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Die MedUni Wien zeigt, dass ein Song von Rapper Logic vielen Menschen das Leben gerettet hat

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Von: Sophie Marie Unger

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Rapper Logic während einer Performance in Rosemont.
US-Rapper Logic hat einen Song veröffentlicht, der vielen Menschen das Leben gerettet hat. © Daniel DeSlover

Musik kann viel bewirken: Das zeigt nun eine Studie der MedUni Wien. Sie stellte nämlich fest, dass ein Song von US-Rapper Logic einen positiven Effekt auf die Suizidrate in den USA hatte. Was es mit dem Song und der Studie konkret auf sich hat, erfährt ihr hier.

Der amerikanische Rapper Logic veröffentlichte im April 2017 gemeinsam mit Kahlid und Alessia Cara einen Song mit dem Titel
„1-800-273-8255“. Diese Zahl war nicht etwa Namensvorlage für Elon Musks Tochter und sorgte deshalb für Aufsehen, nein sie ist die Telefonnummer der Nationalen Hotline für Suizidprävention (NSPL) in den Vereinigten Staaten. Der Song wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, auf YouTube erhielt Logic für das Musikvideo rund 430 Millionen Aufrufe. Nun wurde auch noch ein positiver wissenschaftlicher Effekt nachgewiesen - Erfolg auf allen Ebenen sozusagen, doch um was geht‘s überhaupt?

Worum geht‘s in der Nummer?

Ein schwarzer Junge verliebt sich in einen Mitschüler. Schöne Lovestory, nicht wahr? Nicht ganz, denn dieser Junge wird wegen seiner sexuellen Orientierung und Herkunft diskriminiert und ausgeschlossen. Weil er niemanden hat, mit dem er reden kann, immer einsamer wird und den Lebensmut verliert, bereitet er sich darauf vor, seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch dann wählt er die Nummer des Hilfetelefons und überwindet schließlich seine Krise.

Hilfe holen!

Falls dir einmal ähnliche Gedanken kommen und du jemanden zum Reden brauchst, wende dich an folgende Plattformen - die Kontaktaufnahme erfolgt anonym:

Telefon Seelensorge: Hier erreichst du unter der gebührenfreien Nummer 142 rund um die Uhr ausgebildete Berater:innen. Sie begegnen allen Anrufenden und Nutzer:innen mit Respekt und Wertschätzung. Wer nicht so gerne telefoniert, kann den dazugehörigen Chat unter: www.onlineberatung-telefonseelsorge.at nutzen.

Rat auf Draht: Die österreichische Notrufnummer 147 hat sich über Jahrzehnte bewährt. Vertrauliche Themen wie Sexualität, Freundschaft, Familie und kannst du hier ebenfalls mit einem multiprofessionellen Team übers Telefon oder per Anfrage unter: www.rataufdraht.at/online-beratung besprechen.

Der Song greift somit ein Thema auf, das weder damals noch heute vom Tisch ist. Noch immer werden zahlreiche Jugendliche aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und ihrer Herkunft gemobbt. Rapper Logic war sich dessen bewusst. „Ich habe den Titel aufgenommen, als mir bewusst wurde, dass meine Musik eine echte Wirkung auf das Leben vieler Leute hat. Wir wollten ihnen helfen“, sagte der 31 Jahre alte Rapper. Doch ob er auch wusste, dass dies irgendwann einmal statistisch nachgewiesen werden konnte?

Was die Uni Wien genau herausfand

Ein Forschungsteam rund um Thomas Niederkrotenthaler von der Med-Uni Wien hat sich dem heiklen Thema angenommen und die Unterhaltungsbranche miteinbezogen. Als Basistheorie diente dabei der sogenannte Werther-Effekt - also das Phänomen weiterer Suizide, nachdem eine Selbsttötung öffentlich thematisiert wird. Es stellte sich aber Gegenteil heraus, was in der Forschung auch als Papageno-Effekt (in Mozarts Zauberflöte will der Vogelfänger seinem Leben ein Ende setzen, weil er keine Frau findet – aber die drei Knaben retten ihn) bezeichnet wird.

Die Zahl der Suizide sank um mehr als fünf Prozent

Die Wissenschafter:innen haben sich auf drei konkrete Ereignisse und dazugehörige Vergleichszeiträume festgelegt: Den 17. April, als der Song veröffentlicht wurde. Den Auftritt des Rappers mit Alessia Cara und Khalid bei den MTV Video Music Awards am 27. August und die Performance am 28. Jänner 2018 bei den Grammys. In den Wochen nach diesen drei Ereignissen gingen bei der Hotline knapp sieben Prozent mehr Anrufe ein, während die Zahl der Selbstmorde um durchschnittlich 5,5 Prozent sank– jeweils im Vergleich zu dem, was sonst in diesem Zeitraum wegen anderer Faktoren zu erwarten gewesen wäre. 

Das ist die Bilanz der Forschung

Auch wenn es sich „nur“ um eine Beobachtungsstudie handelt und kausale Zusammenhänge nicht inkludiert wurden, repräsentiere das Stück „wahrscheinlich die nach­haltigste Message zu Suizidprävention, die es bislang in Verbindung mit einer Geschichte über Hoffnung und Genesung gibt“, heißt es in der Untersuchung. Man wünsche sich daher, dass die Suizidprävention doch öfter so „kreativ und innovativ“ mit der „Unterhaltungsindustrie“ zusammenarbeitet. Na dann, Kolleg:innen mobilisieren und loslegen.

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