1. BuzzFeed.at
  2. News
  3. Meinung

Freedom-Day ist eine extrem unpassende Bezeichnung für die langersehnte Aufhebung der Corona-Maßnahmen

Erstellt:

Von: Emily Erhold

Kommentare

FFP2-Masken im Mülleimer und tanzende Frau im Club.
In Österreich fällt am 5. März ein Großteil der Corona-Maßnahmen. © Photothek/Panthermedia/Imago/BuzzFeed Austria

Es ist der Moment, auf den wir uns alle schon seit Beginn der Pandemie freuen: die Aufhebung aller Corona-Maßnahmen. In den Medien wird dieser Tag mittlerweile als Freedom-Day bezeichnet. Absolut unpassend. Hier meine 2Cents dazu:

Es gibt bereits Freedom-Days, die berechtigterweise so heißen. Die (womöglich vorübergehende) Aufhebung von Maßnahmen zum Schutz der eigenen Gesundheit sollte meiner Meinung nach nicht so bezeichnet werden.

Der Tag, an dem es so ist wie es früher war

Jeder von uns kann sich vermutlich noch an den Moment erinnern, an dem der damalige Bundeskanzler Sebastian Kurz etwas ankündigte, was es zuvor noch nie gegeben hatte: einen Lockdown. Das öffentliche Leben sollte für ein paar Wochen still stehen. Die Österreicher:innen sollten, wo es ging, von zu Hause aus arbeiten. Durch den Rückzug in die eigenen vier Wände sollte dem neuen Coronavirus, das sich auf der Welt verbreitete, Einhalt geboten werden. Nur die wenigsten ahnten damals schon, dass sich unser alltägliches Leben nicht nur für ein paar Wochen, sondern für ein paar Jahre deutlich verändern würde.

Doch schon nach dem ersten Lockdown wurde deutlich: Mit wenigen Wochen Social Distancing lässt sich eine Pandemie nicht beenden. In die weite Ferne rückte der Tag, an dem die „alte“ Normalität endlich wieder gelebt werden konnte. Das endgültige Ablegen der Maske wurde zum sehnlichen Wunsch von uns allen. Die Gedanken an den Tag, an dem alle Corona-Maßnahmen fallen, an dem alles so ist, wie es früher war, wurde zum Licht am Ende des Tunnels. Das Ende der Pandemie ein Ziel, auf das hingearbeitet werden muss.

Etwas mehr Freiheit als vorher

Nahezu zwei Jahre nach der Verkündung des ersten Lockdowns gab es diesen Tag noch immer nicht wirklich. Stattdessen gab es ein hin und her zwischen harten und nicht so harten Lockdowns, mal mehr Maßnahmen, mal weniger. Mit der Impfung und den Test-Kapazitäten kamen Verordnungen wie die 3G-Regel hinzu, aus der dann in manchen Bereichen kurzfristig die strengere Regel wie 2G oder 2G Plus wurde. Ein richtiges Ablegen der Maske gab es also nicht. Einen Tag, an dem alles so war wie vor der Pandemie auch nicht.

Doch mit der Omikron-Welle wurden die Karten schließlich neu gemischt. Ein Ende der Corona-Pandemie ist weiterhin nicht absehbar. Die Infektionszahlen sind so hoch wie nie. Dafür sorgt der leichtere Verlauf der neuen Corona-Variante dafür, dass sich die Lage auf den Intensivstationen zunehmend entspannt. Immer mehr Länder lockern daher die Corona-Maßnahmen.

Auch Österreich will ab 5. März nahezu alle Einschränkungen aufheben. Gut, die Maskenpflicht in Supermärkten, Apotheken, Krankenhäusern, Öffis sowie in Alten- und Pflegeheimen bleibt weiterhin aufrecht. Dafür fällt die Sperrstunde, das Nachtleben legt wieder los und darf ohne G-Nachweis genossen werden. Auch in anderen Lokalen muss kein Nachweis mehr hergezeigt werden. Ausnahme ist wie so oft die Hauptstadt Wien: Hier will Bürgermeister Michael Ludwig auch weiterhin an der 2G-Regel festhalten.

Es ist also weniger ein Freedom-Day und mehr ein „A little more freedom than before“-Day. Ein Grund zum Feiern ist das auf jeden Fall, vor allem für all jene, die in der Nachtgastronomie beschäftigt sind. Dennoch ähnelt der Tag weniger einem Erwachen nach einem langen, pandemischen Schlaf und mehr einem Espresso-Shot nach einer langen durchzechten Nacht. Ein Tag, an dem es so ist wie es früher war, wird es nicht. Und vermutlich wird es den auch nie geben. Zu lange dauert die Pandemie schon an. Der Übergang zwischen Corona-Krise und Post-Corona-Krise wird kein eigenes, abgrenzendes Datum haben. Es wird eine langer, schleichender Übergang werden.

Freedom-Days gibt es schon

Freedom-Day ist aber auch deswegen ein unpassender Begriff, weil es bereits Freedom-Days gibt - und zwar richtige. Im Februar, dem Black-History-Month, sollte das Wort weniger mit dem Fall von Corona-Einschränkungen und mehr mit der Abschaffung der Sklaverei in den USA oder dem Ende der Apartheid in Südafrika in Verbindung gebracht werden. Die Vereinigten Staaten begingen den Freedom-Day erstmals am 1. Februar 1948. Dieser Feiertag wurde bereits Jahre zuvor von Bürgerrechtskämpfer Richard Robert Wright in die Wege geleitet. Das Datum hat er gewählt, da am 31. Jänner 1865 der 13. Zusatzartikel in der US-amerikanischen Verfassung unterzeichnet wurde, der die Sklaverei im Land beendete.

Der Freedom-Day in Südafrika wird am 27. April begangen. Dieser Tag der Freiheit erinnert an die ersten Wahlen nach dem Ende des rassistischen Apartheidregimes. 1994 konnte erstmals auch die Schwarze Bevölkerung Südafrikas wählen. Der zuvor 28 Jahre lang inhaftierte Aktivist Nelson Mandela wurde Präsident. Und auch in Europa wird am 8. Mai mit dem „Tag der Befreiung“ ein Freedom-Day begangen. Hier wird das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Befreiung vom Nationalsozialismus gefeiert.

Das alles sind Beispiele für Tage, an denen den Menschen tatsächlich Freiheit gegeben wurde. Die Aufhebung von lästigen Einschränkungen zum Schutz unserer Gesundheit verdient diesen Titel meiner Meinung nach nicht. Auch wenn ich es selbst kaum erwarten kann, meinen Alltag nicht mehr durch Corona bestimmen zu lassen.

Auch interessant

Kommentare