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Forschungsteam in Graz entwickelt „Long-Covid“-App, um Betroffenen mehr Lebensqualität zu bieten

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Von: Johannes Pressler

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Fotomontag von links einer Frau, die im Bett auf ihr Smartphone blickt und rechts einer Frau, die eine FFP2-Maske trägt.
„Long-Covid“ betrifft rund zehn bis 20 Prozent der COVID-19-erkrankten Menschen. Dagegen entwickelt ein Grazer Forschungsteam nun eine eigene App. ©  Wolfgang Maria Weber/Rolf Kremming/Imago/BuzzFeed Austria

In Graz soll eine App zur Behandlung von „Long-Covid“ entwickelt werden. Projektverantwortliche Marisa Koini (Med Uni Graz) erklärt, was man hiermit erreichen möchte.

Die COVID-19-Infektionszahlen sind zwar langsam wieder am Sinken, gleichzeitig werden die Nacheffekte einer Erkrankung zu einer immer ernsteren Angelegenheit. „Long-Covid“ nennt man diese gesundheitlichen Langzeitfolgen, die häufigsten Symptome sind Atembeschwerden, Erschöpfung und allgemein eine geringere Leistungsfähigkeit. Laut Statistiken betrifft das rund zehn bis 20 Prozent der COVID-19-erkrankten Menschen. Ein österreichisches Gericht hat „Long-Covid“ vor Kurzem sogar erstmals rechtlich anerkannt. BuzzFeed Austria hat darüber bereits berichtet.

In derselben Stadt, wo dieses Gerichtsurteil gefallen ist, soll nun der Startschuss für ein innovatives Projekt fallen: Die Entwicklung einer „Long-Covid“-App, um betroffene Patient:innen besser zu unterstützen und mehr Lebensqualität nach einer COVID-19-Erkrankung zu bieten. Beteiligt am Projekt mit dem Titel „Cogni-Reha“ sind unter anderem die Forschungsgesellschaft Joanneum Research und die Medizinische Universität Graz. Bei letzteren hat BuzzFeed Austria nachgefragt und wollte mehr über das Projekt erfahren.

Projektverantwortliche der Med Uni Graz: „Long-Covid“-App zur „Leistungsverbesserung“

Vonseiten der Med Uni Graz wird das Projekt von Marisa Koini geleitet. Die Assistenzprofessorin vom Universitätsklinikum Graz arbeitet in der klinischen Abteilung für Neurologie, ist also spezialisiert auf das menschliche Nervensystem. Mit der „Long-Covid“-App will man mehrere Aspekte der gesundheitlichen Langzeitfolgen bekämpfen. „Die Idee der App ist es, ‚Long-Covid‘-Patient:innen hinsichtlich kognitiver Fähigkeiten, Fatigue und Atemübungen zu trainieren, um eine Leistungsverbesserung in diesen Fähigkeiten zu erzielen“, sagt die Projektverantwortliche gegenüber BuzzFeed Austria. Für die Studie sei anfänglich eine dreimonatige Trainingsphase geplant.

Der erste Schritt soll nun eine Online-Umfrage sein, so erhoffe man sich möglichst schnelle Erkenntnisse, um bis Sommer einen ersten Prototyp zu entwickeln. Für diese Befragung werden vor allem „Long-Covid“-Betroffene und deren Angehörige benötigt, das Team von Koini ist allerdings auch auf der Suche nach medizinischem Personal sowie Psycholog:innen und Personen aus der Physiotherapie. In weiterer Folge sei das Ziel des Projekts laut der Neurologin „ein Gedächtnis- und Aktivierungstraining via App für zu Hause, das die Symptome von ‚Long-Covid‘ verbessern und die Behandlung in einer Ambulanz oder Reha-Einrichtung unterstützen soll“.

Eine Ärztin mit FFP2-Maske und ihr Patient arbeiten an einem Tablet.
Marisa Koini (Med Uni Graz) leitet das Projekt „Cogni-Reha“. © Marisa Koini

Med Uni Graz soll App evaluieren, Projektende für 2023 geplant

An der Online-Umfrage teilnehmen können Testpersonen aus ganz Österreich, solange es für diese möglich ist, für drei bis vier Untersuchungen persönlich nach Graz zu kommen. Das sonstige Training erfolgt daheim und mit monatlicher Online-Betreuung. Die Hauptaufgabe der Med Uni Graz und Marisa Koini liegt darin, den ersten Prototyp der „Long-Covid“-App zu evaluieren. „Das bedeutet, wir werden die Leistung in neuropsychologischen Tests, die vor und nach dem Training erhoben werden, zwischen einer Interventionsgruppe und einer Kontrollgruppe vergleichen. Insgesamt hoffen wir natürlich, dass die Leistung der Interventionsgruppe schneller besser wird als die der Kontrollgruppe“, sagt die Projektverantwortliche.

Diese App könnte einen wesentlichen Beitrag für einen besseren Umgang mit den gesundheitlichen Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung leisten. Bis das Projekt auch für alle Betroffenen zur Verfügung steht, könnte es allerdings noch etwas dauern. Ab der ersten Phase im Sommer folgt im Herbst die Evaluierung der App von der Med Uni Graz. Im Herbst 2023 sei dann geplant, das Projekt zu beenden und eine kommerzielle App als Medizinprodukt auf den Markt zu bringen. Diese soll dann übrigens kostenpflichtig sein, aber zumindest mit einer gratis Testversion für Unentschlossene.

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