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Warum ich glaube, dass die 2. Staffel von Bridgerton viele Frauen enttäuschen wird

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Von: Sophie Marie Unger

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Bridgerton Charakter Penelope und Hauptdarsteller und Hauptdarstellerinnen der zweiten Staffel.
Die neue Staffel von Bridgerton ist da: Leider hat sie mich nicht überzeugt. © Instagram/Bridgerton

Die 2. Staffel von Bridgerton ist auf Netflix angelaufen. Die revolutionären Frauenfiguren der ersten Staffel werden dabei grob vernachlässigt - das ist enttäuschend.

Bridgerton ist wieder da und ja, die Serie ist nach wie vor exzellentes Binge-Material. Auch ich hab mir Samstagabend gleich mal alle Episoden reingezogen. Natürlich ist der Flair der Puderperücken, Knallfarben und der Regency Romance nach wie vor spürbar. In erster Linie bin ich aber nur so lange dabei geblieben, weil ich innerlich auf etwas gewartet habe, was in der ersten Staffel an vielen Stellen doch relativ klar zum Ausdruck kam, aber in der zweiten Staffel extrem vernachlässigt wurde: Female Empowerment.

Was war in der 1. Staffel so revolutionär?

Im fiktiven 19. Jahrhundert der großen Serienproduzentin Shonda Rhimes (Grey‘s Anatomy, Scandal, Inventing Anna) regiert die schwarze Königin Charlotte. Der Hofstaat besteht dabei nicht nur aus weißen Männern, sondern auch aus interessanten Frauenfiguren und People of Color. Rollen mit Schauspieler:innen zu besetzen, die in der literarischen Vorlage eine andere Hautfarbe haben, oder sie historische Persönlichkeiten verkörpern zu lassen, denen sie aufgrund ihrer Herkunft nicht ähneln, wird als Colorblind-Casting bezeichnet und das wurde in Bridgerton der ersten Staffel ganz bewusst eingesetzt.

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Zudem werden Frauen in der ersten Staffel nicht eindimensional dargestellt. Die Geschichten von Frauen des 19. Jahrhundert werden neu geschrieben, indem ihre Wünsche und Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen. Die erste Staffel dreht sich um die älteste Tochter der Familie Bridgerton, Daphne. Ihre Perspektive ist es, die den Female Gaze - also die auch filmisch bewusst transportierte Sichtweise einer Frau auf ihre Umwelt und andere - auf die Bildschirme bringt.

Ein wichtiges Thema spiegelt sich dabei in der Sexualität wider. Regisseurin Rhimes wollte bewusst eine Umkehrung von Sexualität herbeiführen und in den Sex-Szenen das weibliche Vergnügen in den Mittelpunkt stellen. „Alles wurde hierfür genau geplant“, sagte sie dazu gegenüber „Entertainment Weekly“. Auch Schauspieler Jonathan Bailey, der Anthony Bridgerton spielt, erklärte diesen bewussten Zugang: „Frauen werden häufig vergessen und ausgebeutet, wenn Geschichten über Sex erzählt werden.“ Leider ist dies nicht nur in Geschichten so. Auch in der Realität herrschen noch immer klare Machtverhältnisse und Vorstellungen, wie sich Frauen während des Geschlechtsverkehrs zu verhalten haben. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Medien ihre Vorbildfunktion nutzen, um einen Umbruch herbeizuführen.

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Doch Rhimes beschränkt sich in der ersten Staffel nicht nur auf Sexualität, sie zeigt junge Frauen auf unterschiedlichste Weise und betont, dass Frauen mehr als nur Handarbeit leisten können, selbst handeln und nicht nur dienen. Schön ist, dass sie Frauen von damals richtige Leben, Gefühle und Charaktere zuschreibt, die diese nicht still in sich tragen, sondern laut und bunt nach Außen verkörpern. Somit wurde Mehrdimensionalität und Vielfalt erzeugt.

Was enttäuscht an der 2. Staffel?

Klar ist es hart, dass Duke Simon Bassett (Regé-Jean Page), der Breakout Character der ersten Staffel, nicht mit dabei. Doch diesen Schock haben wir ja mittlerweile verdaut. Viel mehr enttäuscht, dass starke Frauenfiguren der ersten Staffel ziemlich vernachlässigt werden und auch die Sexualität der Frau nicht so ausgefeilt zum Ausdruck kommt.

Die Ausgangslage ist jedenfalls schonmal schlechter als bei der ersten Staffel. Denn im Fokus steht diesmal Anthony Bridgerton, der älteste Sohn der Bridgerton Familie, der sich auf die Suche nach einer Ehefrau begibt und dabei so ziemlich alle Klischees eines Tinder-Fuckboys bedient, die es heutzutage so gibt. Neben einer Liste an Frauen, die er als würdig erachtet, behandelt er Sexarbeiterinnen mehr als abwertend und tut dann noch auf Saubermann.

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Ernüchternd ist diesbezüglich vor allem, dass solch ein Verhalten von Königin Charlotte indirekt mitgetragen wird. Ein Charakter, der in er ersten Staffel als revolutionär hervortrat, verliert somit etwas an Überzeugungskraft. Immer wieder wird betont, dass man das Leben am Hof eben nur so kennt und eine Teilung der Welt in „wir“ und die „anderen“ strikt eingehalten werden muss. Rhimes, die eigentlich für ihre Modernität gepriesen wird, bleibt daher immer noch im konservativen Rahmen.

Auch bei den Liebesbeziehungen an sich, wird das konservative Konstrukt und einige Rollenklischees wieder verstärkt bedient. Dieses Mal geht es um zwei Schwestern, die es auf denselben Mann abgesehen haben - das ist ein sehr altmodisches Konzept. Auch die Sexszenen scheinen in der zweiten Staffel eher gehetzt, als dass sie sich Zeit für die Bedürfnisse und Wünsche der Charaktere nehmen.

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Fazit

Bridgerton ist noch immer eine sehr sehenswerte Serie, doch der Zauber der ersten Staffel ist leider verfolgen. Mutige Moves hinsichtlich Empowerment, Female Gaze und Modernität am Königshof sind mehr als rar. Gott sei Dank gibt es in Staffel zwei Figuren wie Penelope Featherington, Eloise Bridgerton und Kate Sharma, die sich durch ihre Charaktere abheben und für den ein oder anderen Gänsehautmoment sorgen.

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