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Der Frühling ist längst überfällig, ich will nicht mehr frieren

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Von: Christian Kisler

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Montage: Menschen spazieren den sonnigen Donaukanal in Wien entlang, eine junge Frau mit Haube umklammerte frierend einen Heizkörper
Endlich wieder am Wiener Donaukanal spazieren können und nicht mehr frieren müssen: Der Einzug des Frühlings ist überfällig. ©  Willfried Gredler-Oxenbauer/APA-PictureDesk/agefotostock/Imago/BuzzFeed Austria

Es ist Anfang März, und es ist kalt. Viel zu kalt. Nicht nur aufgrund des aktuellen Weltgeschehens wären ein paar Sonnenstrahlen und ein paar Grad mehr am Außenthermometer fein. Wo bleibt der Frühling? Meine 2Cents dazu.

Im Sommer 2008, also vor einer gefühlten Ewigkeit, ist der damalige Vizekanzler Wilhelm Molterer vor die Presse getreten und hat in schöner Tradition seiner Partei, der ÖVP, eine Koalition platzen lassen. Seine legendären Worte damals: „Es reicht.“ Daran hab ich dieser Tage denken müssen, jedes Mal, wenn ich auf meine Wetter-App geschaut habe und feststellen musste, dass es einfach nicht wärmer werden will. Seit Tagen. Und das, obwohl es bereits März ist, der Monat, in dem gefälligst der Frühling Einzug zu halten hat. Das ist gerade jetzt dringend nötiger als sonst, wo uns ohnehin die Dreifaltigkeit des Schreckens, nämlich Klimakrise, Pandemie und jetzt auch noch Krieg zu schaffen macht. Jedenfalls denke ich mir momentan nicht eben selten: Es reicht. Es reicht mit diesem blöden Winter. Zumal es heuer auch schon mal wärmer war. Gut, 15 Grad Außentemperatur zum Jahreswechsel braucht allerdings auch niemand. Die letzten Klimakrisenleugner:innen sollten verstummen, wenn sie sich einmal anschauen, wie sich das Wetter 2022 bis jetzt verhalten hat. Und ja, ich weiß, Wetter ist nicht gleich Klima. Aber trotzdem.

Der Sturm verhindert den Frühling

Auf dem Weg zum eigentlich für Frühling stehenden März haben wir mit Jänner den schlimmsten Monat des Jahres hinter uns gelassen, Februar ist nur bedingt besser. Heuer war dieser besonders unangenehm, ich denke dabei an diesen verdammten Wind, der die Hälfte des Monats sturmartige Ausmaße angenommen hat, mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde Stärke in der Wiener Innenstadt. Das macht auf Dauer mürbe. Auch hier kommt die Klimakrise zum Tragen, verlagert sich doch dadurch der sogenannte Jetstream, ein Starkwindband zwischen subtropischen und polaren Luftmassen, mehr in unsere Breiten und sorgt für weit mehr als bloß ein laues Lüftchen. Allgemein halten sich Extrem-Wetterlagen durch die vom Menschen verursachten klimatischen Veränderungen um einiges länger als früher.

Wie dem auch sei: Der vermaledeite, ständige Wind, der alles nur noch kälter macht, geht mir mittlerweile gehörig auf den Senkel. Früher, als ich ein wenig jünger und noch eitler war als jetzt, hätte ich so etwas Frisurenkillerwetter genannt. Mittlerweile regt mich Sturm auf, weil ich als wetterfühlige Person sicher sein kann, unter kräftigen Kopfschmerzen zu leiden, sobald es kräftiger windet. Das Schlimmste: Regen UND Wind gleichzeitig. Um zu wissen, dass es in der jüngeren Vergangenheit früher wärmer wurde, muss ich keine Wetterstatistiken studieren, da kann ich auf mein Gedächtnis vertrauen. Abgesehen davon, dass der letzte wirklich strenge Winter auch schon ein paar Jährchen her ist und die letzten Saisonen eher lasch waren, bin ich mir deshalb in manchen Sachen so sicher, weil zwei sehr gute Freunde Anfang März Geburtstag haben - mit einem Tag Abstand. Und diese wurden nicht selten im Freien gefeiert, unter dem Eindruck der ersten wärmenden Sonnenstrahlen und inklusive der ersten Grillage des Jahres.

Frühling dauert bestenfalls zwei Wochen, dann heißt es wieder: schwitzen

Wenn ich schon am Sudern bin, dass es endlich wärmer werden soll, darf dabei auch nicht verschwiegen werden, dass die Verhältnismäßigkeit komplett auf der Strecke geblieben ist. Zwischen Frieren aufgrund der Schrecken des Eises und der Finsternis und Schwitzen angesichts abartige hoher Temperaturen liegt oft nur ein Wochenende. Sprich: Winter (zu kalt) und Sommer (zu heiß) gehen nahtlos ineinander über. Die nachweislich besten Jahreszeiten, Frühling und Herbst, dauern im Schnitt öfter gerade einmal zwei Wochen, wenn es hochkommt. Wozu überhaupt noch schicke Übergangsjacken kaufen, wenn entweder ein T-Shirt reicht oder du dich mit Wintermantel, Haube, Schal und Handschuhen gegen den fiesen Nordwind rüsten musst?

In Anbetracht der eingangs erwähnten Weltlage mit Pandemie, Klimakrise und Krieg mag das alles Jammern auf höchstem Niveau und ganz bestimmt Herunterleiern von Erste-Welt-Problemen sein. Sich über das Wetter zu beklagen, ist ohnehin eher lahm. Beim nächsten Sturm mit umgeknickten Bäumen und dem nächsten Hochwasser mit überfluteten Kellern, wirst du allerdings merken: Es hängt alles zusammen. So gesehen hat meine Litanei durchaus ihre Berechtigung. Da werde ich mir wohl noch wünschen dürfen, nicht mehr frieren zu müssen.

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