen. Weiters gelten Menschen ohne österreichischer Staatsbürger:innenschaft, Mehrkind-Familien und Personen, die maximal über einen Pflichtschulabschluss verfügen, als häufiger von Armut und Ausgrenzung bedroht. Langzeitarbeitslose gehören ebenfalls zu der Gruppe jener Personen, die besonders gefährdet sind. Am 2.5 ist zudem Tag des Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen.

Anhebung des Arbeitslosengeldes würde helfen 

Laut einer Mitte Februar 2022 veröffentlichten Studie der Arbeiterkammer Oberösterreich hätte man rund 37.300 Personen vor Armut bewahren können, wären, wenn man 2020 die Nettoersatzrate des Arbeitslosengeldes von 55 auf 70 Prozent angehoben hätte. Das hätte auch 6.500 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren aus der Kinderarmut befreit. „Höheres Arbeitslosen­geld bringt weniger Un­gleich­heit, höhere Ein­kommen, bis zu 14.000 neue Jobs und 37.300 Arme weniger”, heißt es seitens der Arbeiterkammer. 

7 von 10 Österreicher:innen wünschen sich Anhebung des Arbeitslosengeldes

Eine von der Volkshilfe in Auftrag gegebene SORA-Studie zeigt außerdem, dass sich große Teile der Bevölkerung bessere Bedingungen für arbeitslose Menschen wünschen: 7 von 10 Menschen (70 Prozent) befürworten eine Anhebung des Arbeitslosengeldes. Besonders hoch ist die Zustimmung bei jüngeren Menschen (76 Prozent bei 15 bis 29-Jährigen) sowie bei Arbeiter:innen (78 Prozent). Seit letztem Jahr ist die Zustimmung zudem insgesamt um elf Prozent gestiegen.

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