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Olympia in China, Fußball-WM in Katar: Sport und Politik kann man nicht einfach trennen

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Von: Johannes Pressler

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Links eine Siegerehrung von Olympia 2022 in Peking, rechts ein Fußballstadion für die WM in Katar.
2022 finden mit der Olympiade in China und der Fußball-WM in Katar gleich zwei umstrittene, große Sportveranstaltungen statt. (Fotomontage) © Noel Celis/AFP/Edith Geuppert/dpa Picture Alliance/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Die sportlichen Großveranstaltungen in diesem Jahr zeigen deutlich, wie eng verstrickt Sport und Politik ist. Meine 2Cents:

Am 4. Februar starten die Olympischen Winterspiele. Neben den 109 Wettkämpfen, die dort ausgetragen werden, sorgen die Spiele in Peking vor allem aus politischen Gründen für Kritik. Ähnliches gilt für die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren in Katar. Ankick soll hier der 21. November sein. Als lebenslanger Sportfan ist es natürlich nicht das erste Mal, dass sich Sport und Politik im Kreuzfeuer stehen. Doch so extrem wie im Jahr 2022 war es schon lange nicht mehr.

Olympia in China: Instrument der Politik

Die Olympischen Spiele vom 4. bis 20. Februar sind bereits die zweiten Spiele in China innerhalb der letzten 14 Jahre. Im Jahr 2008 fanden in Peking die Sommerspiele statt, nun sind die Wintersportarten an der Reihe. Zufall ist das keiner, Gründe hat es mehrere.

Das liegt zum einen daran, dass sich immer mehr Länder die Olympischen Spiele einfach nicht mehr leisten können bzw. sich nicht leisten wollen. Eines der aktuellsten, heimischen Beispiele stammt aus dem Jahr 2017. Bei einer Volksbefragung in Tirol stimmten 53,4 Prozent der Stimmberechtigten gegen (!) eine Bewerbung des Bundeslandes für die Olympischen Winterspiele 2026.

Während es also immer mehr Länder gibt, für die die Olympischen Spiele nicht mehr infrage kommen, gibt es andererseits ein paar Nationen, die einen anderen Zugang zu großen Sportveranstaltungen haben. Schon Adolf Hitler nutzte die Olympischen Spiele 1936 in Berlin dazu aus, um seine politische Macht zu demonstrieren. Sport bietet dazu die perfekte Bühne.

Länder wie China oder auch Russland (Olympia 2014) haben einen ähnlichen Draht zum Sport - auch, wenn nicht so extrem. Für diese Nationen ist die Austragung eines derartig großen Sportereignisses eine Investition. Eine Investition in eine Verbesserung des eigenen Rufs, auch bekannt unter dem Begriff „Sportswashing“.

Chinesische Soldaten hissen die chinesische Flagge.
Das chinesische Militär während der Eröffnungsfeier der Olympiade 2008 in Peking. © Jerry Lampen/Reuters/APA-PictureDesk

Athlet:innen in Peking mit Maulkorb

Damit dieses Vorhaben der chinesischen Regierung auch nicht gestört wird, wurde bereits vor den Spielen an die Sportlerinnen und Sportler klar kommuniziert, wie der Hase in den rund zweieinhalb Wochen laufen wird. Denn jedes Verhalten oder jede Aussage, die gegen chinesische Gesetze und Vorschriften verstoßen würde, könnte bestraft werden. Als Folge könnte das sogar bedeuten, dass ein:e Athlet:in die Teilnahmeerlaubnis an den Wettbewerben verliert.

Nun ist es nichts Neues, dass Sportler:innen bei Olympischen Spielen nicht einfach sagen dürfen, was sie möchten. Schon bei früheren Spielen galt, dass politische, religiöse oder rassistische Demonstrationen zu unterlassen wären. Politische Messages während Siegerehrungen sowie der Eröffnungs- und/oder Schlussfeier sind verboten. Dazu kommen noch die überaus strengen Gesetze in China, wo öffentliche Kritik sehr schnell zu einer Bestrafung führen kann.

Dabei gäbe es in China so viele Missstände, auf die aufmerksam gemacht werden müsste. Man denke nur an die massiven Menschenrechtsverletzungen der chinesischen Regierung gegenüber den Uigur:innen, einer muslimischen Minderheit in China. Wir haben bereits darüber berichtet.

Fußball-WM in Katar: Gebaut von tausenden Toten

Dem noch nicht genug folgt am Ende des Jahres die nächste umstrittene Sportgroßveranstaltung. Im November beginnt in Katar nämlich die Fußball-WM der Herren. Schon öfters wurde dazu aufgerufen, die Weltmeisterschaft in dem reichen Land im Mittleren Osten zu boykottieren. Grund sind die Menschenrechtsverletzungen, die beim Bau der einzelnen Fußballstadien stattgefunden haben. Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sollen seit 2010, als Katar die WM vergeben wurde, rund 15.000 Gastarbeiter:innen ums Leben gekommen sein.

Blick auf eine Baustelle in Doha.
Ein Land voller Baustellen: Für die Fußball-WM 2022 musste in Katar so gut wie alles neu gebaut werden. © Edith Geuppert/dpa Picture Alliance/APA-PictureDesk

Manche Nationalmannschaften wie Norwegen diskutierten schon über einen Boykott der Herren-Fußball-WM in Katar, der Fußballverband entschied sich letztendlich jedoch dagegen. Zumindest das österreichische Team scheint sich zu weigern, an der Großveranstaltung teilzunehmen. Das liege aber eher an den sportlichen Leistungen und weniger an dem politischen Engagement, wie das Satiremedium „Die Tagespresse“ postete.

Egal, was andere behaupten: Sport ist politisch

Die Missstände in China und Katar zeigen auf, dass man Sport und Politik nicht einfach so trennen kann. Wenn einzelne Länder solche Großveranstaltungen nutzen, um politisch daraus zu profitieren, dann sollten aber auch die Sportler:innen selbst das Recht haben, auf politische Missstände aufmerksam zu machen.

Wenn Künstler:innen das Recht haben, einen kritischen Song zu schreiben, dann sollte es auch Athlet:innen erlaubt sein, Menschenrechtsverletzungen auf der großen Bühne des Sports zu kritisieren. Wenn sich Musiker:innen weigern, ihre Musik auf umstrittenen Plattformen wie Spotify zu teilen, dann sollten auch Fußballstars die Möglichkeit haben, eine unter menschenunwürdigen Zuständen gebaute Weltmeisterschaft zu boykottieren.

Das Musik-Label von Neil Young hat ihn dabei unterstützt, seine Songs von Spotify zu entfernen. Dasselbe sollten die nationalen Sportverbände und die Regierung, wie jene in Österreich, für ihre Sportler:innen tun. Bundeskanzler Karl Nehammer hat bereits gesagt, dass er eine Politisierung der Olympischen Spiele ablehnen würde. Wenn ein:e Sportler:in aus Österreich eine Goldmedaille gewinnt, wird Nehammer aber mit Sicherheit einer der ersten sein, der auf Social Media gratuliert, um gut dazustehen.

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