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„Ich liebe meine WKStA“ - 2021 war ein gutes Jahr gegen Korruption in Österreich

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Von: Helena Dimmel

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Demo in Wien „Ich liebe meine WKStA“
die WKStA und ihre treuen Fans © Imago/photonews.at/Georges Schneider

Auch 2021 hat die WKStA und die dazugehörige Berichterstattung dafür gesorgt, dass uns bewusster wird, wie viel Korruption es in der Alpenrepublik gibt.

Ach, Österreich. Land der Berge, Land der parteifreundlichen, millionenschweren Steuer-Hinterzieher. Land der schäbigen Schleckos, die 500.000 Euro im Jahr verdienen, dafür, dass sie nichts tun (und die Allgemeinbevölkerung gern als „Pöbel“ bezeichnen). Land der Oligarchinnen-Bezirzer, der gefallenen Messiasse, die ewigen Frieden bei globalen Überwachungsfirmen finden. Kurz gesagt: Ein Land, das dringend jemanden oder etwas braucht, der/das den ganzen Wapplern mal auf die Finger schaut. Enter: die WKStA (die Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption).

Korruption in Österreich: Von Sümpfen, Fröschen und Memes

„Drain the swamp!“ („Trocknet den Sumpf aus!“) war in den USA der Parteisager des guten, alten Donald Trump. Die Aussage muss man natürlich in dem Kontext betrachten, dass es sich damals um eine populistische Phrasendrescherei handelte. Er, der Donald, würde die abgehobenen Politiker:innen zur Rechenschaft ziehen, als der bescheidene Mann des gemeinen Volkes, der er ist (lol). Wie das ausgegangen ist, ist ja allgemein bekannt.

Trotzdem, der Satz an sich, also das Austrocknen des Sumpfes, mit der Bedeutung, den Reichen, Mächtigen, Freunderlwirtschaftern quasi das Versteck (den Sumpf) zu nehmen, könnte 2021 auch eine schöne Metapher für die WKStA sein. Ein Punkt, den ich übrigens besonders wichtig finde, ist, dass die Strafverfolgungsbehörde ins kollektive Bewusstsein der Österreicher:innen gerutscht ist. Wer „I love WKStA“ googelt, kann sich an einer Vielzahl von T-Shirts, Tragetaschen und anderem lustigen Merch erfreuen. Das passt der Elite des Landes wohl nicht - gschissn gschmissn hätt i gsogt. „Wenn man einen Sumpf austrocknen will, darf man nicht die Frösche fragen“ lautet ein altes, weises Deutsches Sprichwort.

Ich will hier jetzt auch überhaupt nicht so tun, als wäre die Wirtschafts- und Korruptions-Staatsanwaltschaft nur super toll, das kann bei einer Behörde nie der Fall sein (auch wenn sie wie die WKStA rund 1300 fünf-Sterne-Bewertungen auf Google Maps hat). Vor allem, weil Behörden von Menschen geführt werden, die mitunter Fehler machen oder sich zum Fehler machen bestechen lassen (wie man bei der ein oder anderen österreichischen Behörde 2021 gut sehen konnte). Trotzdem: An dieser Stelle ein großes Danke an die WKStA für all die Hausdurchsuchungen, die aufgedeckten korrupten Machenschaften der österreichischen Politik und last but not least für die wunderbar köstlichen, absurden Memes und Schmähs, die dadurch entstanden sind. Wir haben dieses Jahr viel durch die WKStA erfahren. Weil‘s so schön war, hier drei beispielhafte, exquisit korrupte Auszüge:

Gernot Blümels Frau ist mit seinem Laptop spazieren gegangen

Im Juni 2020 behauptete Gernot Blümel noch im U-Ausschuss, gar keinen Laptop gehabt zu haben. Während der Hausdurchsuchung bei Blümel Anfang Februar 2021 gab der Finanzminister an, ein Notebook zu besitzen. Seine Frau durfte er vorwarnen (gar nicht korrupt oder so), dass die gemeinsame Bude gleich durchsucht wird, damit sie mit dem Baby spazieren gehen kann. In der Wohnung war dann - wer hätte es gedacht - kein Laptop. Blümels Frau hatte ihn mitgenommen, zum Spazierengehen.

Der Unternehmer Siegfried Wolf soll 4 Millionen Steuern gespart haben

Die neuesten Korruptions-Ereignisse drehen sich um den Großunternehmer Siegfried Wolf, der durch seine Beziehungen zur Politik mehrere Millionen Steuern gespart haben soll. Involviert sind verschiedene Ex-Finanzminister, aber auch hohe Tiere aus dem Finanzministerium. Das geht schon mal in Österreich, vor allem wenn Thomas Schmid, noch amtierender, aber bereits zurück getretener Chef der ÖBAG und every politicians‘ darling, interveniert. Die Ermittlungen laufen.

„Kriegst eh alles, was du willst“ mit Bussi-Emoji, gefälschte Umfragen und Bundesländer aufhetzen

Thomas Schmid und Sebastian Kurz - das Duo Infernale, die Zweimann-Schlecko Armee-Feldwebel, haben dieses Jahr eine Reihe von Chatverläufen zum Besten gegeben, die einfach alles zusammenfassen, was in diesem Land schiefläuft (und inwiefern sie dafür verantwortlich sind). Kurzibär ist seitdem zurückgetreten, Schmid auch, die Ermittlungen laufen allerdings noch und wer wann wie in den Hefn geht, das erfahren wir in der nächsten Staffel von „WKStA - Korrupte Hansln regieren das Alpenland“, die 2022 anläuft.

2021 hat uns wieder mal gezeigt, dass wir mehr gegen Korruption in unserm Land tun müssen

Wir brauchen die WKStA, wir brauchen kritische Berichterstattung und Investigativ-Journalismus, wir brauchen Instanzen, die kontrollieren, ob es in Österreich rechtens zugeht. Für alle, die sich auch persönlich engagieren wollen, gibt es das Anti-Korruptions-Volksbegehren, für das voraussichtlich ab Februar 2022 wieder Stimmen gesammelt werden. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was das neue Jahr bringt - und hoffe, dass wir der Korruption einmal mehr kollektiv den Kampf ansagen.

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