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Clubs und Bars werden ohne Wenn und Aber wieder geöffnet - viel zu früh

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Von: Christian Kisler

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Montage: Tisch mit Getränken, Szene aus einer Bar
Clubs und Bars dürfen ab 5. März wieder geöffnet werden. © Credit Michael Appelt/Verlagsgruppe News/APA-PictureDesk/viennaslide/IMAGO/BuzzFeed Austria

Mitten im Höhepunkt der COVID-19-Pandemie verspricht die Bundesregierung, dass ab 5. März wieder alle Clubs öffnen dürfen. Klar, dass Wien einen Sonderweg geht. Was heißt das jetzt? Und ist das klug? Meine 2Cents dazu.

Tanzen gehen bis in die Morgenstunden. Nach Mitternacht mit Freund:innen im Lieblingsbeisl vermeintlich tiefschürfende Gespräche führen. Bei einem Konzert irgendwo ohne zugewiesenen Platz stehen, mit dem Fuß wippen und Bier schlürfen. Kannst du dich noch daran erinnern? Auch mir kommt es vor, als wäre es in einem anderen Leben gewesen. Im mittlerweile dritten Jahr der ollen COVID-19-Pandemie hat man das Gefühl für Zeit ein bisschen verloren. Am Anfang, als Mitte März 2020 der erste Lockdown ausgerufen wurde, hatten nicht wenige das Gefühl, jetzt sechs Wochen oder ein bisschen mehr durchbeißen, dann ist das schon ausgestanden, irgendwie. Aber nein.

Das Virus war dann doch hartnäckiger als gedacht und hat über den Lockdown hinaus neben anderen vor allem eine Branche hart getroffen: die Bar- und Club-Szene und alle, die damit beruflich zu tun hatten. Barpersonal, DJs, Veranstalter:innen und noch viele mehr. Als hätten wir im Laufe der Zeit nicht genug Lokale verloren, wirkte die Pandemie wie ein Brandbeschleuniger in dem Bereich, den wir alle plötzlich als „Nachtgastronomie“ kannten.

2G als Zutrittsnachweis in einen Club zu fordern, ist vollkommen richtig

Ab 5. März soll also wieder geöffnet werden dürfen, österreichweit fallen Maskenpflicht und - ganz wichtig - Sperrstunde. Und während man einen Club oder eine Bar in acht von neun Bundesländern getestet, geimpft oder genesen betreten kann, geht Wien einen anderen Weg. Wieder einmal. Hier gilt nach wie vor die 2G-Regel. Und, ganz ehrlich, das halte ich auch für ganz richtig, wobei ich ja in manchen Fällen die 2G-plus-Regel sogar vorziehen würden. Zum grünen Pass, der bescheinigt, dass man geimpft oder genesen ist, zusätzlich einen gültigen Test vorlegen zu müssen also. Fände ich überall dort angebracht, wo es etwa voll zu werden droht und die Lüftungsanlage nur mittelprächtig funktioniert. Aber bitte, ich bin ja womöglich auch ein bisserl übervorsichtig.

Österreichs Lockerungen bezüglich der Corona-Maßnahmen betreffen ja nicht nur die Nachtgastronomie. Sondern auch den Handel, die sogenannten körpernahen Dienstleistungen, den Eintritt in Sportstätten und Seilbahnen sowie Tourismus und „herkömmliche“ Gastronomie. Mit den Öffnungen und Erleichterungen möchte man es anderen europäischen Ländern gleichmachen. Allerdings lässt man dabei außer Acht, dass dort die Impfquote meist höher ist als hierzulande, dass es prinzipiell weniger Schwurbler:innen gibt, was wiederum bedeutet, dass die jeweilige Bevölkerung besonnener handelt.

Europaweit sind die Regelungen für Clubs sehr unterschiedlich

Gerade was die Clubszene anbelangt, sind die Vorgehensweisen doch sehr unterschiedlich. In Italien und Frankreich muss beim Einlass ein Impfnachweis vorgelegt werden. In Dänemark und Schweden gibt es gar keine Einschränkungen, in Belgien ebenso wenig, nur dass dort die maximale Anzahl an Gästen in den Clubs verringert werden muss. Deutschland öffnet überhaupt erst Ende März, was meines Erachtens auch für Österreich der richtige Weg gewesen wäre. Aber so hat die Regierung eine Entscheidung getroffen, die es allen recht machen will und dabei mit dem Feuer spielt.

Im Sommer hält sich der Besucher:innenanstrom in den Clubs und Bars traditionell in Grenzen. Und da niemand weiß, wie sich das COVID-19-Virus verhält, gibt es im Herbst unter Umständen wieder ein böses Erwachen. Dann hat die Vienna Club Commission wieder alle Hände voll, um Club- und Bar-Betreiber:innen unter die Arme zu greifen. Weil sie nämlich wieder schließen mussten, nur weil jetzt wieder viel zu früh gelockert wurde. Gute Idee. NOT.

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