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Gebetsveranstaltung der Parlamentsparteien: Völlig in Ordnung oder zurecht umstritten?

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Von: Johannes Pressler

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Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka faltet die Hände.
Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) wird mit großer Wahrscheinlichkeit am „Internationalen Parlamentarischen Gebetsfrühstück“ im Juni teilnehmen. © Georg Hochmuth/APA-PictureDesk

In der Vergangenheit schon viel diskutiert, findet im Juni dennoch wieder ein Gebetsfrühstück mit mehreren Parteien des Nationalrats statt.

Eine Veranstaltung der österreichischen Nationalratsabgeordneten, wo gemeinsam gebetet wird? Was im ersten Moment ziemlich komisch klingt, hat sich in den letzten Jahren zu einer fast jährlichen Tradition entwickelt. „Internationales Parlamentarisches Gebetsfrühstück“ heißt das Ganze und fand zuletzt im Dezember 2020 statt. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) lud damals persönlich zu einem Gebet im Plenarsaal des Nationalrates ein, selbst mit Livestream. Wie die Tageszeitung „Der Standard“ als erstes berichtet hat, soll am 13. Juni nun die insgesamt fünfte Gebetsveranstaltung dieser Art über die Bühne gehen. Diesmal aber nicht nur mit Abgeordneten der Volkspartei und FPÖ, sondern auch mit einem der Grünen. Dem noch nicht genug, wird es sogar einen Promigast geben.

Gebetsfrühstück erstmals mit Grünen-Politiker und Promigast

Neben den üblichen Verdächtigen aus ÖVP und FPÖ, die zumindest nach außen hin immer noch großen Wert auf ihre christlichen Werte legen, ist diesmal im Einladungskomitee erstmals ein Nationalratsabgeordneter einer Partei, die sich in der Vergangenheit eher kritisch gegenüber solchen Gebetsveranstaltungen äußerte: Martin Litschauer von den Grünen. Für den Niederösterreicher sei die Teilnahme kein Problem, da es „grundsätzlich um den Frieden auf der Welt“ und die „Verbindung zwischen den Religionen“ gehe, so Litschauer gegenüber dem „Standard“.

Martin Litschauer ist einer der wenigen - wenn nicht sogar der einzige - Nationalratsabgeordnete, der ein Angehöriger der altkatholischen Kirche ist. Dieser Glaube ist eine Abspaltung der römischen Mutterkirche. „Wir leben christlichen Glauben in Freiheit und Eigenverantwortung“, heißt es auf der offiziellen Webseite der Altkatholischen Kirche Österreichs. Zudem sei hier eine kirchliche Wiederverheiratung Geschiedener möglich, was bei der römisch-katholischen Kirche nur in Ausnahmefällen erlaubt ist.

Ein weiterer Debütant beim „Internationalen Parlamentarischen Gebetsfrühstück“ wird der deutsche Schauspieler Samuel Koch sein. So richtig bekannt wurde er durch seinen Auftritt bei der TV-Show „Wetten, dass..?“. Beim Versuch, mit speziell angefertigten Sprungstiefeln über ein fahrendes Auto zu springen, verletzte sich Koch schwer und ist seitdem vom Hals abwärts querschnittsgelähmt. Neben seiner schauspielerischen Tätigkeit ist der 34-Jährige nun auch als christlicher Aktivist unterwegs.

Samuel Koch am roten Teppich vor einer Filmpremiere.
Samuel Koch soll beim „Internationalen Parlamentarischen Gebetsfrühstück“ als Promigast erscheinen. © Britta Pedersen/dpa/APA-PictureDesk

Warum die Gebetsveranstaltungen der Parteien umstritten sind

Was für manche nur wie ein harmloses, überparteiliches Event mit ein paar „Ave Maria“ und Fürbitten klingen mag, wurde von gewissen Parteien in der Vergangenheit schon des Öfteren kritisiert. So etwa von der Zweiten Nationalratsabgeordneten Doris Bures (SPÖ). Für sie würden solche Gebetsveranstaltungen im Parlament die gebotene Trennung von Kirche und Staat verletzen. Wohl deshalb wird das „Internationale Parlamentarische Gebetsfrühstück“ diesmal nicht im Plenarsaal, sondern im Dachfoyer der Wiener Hofburg und ohne Livestream stattfinden. Von teilnehmenden Nationalratsabgeordneten der Sozialdemokratie an der Veranstaltung am 13. Juni ist bis dato aber auch diesmal nichts bekannt.

Und wie ist das so bei der fünften Parlamentspartei im Nationalrat? BuzzFeed Austria hat bei den NEOS nachgefragt:

Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um eine private Initiative mehrerer Abgeordneten und nicht um eine offizielle Veranstaltung des Parlaments. Insofern werden laut unseren Informationen keine Ressourcen der Parlamentsdirektion verwendet. Da auch die Einladung nicht von der Parlamentsdirektion oder dem Nationalratspräsidenten ausgesprochen wurde, sondern eben von einzelnen Abgeordneten, verletzt diese Veranstaltung für uns die „gebotene Trennung von Kirche und Staat“ – im Gegensatz zu früheren Gebetsfrühstücken – nicht.

Julian Steiner, NEOS-Sprecher

Auch NEOS-Abgeordneten stehe es frei, an dieser Veranstaltung, wo Beiträge von „ukrainischen, russischen, jüdischen, muslimischen und muslimisch-uigurischen Gläubigen“ erwartet werden, teilzunehmen, teilt Sprecher Julian Steiner gegenüber BuzzFeed Austria mit: „Wir NEOS leben Eigenverantwortung und deswegen muss auch kein Parteimitglied um Erlaubnis bitten, an einer Veranstaltung teilzunehmen.“

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