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Ach Bezos, warum lässt du die Rotterdam-Brücke nicht in Ruh und baust deine Yacht wieder ab?

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Von: Sophie Marie Unger

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Die historische Koningshaven-Brücke in Rotterdam bei Nacht und Amazon-Gründer Jeff Bezos
Vielleicht vergeht Jeff Bezos das Lachen, falls er seine Yacht (hoffentlich) wieder abbauen muss. (Fotomontage) © APA Picturedesk/BuzzFeed

Du bist so reich, dass du für deine Privatyacht eine denkmalgeschützte Brücke abbauen lässt? Dann heißt du vermutlich Jeff Bezos und wurdest seit deinem Raketenausflug nicht mehr auf dem Boden der Realität zurückgeholt. Das sind meine 2Cents zum Rotterdam-Drama.

Ich stell mir gerade vor, wie Jeff Bezos in seiner millionenschweren Villa in Beverly Hills auf einen Anruf reagiert, in dem es heißt, dass seine maßgeschneiderte Privatyacht im Wert von 430 Millionen Dollar wegen einer Brücke nicht ins offene Meer starten kann.

„Boaaah, warum müssen die Ökofuzzis im Norden einem immer wieder Steine in den Weg legen?“ „Sir, genauer gesagt ist es eine denkmalgeschützte Brücke“ „Mir wurscht was es ist, am Sonntag ist die Einweihungsparty und Dwayne wird auch da sein, also schafft das Boot gefälligst irgendwie da raus“. „Okay ... aber Sie müssen für die Kosten des Brückenabbaus selbst aufkommen“ „No problemo, die Steuergutschrift meiner Kinder hat ja einiges wettgemacht im vergangenen Jahr“.

Wenn du so reich bist, dass du Berge ehm Brücken versetzen kannst

Also gravierend anders kann so ein Gespräch wirklich nicht ablaufen, denn es gehört schon eine gehörige Portion Egoismus und Realitätsverlust dazu, um überhaupt auf die Idee zu kommen, eine denkmalgeschützte Brücke für eine Yacht abbauen zu lassen. Vielleicht ist dem Amazon-Gründer einfach nicht geläufig, was Denkmalschutz bedeuten kann. Ich bin aber gerne bereit, ihm das zu erklären.

In seinem Fall geht es um die Hubbrücke De Hef, oder auch Koningshaven-Brücke in Rotterdam. Sie wurde 1878 erbaut und konnte nach den deutschen Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg 1940 nur schwer wieder aufgebaut werden. Sie ist damit auch eine Art nationales Symbol für die Widerstandskraft der Niederländer:innen, schließlich gilt der deutsche Luftangriff auf Rotterdam als das erste Flächenbombardement des Weltkriegs. Nach einer neuerlichen Renovierung 2017 hat die Stadt versprochen, dass die Brücke kein weiteres Mal abgebaut werden müsse - aber dann kam halt Bezos. Kein Wunder, dass die Bevölkerung einfach nur pissed ist.

Große Yacht aber nichts dahinter

Der Dreimaster von Bezos ist 127 Meter lang und damit die zweitgrößte Segelyacht der Welt. Über die genaue Höhe der Masten ist nichts bekannt, aber sie erreichen mindestens eine Höhe von 46,5 Meter, denn so hoch ist die Brücke. Da fragt man sich halt schon, wie dieser Bau denn genau abgelaufen ist?

Normalerweise macht man sich wohl schon vorher Gedanken darüber, ob eine Segelyacht nicht eventuell zu groß sein könnte, hat Pläne von den umliegenden Flächen und rechnet sich alles genau durch. Und jeder normale Mensch muss sich natürlich auch um den Papierkram kümmern und bei den Behörden anfragen, ob dieses oder jenes Vorhaben im Bereich des Machbaren liegt. Nicht so Jeff Bezos, der hat sich wohl gedacht, dass beim stolzen Preis von 430 Millionen Dollar einige Extras - wie ein Brückenabbau - inkludiert sind. Denn er hat scheinbar nicht einmal einen Antrag auf eine Genehmigung gestellt, wie es vonseiten der Stadtverwaltung heißt.

Langsam aber doch kommt Unmut auf

Dass das alles total absurd ist, fällt Gott sei Dank nicht nur mir auf. Die grüne Partei GroenLinks im Stadtrat Rotterdams reagierte wie folgt: „Dieser Mann hat sein Geld mit strukturellem Personalabbau, Steuerhinterziehung und Umgehung von Vorschriften verdient und jetzt müssen wir unser schönes Nationaldenkmal abreißen? Das geht wirklich zu weit“. Zudem will die Partei auch die Kostenabwicklung verfolgen, denn angeblich soll Bezos dafür aufkommen. „Ich würde diese Vereinbarungen gerne sehen“, sagte Stadtrat-Vorsitzender der GroenLinks Partei, Stephan Leewis. „Denn dafür kann kein einziger Cent an öffentlichen Geldern verwendet werden.“

Eine Entscheidung steht also noch aus. Sollte ein Antrag auf Genehmigung die Behörde erreichen, so werde man das „wirtschaftliche Interesse, aber insbesondere das maritime Image unserer Region“ und die Auswirkungen auf die Brücke bewerten. Na hoffentlich wird dem wirtschaftlichen Interesse kein allzu großer Stellenwert eingeräumt, denn diesbezüglich hat es Bezos faustdick hinter den Ohren.

Übrigens, klimatechnisch ist der Amazon-Gründer zuletzt auch in das ein oder andere Fettnäpfchen getreten.

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