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Ist Barbie oberflächlich und tussig? Also meine war Geheimagentin

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Von: Sophie Marie Unger

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Verschiedene Barbie-Puppen in einer Vitrine.
Meine Barbie hatte einige Aufgaben zu bewältigen - von Geheimdienst bis Luftfahrt war alles dabei. © APA Picturedesk

Gestern war Frauenkampftag, heute ist Tag der Barbie. Für viele wird das eventuell nicht ganz zusammenpassen. Für mich schon. Meine 2Cents zur bekanntesten Puppe der Welt.

Schon vorweg: Ich bin Barbie-Fan seit Tag eins. Für mich waren die trendigen Puppen lange (bis in die Pubertät hinein) Wegbegleiterinnen und haben mich sicherlich auch ein Stück weit zu dem gemacht, wer ich heute bin. Ich würde mich als starke, unabhängige, hilfsbereite Frau beschreiben, die sich - abgesehen von depressiven Phasen, die ja jede:r mal hat - als stabil und selbstbewusst bezeichnet. Und natürlich bin ich Feministin.

Also all das, wovor Wissenschafter:innen Anfang der 2000er Jahre gewarnt haben - welch gefährlichen Einfluss Barbies etwa auf das Selbstwertgefühl von jungen Frauen haben - ist bei mir nicht vorzufinden. Natürlich kann ich von mir nicht sofort auf andere schließen, weshalb es ja auch die Wissenschaft gibt. Aber auch da sollte man genauer hinschauen.

Barbie auf der Anklagebank

Die bekanntesten Anschuldigungen gegenüber Barbies kurz zusammengefasst: Sie sei eine falsche Freundin, die das Frauenbild von Mädchen negativ beeinflussen würde. Zudem verhindere sie, dass sich Mädchen sich für technische Berufe interessieren würden und sorge dafür, dass das Selbstwertgefühl der Mädchen leidet. Im schlimmsten Fall könne sie psychische Erkrankungen und Essstörungen hervorrufen. Klingt ja echt nicht gerade rosig. Schaut man bei den Studien genauer hin, besteht bei vielen aber Erklärungsbedarf.

Besser als ihr Ruf

Hier nur ein Auszug an bekannten Beispielen: Eine Studie der Universität Sussex kam 2006 zu dem Schluss, dass die Barbiepuppe Magersucht fördert. Hierfür wurden aber lediglich 200 Mädchen befragt, was keinesfalls als statistisch relevant angesehen werden kann, sondern nur als Stichprobe gilt. Allgemeingültigkeit besteht daher nicht.

2015 haben 270 Forscher:innen aus aller Welt die Studie wiederholt und keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Barbie-Puppen und Essstörungen feststellen können. Eine kürzlich publizierte australische Studie der School of Psychology in Adelaide hat zudem herausgefunden, dass sich die Barbie nicht negativ auf das eigene Körpergefühl der Mädchen auswirkte. Sprich: Keines der befragten Mädchen litt, weil sie selbst nicht so dünne Beine wie Barbie hatte. 

Barbie-Spielen fördert Empathie und Kreativität

Mit Barbies zu spielen hat sogar nachweislich positive Effekte. Das Spielzeug aktiviert laut einer 2020 erschienen Studie der Universität Cardiff Gehirnregionen, die es Kindern ermöglichen, Empathie und Fähigkeiten der soziale Informationsverarbeitung zu entwickeln. Auch dann, wenn sie alleine spielen, was wiederum die Kreativität fördert. Und genau jenen Punkt kann ich einfach nur unterschreiben.

Bei keinem anderen Spielzeug konnte ich mich so entfalten. An einem Tag wurde unser Wohnzimmer zum ultimativen Flugplatz umfunktioniert, von welchem aus Barbie startete, um ihre gestrandeten Freund:innen aus dem Dschungel zu retten. Am nächsten Tag war sie als Geheimagentin tätig, um plötzlich verschwundene Pferde zu finden. Ich bin der Meinung, das hat eher was von Kim Possible, welche übrigens von diversen Seiten für ihre Furchtlosigkeit und ihren Mut gelobt wird.

Natürlich faszinierten mich auch die bunten Kleider, die High Heels und die Accessoires und nicht selten fand in unserem Vorzimmer eine Fashionshow statt. Vermutlich entwickelte sich dadurch auch meine Leidenschaft für Mode und Styling, aber das ist ja grundsätzlich nichts Verwerfliches. Im Gegenteil, die unterschiedlichen Rollen, in die meine Barbie schlüpfen durfte, gaben mir das Gefühl, dass wirklich alles möglich ist.

Erwachsener Blick ist einseitig

Erwachsene, die oftmals das Kind ins sich untergraben, können diese Vielschichtigkeit gar nicht mehr wahrnehmen. Sie sehen eventuell nur einen Ausschnitt des gesamten Spiels- etwa das Umkleiden der Barbie - und ziehen lineare Schlüsse, obwohl die Barbie fünf Sekunden zuvor noch als taffe Piloten unterwegs war. Daher ist es wichtig, wie bei so vielen Dingen, nicht ins Schwarz-Weiß-Denken zu verfallen.

Wir sind keine schlicht gestrickten Wesen - schon gar nicht im Kindesalter. Die Aufgabe der Eltern sollte es daher sein, diese Vielschichtigkeit zu fördern, die Möglichkeiten, in welche Rollen eine Barbie denn schlüpfen kann, aufzuzeigen und nicht bei der Aussage der Tochter, dass sie derzeit auf Rosa steht, in Panik zu verfallen. Nächste Woche ist‘s wahrscheinlich eh wieder Blau.

Was ich persönlich als wirklich problematisch sehe sind hingegen die Schönheits-Algorithmen, die über Filter & Co. in den Sozialen Medienunser unser Körperbild und die Beauty-Ideale junger Generationen verzerren.

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