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Jahresrückblick 2021: Warum sich das Rax-Feuer so in mein Gedächtnis gebrannt hat

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Von: Sophie Marie Unger

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Aufgrund des steilen Geländes im Rax-Gebiet musste man hauptsächlich mit Löschflugzeugen arbeiten, mehr als 115 Hektar Wald sind verbrannt.
Der Brand im Rax-Gebiet war ein persönlicher Weckruf. (Fotomontage) © APA Picturedesk

2020 war eindeutig das Corona-Jahr. Aber was war eigentlich 2021 so los? Ich persönlich finde, dass dieses Jahr immer noch schwer zu greifen ist und die Grenzen verschwimmen. Doch für mich gab es definitiv einen Moment, der mein Leben veränderte.

Neben Corona wurde 2020 auch als das Jahr bekannt, das weltweit eine Vielzahl an Rekord-Bränden verzeichnete. Doch ich glaube, wir sollten davon loskommen, Ereignisse auf bestimmte Jahre zu schieben. Denn Fakt ist, Naturkatastrophen passieren häufiger und in immer kürzeren Abständen und das wichtigste dabei: Sie nehmen überall auf der Welt zu. 2021 war einfach das Jahr, in dem auch die österreichische Bevölkerung Zeuge dieses Umstands wurde. Die Rede ist vom Waldbrand im Rax-Gebiet.

Der Rax-Brand und alle Infos

Das Feuer ist am 25.10.2021 am sogenannten Mittagsteig in Hirschwang ausgebrochen und breitete sich innerhalb von zehn Stunden von fünf Hektar auf 115 Hektar Wald aus. Es entwickelte sich somit in kürzester Zeit zum größten Waldbrand in der Geschichte Österreichs. Das Feuer konnte erst nach 13 Einsatztagen gelöscht werden, die Folgen sind verheerend und eine Aufforstung wird laut Stadt Wien noch viele Jahre dauern. Die Brandursache konnte noch nicht völlig geklärt werden.

Zahlen zum Rax-Brand

9.000 Helfer:innen waren im Einsatz.

186.072 Einsatzstunden wurden geleistet.

14 Verletzte forderte der Brand.

2.600 Kilo Fleisch sowie 23.500 Semmeln verspeisten die Einsatzkräfte.

Mit Deutschland, Italien, der Slowakei, Nordmazedonien und Belgien waren fünf andere Länder im Einsatz.

Geleistet wurden 619 Pilotenstunden.

Das ist so die Standardinfo, die man zu lesen bekommt. Natürlich ist sie wichtig, aber kann nüchtern beiseite geschoben werden. Deshalb finde ich es an dieser Stelle essenziell, die persönliche Ebene einzubeziehen und hoffe, mit meinen Gefühlen einige abzuholen.

Das Rax-Feuer und ich

Als ich über orf.at vom Brand las, ertappte ich mich dabei, wie ich unmittelbar danach „Rax“ in Google Maps eintippte. Obwohl ich natürlich wusste, dass das Gebiet in Österreich liegt und ich selbst schon oft dort wandern war, wollte ich es scheinbar nicht wahrhaben, ich wollte es gleich mal verdrängen (dabei kommt der „es ist eh in einem anderen Land, also betrifft es mich nicht ganz so hart“-Mechanismus zum Einsatz). Die Klimakrise ist wirklich da, vor unserer Haustür. Auch darüber war ich mir natürlich im Klaren, aber irgendwie scheinbar doch nicht so ganz.

Um mein offenbar schlechtes Gewissen über dieses Vorgehen zu beseitigten, postete ich den ORF-Brand-Beitrag über meine sozialen Plattformen, in der Hoffnung so könnte ich etwas verändern (auch dieser Mechanismus ist laut Wissenschaft vor allem bei Millennials beliebt, da sie viel und laut darüber diskutieren, darüber lesen und andere informieren, aber selbst keine Handlungen setzen). Im selben Moment fiel mir ein, dass eine Freundin in der Gegend lebt, also rief ich an, um mich zu erkundigen. Sie sagte mir, dass der gesamte Ort eingeräuchert sei, alles stinke und sie nicht wisse, ob sie die Wohnung verlassen soll.

Ich weiß gar nicht mehr, was danach genau passiert ist. Jedenfalls weinte ich, während ich versuchte, online weitere Infos für meine Freundin herauszufinden. Ich wollte helfen - unbedingt - aber merkte gleichzeitig, dass diese Art von „Überlebens“-Hilfe nicht notwendig wäre, hätte ich (und wir alle) vor fünf Jahren schon mehr gegen die Klimakrise getan. Ich fühlte mich so elend und gleichzeitig so machtlos. Ich konnte mich lang nicht beruhigen, auch die Entwarnung, dass keine Wohngebiete in Gefahr sind, ließ mich nur minimal aufatmen.

Was der Rax-Brand für mich verändert hat

Medial wurde die Geschichte weiterhin betreut, da der Brand nicht gleich gelöscht werden konnte. Ich informierte mich weiter, begab mich gleichzeitig aber auf eine andere Ebene - die Handlungsebene. Ich gestand mir ein, dass ich in der Vergangenheit zwar nicht komplett ignorant gelebt, aber trotzdem viel zu wenig getan hatte, war mir aber auch bewusst, dass ein Wandel nur in Etappen nachhaltig gelingen würde. Ich begann mit kleinen Zielen bis Ende 2021. Eines davon war mir ein altes Fahrrad zuzulegen, damit ich es guten Gewissens am Bahnhof stehen lassen kann und die Ausrede „ich fahre mit dem Auto, weil mein schönes Rad wird ansonsten gestohlen“ keine Gültigkeit mehr hat.

Einige Ziele habe ich bereits erreicht, mittlerweile reicht der Plan bis März 2022 und ich bin motiviert, auch weiterhin daran zu arbeiten. Eigentlich ist es gar nicht so anstrengend, seine Gewohnheiten zu ändern, es macht sogar Spaß, etwas von der „ich mach wirklich, was für‘s Klima To-Do-Liste abhaken zu können, deshalb würde ich es hier allen ans Herz legen, dasselbe zu tun. Denn eine Krux bleibt am Ende des Tages schon noch offen, alleine wird sich nicht viel bewegen. Und da sehe ich halt auch Organisationen, Unternehmen und vor allem die Politik aufgerufen. Sie sitzen bereits an den wichtigen Hebeln und müssten teilweise ja wirklich nur die Rahmenbedingungen anpassen, um einen positiven Umwelt-Effekt zu erzielen. Wenn wir gemeinsam Druck machen, wird‘s was.

Was die Community darüber denkt, erfährt ihr zudem hier.

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