1. BuzzFeed.at
  2. News
  3. Meinung

Wie belastet die Klimakrise junge Menschen? Wir haben nachgefragt

Erstellt:

Von: Sophie Marie Unger

Kommentare

Eine portugiesische Familie flieht vor einem Waldbrand in der Nähe von Porto.
Dieses Bild eines Waldbrand in Portugal wurde im Rahmen der World Press Photo Ausstellung gezeigt. © Nuno Andre Ferreira

Fünf Personen unserer Community haben sich dieses Waldbrand-Foto angesehen und nahmen im Rahmen des Formats „Meinungsbilder“ dazu Stellung. Was sie genau zu sagen haben, erfährt ihr hier.

Waldbrände sind Folgen der Klimakrise. Das belegen zigtausende Studien und Datenerhebungen. Diese können aber nicht immer abbilden, was auf menschlicher Ebene passiert. Deshalb das Bild - sagt ja bekanntlich mehr als 1.000 Worte - und deshalb die Reaktionen von realen Personen.

Bildgeschichte

Das ausgewählte Foto zeigt eine Flucht mit dem Auto vor einem Waldbrand in Portugal. Ob im Mittelmeerraum, in Sibirien oder Kalifornien - Waldbrände zerstörten 2020 weltweit rund vier Millionen Hektar Land. Auch die portugiesische Ortschaft Oliveira de Frades hatte mit den Flammen zu kämpfen. Fotograf Nuno Andre Ferreia hielt diesen Moment fest, das Foto belegte im Rahmen der World Press Photo Ausstellung in der Kategorie „Spot News - Einzelbild“ den dritten Platz. Fünf Personen schildern nun ihre Eindrücke dazu.

Heidi: „All dein Eigentum verbrennt, dir bleiben bloß Erinnerungen.“

Heidi ist 21 Jahre alt und arbeitet derzeit als Kindergartenpädagogin. Vermutlich ist es auch ihr Beruf, der sie eine wichtige Komponente des Bilds sofort in den Vordergrund stellen lässt. Obwohl die Komponente aufgrund der Dunkelheit im Auto nicht gut zu erkennen ist und möglicherweise ein genaueres Hinschauen verlangt, ist es das Kleinkind hinter der Windschutzscheibe, das ihre Aufmerksamkeit bündelt und in ihr etwas auslöst.

Interviewpartnerin Heidi im Porträt-Format aufgenommen.
Heidi ist 21 Jahre alt und arbeitet derzeit als Kindergartenpädagogin. © Heidi Heidegger

Dieses Kind auf der Rückbank sitzen zu sehen, so unwissend was gerade geschieht, lässt mir so viel durch den Kopf gehen. Wie würde ich mich fühlen, was würde ich tun, wenn ich so überraschend wegen einer Naturkatastrophe flüchten müsste? All dein Eigentum verbrennt, dir bleiben bloß Erinnerungen. Immerhin könnte uns das alle betreffen, gleichzeitig denke ich mir aber: das ist in Österreich doch relativ unrealistisch. Aber dieser Gedanke ist eindeutig nicht richtig, wir sollten uns mehr mit diesem Thema beschäftigen.

Heidi

Maria: „Ich glaube nicht, dass die Politik wegschaut. So weit kann man den Kopf gar nicht drehen.“

Maria studiert Umwelt und Nachhaltigkeitsmanagement, arbeitet nebenbei im Marketing und engagiert sich ehrenamtlich bei CliMates Austria in der Jugendklimabildung. Als angehende Expertin schaut sie daher vor allem, was sich hinter ihren Gefühlen verbirgt, hinterfragt grundlegende Strukturen und bleibt dabei nicht nur bei sich selbst stehen.

Interviewpartnerin Maria im Zuge des Meinungsbilderformats.
Maria ist studiert Umwelt und Nachhaltigkeitsmanagement und engagiert sich ehrenamtlich bei CliMates. © Maria Angerler

Bei solchen Bildern fühle ich mich manchmal niedergeschlagen und machtlos, manchmal richtig wütend und das treibt mich an. Ich denke es ist wichtig, all diese Gefühle zuzulassen und einzuordnen. Warum fühle ich mich so? Wichtig ist aber vor allem, die Stimmen vor Ort zu verstärken. Welche Unterstützung brauchen die Menschen, die jetzt schon die Klimakrise hautnah miterleben? Was mir persönlich am meisten hilft, ist Geschichten wie diese zu teilen und Handlungsempfehlung wie einen Spendenaufruf direkt zu platzieren. Punkto Politik und Konzerne: Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass sie wegschauen. So weit kann man den Kopf gar nicht drehen. Die Verantwortung wird oftmals an die Konsument:innen abgegeben. Wir müssten aber eigentlich viel früher ansetzen und hinterfragen, warum Menschen überhaupt auf ein Auto angewiesen sind und da ist wiederum die Politik gefragt.

