1. BuzzFeed.at
  2. News
  3. Meinung

Weder Ute Bock noch Ostbahn-Kurti: Der Dr.-Karl-Lueger-Platz sollte komplett aufgelöst werden

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sophie Marie Unger

Kommentare

Karl-Lueger Denkmal und Willi Resedarits
Sollte der Dr.-Karl-Lueger-Platz zum Willi Resetarits-Platz werden? © APA Picturedesk

Seit Jahren gibt es Streit rund um den Dr.-Karl-Lueger-Platz. Weder Ute Bock noch Willi Resetarits sollten hier verewigt werden. Meine 2Cents dazu.

Der Dr.-Karl-Lueger-Platz samt Denkmal ist seit Jahren extrem umstritten. Im März 2021 sorgte eine Aktion der Grünen in Wien für Aufsehen, als diese das Mädchen im roten Mantel aus dem Film Schindlers Liste der Skulptur des ehemaligen Wiener Bürgermeisters entgegengestellt haben. Und vor Kurzem wurde das Denkmal mit drei Kloschüsseln „verziert“. Der Grund: Dr. Karl Lueger war ein Befürworter des Antisemitismus und galt sogar als Vorbild von Adolf Hitler. Nachvollziehbar, dass dieser keinen Ehrenplatz mehr haben sollte. Doch ich finde, weder Menschenrechtsaktivistin Ute Bock noch der kürzlich verstorbene Willi Resetarits sollten hier stattdessen verewigt werden.

Denkmal für Ostbahn Kurti

Dass Willi Resetarits, auch bekannt als Ostbahn Kurti, aufgrund seines musikalischen und politischen Schaffens - er war Menschenrechtsaktivist, Mitbegründer von SOS Mitmensch, Asyl in Not und des Integrationshauses - eine Straße oder ein Platz in Wien gewidmet wird, steht wohl außer Zweifel. Zahlreiche Fans schlugen in den Sozialen Netzwerken bereits vor, den ohnehin kontroversen Dr.-Karl-Lueger-Platz hierfür herzunehmen. Klingt ja zunächst ganz einleuchtend. Antisemit weg, Menschenrechtsaktivist her. Doch so einfach ist es meiner Meinung dann halt doch wiederum nicht. Und das hat mehrere Gründe.

Willi Resetarits oder Ute Bock?

Neben Willi Resetarits, der unser Land zweifellos zu einem besseren Ort gemacht hat und eindeutig ein Denkmal verdient, gibt es auch weitere Persönlichkeiten, die auf menschlicher Ebene Enormes geleistet haben und ebenfalls für diesen Platz vorgeschlagen wurden. So auch Menschenrechtsaktivistin Ute Bock. 2019 wurde für sie am besagten Platz sogar ein „Kurzzeit“-Denkmal - eine Plakatwand, auf der ein Foto Bocks sowie zwei ihrer Schützlinge zu sehen sind - installiert, das längst wieder abmontiert wurde. Ein in Stein gemeißeltes offizielles Denkmal bekam sie bislang nicht. Sich zwischen beiden entscheiden zu müssen, finde ich nicht angebracht. Zudem gäbe es sicherlich schlechte Stimmung bei den Anhänger:innen, würde man sich für den oder die jeweils andere:n entscheiden, was ja auch schade wäre.

Ort an sich schon aufgeladen

Grundsätzlich finde ich ja, dass der Ort an sich schon nicht gerade positive Vibes ausstrahlt. Die historischen Hintergründe sollten nicht auf den Schultern einer einzigen Person lasten. Deshalb wäre ein Raum, an dem man sich kritisch mit der Vergangenheit sowie Antisemitismus und Rassismus im Heute auseinandersetzen kann, deutlich besser. Das schlugen übrigens auch Expert:innen vor, die sich bereits letztes Jahr für eine Umgestaltung des Platzes ausgesprochen haben. Möglich wäre bspw. eine Art Outdoor-Museum, das mehrere Perspektiven beleuchtet. Oder, wenn das nicht umsetzbar ist, überhaupt etwas ganz Neutrales - wie Urban Gardening.

Debatte kommt zu früh

Zudem finde ich, dass die Debatte darüber zu früh kommt. Social Media hat da schon wieder einmal eine Eigendynamik entwickelt, die ich nicht ganz angemessen finde. Zunächst muss der Trauer und dem Abschied Platz gemacht werden, bevor überhaupt etwas Neues, das Willi Resedarits würdig ist, geschaffen werden kann.

Auch interessant

Kommentare