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Die neue Netflix-Serie „Kitz“ will das österreichische „Élite“ sein und failt dabei hart

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Von: Helena Dimmel

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Szene aus Netflix-Serie „Kitz“
Die Netflix-Serie „Kitz“ ist nur schwer auszuhalten. © Netflix/Walter Wehner

Münchner Schnösel fallen in die Tiroler Kleinstadt Kitzbühel ein: „Kitz“ ist eine Serie voller Drama, Crime und ganz schön viel Cringe.

Es sollte die österreichische Version des Netflix-Hits „Élite“ werden: „Kitz“ heißt die deutsche Serie, die im Dezember auf der beliebten Streaming-Plattform erschienen ist. In einer Anlehnung an den Klassiker „Kids“, einem 90er Jahre Film über die New Yorker Jugend und ihre Eskapaden, wird hier versucht im „Aspen der Alpen“ (lol) eine Art österreichisches „Gossip Girl“ aufzusetzen.

Alljährlich fällt die Münchner Schnösel-Jugend mit Glitz und Glamour über die Tiroler Kleinstadt Kitzbühel ein und hinterlässt dort eine Spur der Verwüstung. Wilde Partys, wilde Partys und.. Spa Days. Wow. Kontrastiert wird das Ganze mit einer kleinen Gruppe einheimischer Jugendlicher, die dort ein simples, rurales Dasein fristen, aber immer wieder mit den Rich Boys und Rich Girls clashen. Zusammengehalten wird der Plot von einer Kriminalgeschichte, die recht schnell ins Absurde abdriftet und leider auch dazu führt, dass die Motive der Protagonist:innen oft nicht nachvollziehbar sind.

Idyllische Montagen von verschneiten Bergen reihen sich an Musikvideo-Clips, in denen ekstatisch getanzt wird, oh-so-scandalous Sexszenen vermischen sich mit vorhersehbaren Plot-Twists und langen, laaaangen dummen Konversationen. Da kann auch die Erzählstimme der Hauptdarstellerin, die philosophische Floskeln zum Besten gibt, nicht mehr helfen.

Die Serie war schlecht. Grottenschlecht. Ich hab‘s bis zum Ende der zweiten Folge geschafft und musste dann den Plot durchskippen, weil‘s einfach unerträglich war. Die einzelnen Akteur:innen im Produktionsgeschehen mögen sich bemüht haben, aber dem gegenüber steht ein Gesamtwerk, das beim Versuch, andere Jugend-Kassenschlager wie Élite zu imitieren, zu oft einfach nur cringy wirkt.

Problem 1: Die Repräsentation von Österreicher:innen

Lisi, die Hauptdarstellerin, kommt also aus einer Tiroler Kleinstadt. Trotzdem wird die Rolle mit Sofie Eifertinger von einer Deutschen besetzt, die in Deutschland gesprochenes Hochdeutsch spricht - da helfen ihr auch kein holprig eingeworfenes „Bisserl“ oder „Servus“. Damit nicht genug: Alle „österreichischen“ Jugendlichen sprechen aus unerfindlichen Gründen hochdeutsch - bis auf den Drogendealer. Achja, und die Eltern von Lisi & Co sprechen dann wieder Dialekt. Voll realistisch und so, dass also die Kinder, die aufgrund von angeblichen sozioökonomischen Umständen die österreichische Provinz nie verlassen, am Esstisch mit ihren Eltern Bühnendeutsch reden. Not.

Die scheinbar einzige echte Österreicherin in der Hauptbesetzung ist allerdings Valerie Huber, die wiederum die Münchnerin Vanessa spielt. Es stellt sich die Frage, warum man die Rollen der Österreicher:innen nicht einfach mit Einheimischen besetzt hat. Genügend junges Schauspiel-Talent in Österreich gäbe es jedenfalls.

Problem 2: Die Dialoge

“Die gibt dir Magersucht, wenn du nicht bei drei auf dem Baum bist” - Häh? “Ein kleiner Tipp für die Zukunft: Bevor du jemandem einen Hunderter in die Hand drückst, frag erstmal nach dem Namen” - Bitte was? Die Dialoge von „Kitz“ stolpern übereinander, teils melodramatisch und abgedroschen wie aus einer spanischen 80er-Jahre Telenovela („Du hast ihn nie geliebt!“) und wollen irgendwie jugendlich sein, aber hangeln sich von einem Klischee zum nächsten.

Problem 3: Anglizismen bis zum Umfallen

Was mich schon zum nächsten Problem bringt: “Pack deine Sachen Heidi, Party is over“ - Bei all den englischen Ausdrücken, die die Protagonist:innen in ihre Sätze einweben, könnte man direkt ein Trinkspiel draus machen. Ja, junge Leute verwenden viele Anglizismen, ja vielleicht ist es gerade die Holprigkeit, mit der die englischen Phrasen verwendet werden, die das Ganze jugendlich oder realistisch wirken lassen könnten. Trotzdem ist der Cringe Faktor ganz schön hoch.

Problem 4: Ein richtig unrealistischer Plot

Ich werd dir jetzt nicht zu viel spoilern, aber kennst du das, wenn man einfach immer vorher schon weiß, was in der nächsten Szene passieren wird? Und wenn dem mal nicht so ist, dann sind die Plot-Twists super unrealistisch (voll normal und so, dass jemand keine Angst hat, wenn ihm eine Waffe an den Kopf gehalten wird, not).

Das Motiv der Hauptdarstellerin Lisi wird so vehement in den Vordergrund gerückt und als allumfassendes Totschlag-Argument für ihr Handeln verwendet, dass man spätestens nach der ersten Folge keine Empathie mehr für sie empfinden kann. Alles in allem bleibt „Kitz“ ein gescheiterter Versuch, mit dem Zusammenpanschen von verschiedenen „bewährten“ Stil-Elementen eine neue, spannende Geschichte zu erzählen.

Hier erfährst du übrigens, welche europäischen Serien es tatsächlich wert sind, geschaut zu werden.

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