Maria

Moritz: „Die Regierungen bekämpfen zwar die Brände, aber eben nicht die Ursachen.“

Als Geschäftsführer der Organisation „Protect our Winters“ Österreich setzt sich Moritz täglich mit den Folgen der Klimakrise auseinander und versucht vor allem, unsere Alpen vor der drohenden Katastrophe zu schützen. Neben politischen Akteur:innen sollte ihm zufolge vor allem eine Bevölkerungsgruppe stärker in die Pflicht genommen werden.

Moritz Nachtschatt äußert sich im Zuge des Formats Meinungsbilder
Moritz ist Geschäftsführer von Protect our Winters Austria und setzt sich daher tagtäglich für den Klimaschutz ein. © Protect our Winters Austria

Bilder wie dieses sind furchtbar anzusehen, Menschen verlieren ihr Hab und Gut, manchmal sogar ihr Leben, und die Regierungen schauen einfach nur zu. Sie bekämpfen zwar die Brände, aber eben nicht die Ursachen. Gleichzeitig ist es ein großes Problem, dass Waldbrände, egal wie schlimm, fast schon zur Tagesordnung gehören, so stumpfen die Menschen ab und sehen es nicht mehr als schlimm an, weil es ja schon „normal“ ist. Hand in Hand mit diesen Katastrophen geht auch die Soziale- und die Klimagerechtigkeit. Die Klimakrise wird von einigen wenigen weit mehr verursacht als vom Großteil der Weltbevölkerung und hier gibt es natürlich eine Korrelation mit der Vermögensverteilung. Das reichste 1 Prozent -  vorwiegend Großunternehmer:innen, Investor:innen und Industrielle - ist für fast die Hälfte der Emissionen verantwortlich. Das heißt, diese Menschen sollten natürlich in erster Linie ihre Emissionen reduzieren, aber bis dahin sollten sie auch für die Schäden aufkommen.

Moritz

Marek: „Es ist halt auch anstrengend, seine Gewohnheiten zu ändern“.

Marek ist 29 Jahre alt, in Tschechien geboren und als Lehrer in Wien tätig. Er spricht die menschliche Ebene an und zeigt auf, dass auch Emotionen maßgeblich am Prozess rund um den Klimaschutz beteiligt sind.

Marek Skalicka im Interview zum Thema Klimakrise.
Marek ist Lehrer und spricht im Zuge der „Meinungsbilder“ über die Klimakrise © Marek Skalicka

Ich denke, dass es viel mit Angst zu tun hat, eine Art Abwehrmechanismus drängt sich auf, unangenehmen Wahrheiten nicht ins Auge zu sehen. Es ist halt auch anstrengend, seine Gewohnheiten zu ändern. Das betrifft auch die Politik. Da gibt es sicher die Angst, unangenehme Wahrheiten anzusprechen, für zu viel verantwortlich zu sein. Und somit macht es sich die Politik auch einfach, zu sagen, dass es an den Konsumierenden und deren Kaufentscheidungen liegt. Deswegen ist es wichtig, dass wir als Gesellschaft sowohl die Politik als auch die Unternehmen stärker in die Verantwortung ziehen.

Marek

Theresa: „Wir brauchen ein Klimaprogramm in allen Farben.“

Studentin Theresa setzt sich insbesondere mit der Situation in Österreich auseinander. Egal ob als Individuum oder in der Politik - Verantwortung übernehmen kommt ihrer Meinung nach hierzulande zu kurz.

Theresa Unger bezieht im Rahmen der „Meinungsbilder“ Stellung zum Thema Klimakrise.
Theresa im Interview zum Thema Waldbrände und Klimakrise. © Theresa Unger

Ich glaube viele in Österreich denken noch immer, dass wir von der Klimakrise verschont bleiben und sie sich deshalb nicht drum kümmern brauchen. Wenn wir uns aber die massiven Überflutungen dieses Sommers anschauen, wissen wir, dass dem nicht so ist. Auch einige Parteien wollen diesbezüglich noch immer keine Verantwortung übernehmen. Das wird halt dann immer in das Programm der Grünen abgeschoben. Es ist aber wurscht, ob die Gesinnung Türkis, Blau, Rot, Pink oder Grün gefärbt ist. Wir brauchen ein Klimaprogramm in allen Farben, sonst wird es ein Leben in Österreich so wie wir es kennen, nicht mehr geben.

Theresa

Meinungsbilder

Das Format Meinungsbilder soll Menschen unserer Community die Möglichkeit bieten, ihre Meinung zu einem bestimmten von uns festgelegten Themenkomplex zu teilen. Dies soll möglichst einfach passieren, deshalb entschieden wir uns, lediglich ein Bild zum Thema vorzulegen. Die Rahmenbedingen sind somit so offen wie nötig, die Stimmen so authentisch wie möglich.

Auch interessant

Kommentare