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Das Kulturerbe der Ukraine ist in enormer Gefahr: So kannst auch du es virtuell bewahren

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Von: Sophie Marie Unger

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Ein zerstörtes Theater in Kiew.
Mit der Website „Saving Ukrainian Cultural Heritage Online“ kannst auch du Kunstschätze der Ukraine bewahren. © APA Picturedesk

Die russischen Angriffe zerstören nicht nur Leben, sondern auch die Kulturschätze der Ukraine. „Saving Ukrainian Cultural Heritage Online“ will das Kulturerbe virtuell bewahren.

Die russische Invasion dauert nun bereits einen Monat an und hat für großes Leid gesorgt. Zahlreiche Menschen haben ihr Hab und Gut verloren, mussten flüchten, viele kamen ums Leben. Aber auch das kulturelle Erbe bleibt von der russischen Aggression nicht verschont. Wichtige Kultureinrichtungen, wie etwa das Theater der Stadt Mariupol und das älteste Höhlenkloster des Landes, wurden durch Bomben zerstört. Die Organisation „Saving Ukrainian Cultural Heritage Online“ hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, die Kulturschätze des Landes digital zu konservieren.

Wie genau funktioniert „Saving Ukrainian Cultural Heritage Online“?

Grundsätzlich versucht die Organisation „Saving Ukrainian Cultural Heritage Online“ (SUCHO), das Kulturerbe der Ukraine für zukünftige Generationen zu bewahren. Anders als Menschen vor Ort, die ihre Kulturschätze mit Sandsäcken schützen und Gemälde in Bunkern verstauen, arbeitet die Organisation von der Ferne aus und setzt dabei auf Digitalisierung. Standorte, Websites und Archive von Kultureinrichtung - also alle Daten, die öffentlich digital zugänglich sind - werden heruntergeladen und gesichert. Das können konkret Trachten-Schnittmuster, Fotografien, virtuelle Touren von Bauwerken aber auch Filme und Videos sein. Normalerweise arbeiten die Freiwilligen der Organisation mit einem automatischen System - dem Browsertrix Crawler - der die Daten herunterlädt. Doch das funktioniert nicht immer. Deshalb müssen viele Websites auch manuell aufgerufen und bearbeitet werden. Und genau an jenem Punkt kannst du mithelfen.

Wie kannst du dazu beitragen?

Die Initiatior:innen suchen immer wieder freiwillige Helfer:innen, die eben jene Downloads in die Wege leiten, die nicht automatisiert ablaufen können. Hierfür braucht es keine außergewöhnlichen Skills. Hast du aber bspw. IT-Erfahrungen, können diese auch beim Testen neuer Vernetzungstools eingesetzt werden. Zudem kannst du auch ukrainische Kultureinrichtungen vorschlagen, die eventuell etwas versteckter aufzufinden sind oder keine Website besitzen. Diese werden dann separat behandelt und ebenfalls ins System mit aufgenommen. Du willst also mithelfen? Dann fülle zunächst das Anmeldeformular aus - dort kannst du auch deine Skills eintragen und angeben, auf welchem Weg du helfen willst. Danach wirst du in den Slack-Verteiler aufgenommen, über den du weitere Infos erhältst.

Wer steckt dahinter?

Das Projekt wurde von einer Gruppe aus Bibliothekar:innen, Archivar:innen, Forscher:innen und Programmierer:innen ins Leben gerufen, welche die Gefahr der Zerstörung des kulturellen Erbes in der Ukraine schon früh erkannte und schnell Handlungen setzte. Man fand im Harvard Ukrainian Research Institute und in der University of Alberta wichtige Partner:innen für die Zusammenarbeit. Einer der Initiatoren sitzt in Wien und heißt Sebastian Majstorović. Er arbeitet für das Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural Heritage. Nach drei Wochen hat die SUCHO bereits zehn Terabyte an Daten gesichert. Zu Beginn hat Majstorović die Serverkosten selber übernommen, doch der Bedarf ist riesig und somit wuchsen die Kosten massiv. Inzwischen bekommt die SUCHO Unterstützung von Tech-Konzernen und Internet-Providern, die die Server kostenlos zur Verfügung stellen.

Warum ist das so wichtig?

Sebastian Majstorovićs persönlicher Zugang zeigt, wie wichtig ein virtuelles „Aufheben“ von kulturellen Erzeugnissen ist. Als Schüler erlebte er als Augenzeuge den Einsturz des Kölner Stadtarchivs im Jahr 2009 mit. Zahlreiche Dokumente wurden zerstört - wertvolle Urkunden, mittelalterliche Handschriften und historische Fotos. „Unsere Schule grenzte an den Hinterhof des Stadtarchivs. Und zufällig war ich in dem Klassenraum, der auch auf das Archivgebäude blickte“, erzählt er der Deutschen Welle. Wie sehr bereits Zerstörtes die Arbeit von Historiker:innen erschwert, weiß Sebastian Majstorović deshalb nur zu gut. 

Auch die Archive in Wien und Mailand, mit denen er vorwiegend arbeitet, wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört oder in den 1920ern bei Ausschreitungen angezündet. „Deshalb sind digitale Sicherungskopien so wichtig“, so Majstorović. Die Herausforderung sei nicht die Digitalisierung an sich, sondern die internationale Zusammenarbeit. „Saving Ukrainian Cultural Heritage Online“ könnte durch den massiven Input von Freiwilligen daher schon bald nicht mehr nur auf die Ukraine zugeschnitten sein.

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