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Die Welt braucht keine Disney-Remakes

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Von: Helena Dimmel

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Susi und Strolchi
Susi und Strolchi sitzen als „reale“ Hunde ganz schön awkward vorm Abendessen © Disney/BuzzFeed.at

Disney-Remakes sind eine bedauernswerte Erscheinung der letzten 10 Jahre. Warum zur Hölle verwendet man hunderte Millionen Dollar dafür, eine Geschichte nochmal zu erzählen? Dabei gibt es so viel neues Talent da draußen, das Disney glänzen lassen könnte.

Ich verlautbare es hier mal als entitleder Millennial: Die Welt brauch keine neuen Disney-Remakes. Mit „Schneewittchen“, „Arielle die Meerjungfrau“ und „Aristocats“ wird es 2023 erneut unnötige Realverfilmungen von Disney-Klassikern geben. Jetzt schon ist die Twitter Community im Falle von „Schneewittchen“ erzürnt über die potenzielle Darstellung der sieben Zwerge. Disney hat inzwischen darauf reagiert und verlautbart, dass die Zwerge wahrscheinlich als „magische Kreaturen“ reinszeniert werden. Na serwas. Aber auch das Casting einer Latina (das Original-Schneewittchen ist aus Deutschland) und eine Geschichte, die den Zeitgeist des 21. Jahrhunderts einfach nicht mehr treffen kann, bieten Stoff für Diskussionen: Schließlich geht es in „Schneewittchen“ darum, dass eine 14-Jährige im Wald bei sieben Kleinwüchsigen haust und deren Haushalt schmeißt. Aber was lehrt uns dieses Beispiel einmal mehr? Richtig, dass Disney Remakes für‘n Arsch sind.

Never change a winning team

„Let it go, Let it gooooooo“ möchte ich den Disney-Chefs ins Ohr säuseln. Lasst es bitte bleiben. Dass Realverfilmungen wie „König der Löwen“ oder „Die Schöne und das Biest“ Kassenschlager geworden sind, verwundert wenig. Wer hätte es sich gedacht, eine erfolgreiche Geschichte ist auch nach zwanzig Jahren noch erfolgreich (whaaaat), vor allem vor einem Publikum von Kleinkindern.

Wie vehement Disney im letzten Jahrzehnt versucht hat, den allerletzten Groschen aus alten Geschichten heraus zu melken, zeigt die lange Liste der cringigen Remakes. „Alice im Wunderland“, „Susi und Strolch“, „das Dschungelbuch“, „Dumbo“, „Aladdin“ & Co hätte man sich wirklich sparen können: Rund 260 Millionen US-Dollar kostet so ein CGI (Computer Generated Imagery) Film - mehr als doppelt so viel wie „Küss den Frosch“, mit 105 Millionen Dollar. 2009 kam dieser in die heimischen Kinos und ist damit traurigerweise der letzte handgezeichnete Animationsfilm aus dem Hause Disney seit 13 Jahren.

Was Disney‘s Geschichten aber vor allem prägt ist die Zeit, in der sie gemacht wurden. Jedes der klassischen Meisterwerke spiegelt eine gesellschaftliche Grundkonstitution wider, den Stand der Animationstechnik, die Probleme, mit denen die Menschen damals konfrontiert waren und die Geschichten, die sie erzählen wollten. Disney ließ sich treiben mit dem Strom der Zeit, weg von rassistisch dargestellten Siam-Katzen, die mit Stäbchen Klavier spielen (siehe: „Aristocats“) hin zur ersten chinesischen Kriegerin Mulan, die quasi im Alleingang ihr Vaterland rettete. So ist jeder der Disney-Klassiker auf seine Art und Weise ein Zeitzeuge. Dass wie „Schneewittchen“ (1937!) nicht alle davon in das 21. Jahrhundert passen, versteht sich wohl von selbst. Genau deswegen möchte ich hier nochmal betonen, wie absurd ich es finde, dass man perfectly fine things für unglaubliche Geldmassen computer-animiert, nur um Kohle zu scheffeln.

Denkt euch gefälligst was Neues aus

Warum zur Hölle erzählt ihr Geschichten, die schon längst gut erzählt wurden? Von mir aus können sich auch meine Kinder und Kindeskinder noch genau die gleichen nostalgischen, wunderschön gezeichneten Disney Oldies reinziehen. Und wenn dann diverse Tokens auftauchen, die das zeitliche gesegnet haben, zum Beispiel im Falle Cinderella, Schneewittchen und Dornröschen, deren einzige Rettung im Leben ihr Prinz ist, dann ist auch das ein Fall für die Eltern, die dann Erklärungsbedarf haben.

Es liegt in der Verantwortung von Disney, neue Klassiker zu erschaffen, die die Werthaltung des 21. Jahrhunderts widerspiegeln. Wobei sich die Motive der Protagonist:innen in den letzten Jahren eh ordentlich gewandelt haben: Weg vom simplen Girls meets Boy hin zu Geschwisterliebe wie in „Frozen“, der Rettung eines Inselreiches wie in „Vaiana“ oder dem Business-Traum von Tiana in „Küss den Frosch“.

Ich verlange auf jeden Fall neue Geschichten. Ich will neue Animationsfilme, bitte auch wieder gezeichnet. Ob es vertretbar ist, dass Disney nur mehr CGI macht, ist zwar wieder eine andere Baustelle, ich persönlich bin definitiv Verfechterin des Handgezeichneten. (Da kann man mich auch das neuerdings so beliebte „Encanto“ nicht eines Besseren belehren). Ich sehe das ein bisschen so: Disney hat unsere Kindheit in den 90ern geprägt. Eine Kindheit, die man nicht vorm Smartphone hängend im Informationsüberfluss, sondern entweder draußen in der Natur oder vorm Fernseher pickend verbracht hat.

Fast schon monopolisiert hat man das Konzept der Träume, des magischen Wunderlandes und mit diesem auch die Vorstellung, dass wir gefälligst mit neuen Wundern beliefert werden. Ich für meinen Teil fühle mich als lebenslanges Disney-Fangirl übergangen. I did not sign up for this CGI shit, und ich will definitiv nicht, dass hunderte Millionen Disney-Budget für sperrige, klobige, hässliche Tier-Animationen aus dem Fenster geworfen werden. Der rattenartige Real-Dumbo besucht mich jetzt noch in meinen Albträumen.

Neue Talente gibt es genug da draußen

Ein Blick auf Instagram genügt, um die schiere Masse an jungen, talentierten Animator:innen da draußen wahrzunehmen, deren Feeds nur so sprudeln vor neuen Character-Designs und bisher nicht erschöpftem kreativen Potenzial. Auch was das Storytelling betrifft, scheint Hollywood kein Problem damit zu haben, neue Geschichte zu (er)finden. Es liegt also an den Verantwortlichen bei Disney, ob sie bereits vollwertige Disney-Klassiker zu abgedroschenen Secondhand-Produkten verwerten oder sich darauf besinnen, was sicher auch Walt Disney gewollt hätte: Dass man neue Wunder entdeckt.

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