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„Ich könnte sonst nicht überleben“: Der Ansturm auf österreichische Sozialmärkte ist enorm

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Von: Sophie Marie Unger

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Sozialmärkte SOMA in Österreich
So viele Kund:innen gab es in den Sozialmärkte schon lange nicht mehr. © APA Picturedesk

In den Supermärkten spürt man die gestiegenen Preise deutlich. Zahlreiche Österreicher:innen können sich das nicht mehr leisten und nehmen Sozialmärkte verstärkt in Anspruch.

Ein einzelner Paprika um 1,50 Euro? Der tägliche Lebensmitteleinkauf ist teilweise wirklich erschütternd. Butter kostete zuletzt fast 25 Prozent mehr als im Vorjahr, auch Molkereiprodukte waren im April durchschnittlich um 17 Prozent teurer. Ein Ende der Teuerung sei zurzeit nicht in Sicht, im Gegenteil, die Situation werde sich noch verschärfen, meinte auch Geschäftsführerin der Lebensmittelindustrie in der Wirtschaftskammer, Katharina Koßdorff gegenüber mehreren Medien. Für Menschen mit kleinem Haushaltsbudget ist das fast nicht mehr tragbar - eine Studie hat zuletzt sogar bestätigt, dass immer mehr Österreicher:innen von dauerhafter Armut betroffen sind. Für sie sind die Sozialmärkte, auch SOMA genannt, wichtige Anlaufstellen.

Sozialmärkte sind völlig überlastet

Grundsätzlich dürfen alle Menschen, die im jeweiligen Bundesland wohnen und eine gewisse Einkommensgrenze nicht überschreiten, in den SOMA-Märkten einkaufen. Sie bekommen eine Einkaufskarte, mit der sie Lebensmittel 50 bis 90 Prozent günstiger erwerben. In den vergangenen Wochen stieg die Anzahl an Kund:innen in einigen österreichischen Sozialmärkten um mehr als zwei Drittel an. In Linz ist der Ansturm so groß, dass Lebensmittel bereits rationiert werden müssen. Im März sei es mit dem Ansturm so richtig losgegangen, sagt SOMA-Standortleiter Alexander Lindenbauer im Gespräch mit der „Neuen Zeit“. Einerseits kommen nun viele aus der Ukraine geflüchtete Menschen, andererseits kaufen auch mehr Mütter mit Kindern und Pensionist:innen im Sozialmarkt ein.

„Ich habe Existenzängste“

Auch Susanne gehört zu jenen Menschen, die das Angebot eines Sozialmarkts erstmals in Anspruch nehmen muss. „Bislang bin ich immer knapp über die Runden gekommen, aber seit April geht es sich einfach nicht mehr aus“, sagt die 31-Jährige gegenüber BuzzFeed Austria. „Ich habe eine kleine Tochter und nachts quälen mich regelrechte Existenzängste.“ Obwohl sie im Handel normalerweise vorwiegend Clever-Clever oder Eigenmarke kauft, hat sich ihre Rechnung zuletzt fast um 30 Prozent verdoppelt. „Als ich das gesehen hab, ist‘s mir wirklich kalt den Rücken runtergelaufen.“

Auch Michael geht es ähnlich. Er wartet vor dem SOMA-Markt in Schwechat auf eine Packung Nudeln fürs Mittagessen. „Ich brauche ja wirklich nicht viel, aber wenn man hört, dass ihnen sogar die Nudeln ausgehen, dann habe ich schon Existenzängste“, so der Pensionist. Er ist schon seit Jahren auf den Sozialmarkt angewiesen und extrem dankbar. „Gäbe es sowas nicht, könnte ich vermutlich nicht überleben“, sagte der von Altersarmut Betroffene.

SOMA Wien stößt an Kapazitätsgrenze

Auch in Wien ist die Nachfrage deutlich gestiegen. Der Leiter des SOMA-Marktes im 7. Bezirk, Peter Kohls, spricht davon, dass schon des Öfteren „die Kapazitätsgrenzen erreicht wurden“. Seit Mitte März gab es besonders viele Neukund:innen und auch ukrainische Geflüchtete werden versorgt. „Mit den zwei Krisen - also die gestiegene Inflation und die Nachwirkungen der Corona-Pandemie“ sei die Belastung für viele enorm. Da die Sozialmärkte selbst auf Sachspenden angewiesen sind, die teils spontan eintreffen, können auch keine Vorhersagen hinsichtlich des Sortiments gemacht werden, was die Lage nicht gerade vereinfacht.

So kannst du helfen

Spenden sind laut Kohls jederzeit willkommen. Vor allem Nudeln, Reis, Fleisch, Butter und frisches Gemüse seien in Wien derzeit knapp. „Es wäre super, wenn hier Lebensmittelbetriebe ein zwei Paletten spenden könnten.“ Bezüglich Privatpersonen nimmt man gerne ungekühlte Ware wie Konserven entgegen. Im 14. Bezirk werden derzeit auch Freiwillige gesucht, die an der Kassa arbeiten, oder im Lager aushelfen. Lange Schlangen vor den Geschäften zeigen deutlich, dass hier teils Überforderung herrscht.

Geflüchtete Ukrainer:innen fehlt es nicht nur an Nahrungsmitteln, sie benötigen weiterhin viele weitere Dinge des alltäglichen Lebens, welche sie etwa im Ankunftszentrum in Wien bekommen. Auch dort kannst du helfen.

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