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Kloschüsseln und „Schande“ als Schriftzug: Warum das Lueger-Denkmal so umstritten ist

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Von: Johannes Pressler

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Fotomontage von links dem Karl-Lueger-Denkmal und rechts einer der Kloschüsseln auf dem Denkmal.
Am Karl-Lueger-Denkmal wurden drei Kloschüsseln angebracht. © Weingartner-Foto/APA-PictureDesk/Screenshot Twitter: @Danijel_Suster/BuzzFeed Austria

Das Karl-Lueger-Denkmal in Wien wurde erneut „verziert“ - diesmal mit drei Kloschüsseln. Doch wieso ist diese Statue eigentlich so kontrovers?

In Wien gibt es ja doch einige ausgefallene Kunstausstellungen, doch ein historisches Denkmal geschmückt mit drei Kloschüsseln - das gab es bisher noch nicht. Der Grund dafür ist ein recht einfacher: Die Aktion beim Karl-Lueger-Denkmal ist ein Protest gegen die Tatsache, dass hier eine Statue vom ehemaligen Wiener Bürgermeister überhaupt steht. Unbekannt ist bisher nur, wer für die Aktion verantwortlich ist, wie Kulturstadträtin Veronice Kaup-Hasler (SPÖ) gegenüber der Tageszeitung „Kurier“ sagt. Mittlerweile wurden die Kloschüsseln wieder entfernt.

Warum das Karl-Lueger-Denkmal so umstritten ist

Karl Lueger gilt als eine der prägendsten Figuren in der Geschichte der österreichischen Politik. Im späten 19. Jahrhundert gründete er die Christlichsoziale Partei, die wir heute als die Österreichische Volkspartei (ÖVP) kennen. Zudem war er von 1987 bis zu seinem Tod im Jahr 1910 Wiener Bürgermeister. Lueger leistete einen großen Beitrag für die Entwicklung der Hauptstadt zu einer modernen Großstadt. Jedoch war der Wiener auch ein großer Befürworter des Antisemitismus und galt sogar als Vorbild von Adolf Hitler.

Das über zehn Meter hohe Lueger-Denkmal am Stubenring in Wien wurde 1926 errichtet. Seit Jahren wird heftig darüber diskutiert, wie man am besten mit dem Denkmal umgehen sollte. Die Meinungen gehen hierbei von einer Beibehaltung der jetzigen Statue über eine Umgestaltung bis zur kompletten Entfernung weit auseinander. Die Grünen in Wien äußerten sich bereits im November 2021 in einer Presseaussendung dazu, dass das Lueger-Denkmal „so nicht weiter stehen bleiben“ könnte. Für die Freiheitlichen in Wien dürfte der „Lueger-Denkmalsturm nicht legitimiert werden“.

„Künstlerische Kontextualisierung“ bis Herbst ausgeschrieben

Die in Wien regierende SPÖ und Kulturstadträtin Kaup-Hasler versuchen einen Mittelweg einzuschlagen. Das umstrittene Lueger-Denkmal soll bleiben, allerdings mit einer „künstlerischen Kontextualisierung“. Bereits im Mai 2021 gab es dazu einen runden Tisch mit rund 40 Teilnehmer:innen verschiedener Positionen, um sich über die unterschiedlichen Meinungen auszutauschen. Dafür gibt es nun gemeinsam mit KÖR (Kunst im öffentlichen Raum) eine Ausschreibung, die bis Herbst 2022 fertig sein soll. Ob sich auf der neuen Version des Lueger-Denkmals dann ebenfalls drei Kloschüsseln befinden werden, ist eher unwahrscheinlich.

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