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Zwei Generationen, zwei Meinungen: Unsere Autor:innen haben unterschiedliche Meinung zu Dating während Corona

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Von: Emily Erhold, Christian Kisler

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Bildmontage: Mann in einem Restaurant und Bumble-App.
Online-Dating ja oder nein? © Maskot/Zuma Press/Imago/BuzzFeed Austria

Unsere Autor:innen Christian und Emily gehören unterschiedlichen Generationen an. Deswegen sehen sie die Welt auch mit unterschiedlichen Augen, zum Beispiel wenn es ums Dating während Corona geht.

Christian, 42, und Emily, 27, haben etwas gemeinsam: Bei beiden ist zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt die jeweilige Beziehung zu Bruch gegangen, nämlich mitten in der Corona-Pandemie. Zum Glück gibt es heutzutage auch andere Möglichkeiten, Menschen kennenzulernen. Die Auswahl an Dating-Apps ist groß. Tinder und Bumble sind hier nur zwei Beispiele. Während Emily den Lockdown nutzte, um sich exzessiv und wenig nachhaltig durch die Online-Dating-Welt zu swipen, ist Christian bis heute der festen Überzeugung, dass es noch immer am schönsten ist, die Leute „persönlich anzulabern“. In unserer Serie „Zwei Generationen, zwei Meinungen“ erzählen sie uns, wie sie das mit dem Dating während Corona handhaben.

Christian: Dating war früher anders

“Dating in the Age of Corona”. Hmmm, das erinnert mich an den Titel einer Vorlesung, die ich im Rahmen meines Kunstgeschichtestudiums vor ewigen Zeiten besucht habe. “Painting in the Age of Giotto” hat sie geheißen, und nein, es ist nicht um die gleichnamige Süßigkeit gegangen. Was damals wie heute gleich gewesen ist: Ich war frisch gebackener Single. Was damals allerdings entscheidend anders war:

„Auf Aufriss“ bin ich sowieso nie gegangen, das habe ich diesen in meinen Augen unglaublich schmierigen Prolos überlassen. Und wenn ich einmal etwas entschlossener auf der Suche gewesen bin, hat das eh nie geklappt und im schlimmsten Fall einen Haufen verbrannter Erde hinterlassen. Unglücklich verliebt bin ich sowieso oft gewesen, das gehört zum Jungsein dazu. Und ja, ich hab meinen Spaß gehabt, so ist es auch nicht.

Tatsächlich bin ich dann aber in langjährigen Beziehungen gewesen, und meine jeweiligen Freundinnen hab ich nicht betrunken in einer Bar angelabert. Entweder man hat sich an einer Nachtbusstation kennengelernt (ist passiert, kein Witz) oder ein ang’soffener Unbekannter hat einen in einer Bar verkuppelt (ist ebenfalls passiert, kein Witz). Jedenfalls habe ich den Großteil der Jahre meines Erwachsenwerdens in langjährigen, stabilen, glücklichen Beziehungen verbracht. Dazwischen sind ausschweifenden Phasen des Junggesellentums gelegen, über die wir großzügig den Mantel des Schweigens breiten wollen.

Ich habe eine Abneigung gegen Dating-Apps

Wie auch immer: In der zweiten Hälfte der ollen COVID-19-Pandemie ist eine langjährige, stabile, glückliche Beziehung in die Brüche gegangen. Über die näheren Umstände werde ich mich nicht auslassen. Jedenfalls war ich nach langer Zeit wieder Single. Und nicht nur, dass sich mit fortgeschrittenem Alter das Kennenlernen von Frauen prinzipiell anders gestaltet als noch vor ein paar Jahren, war auch noch gerade eine durch Corona bedingter Lockdown. Nix also mit Fortgehen und irgendwie ins Gespräch mit jemanden kommen.

Naheliegend also, auf Dating-Apps zurückzugreifen. Aber nein, irgendwie widerspricht mir das, auch wenn in meinem Freund:innen- und Bekanntenkreis durchaus Menschen so auf ihre zukünftigen Lebensabschnittspartner:innen getroffen sind - sogar über Tinder.

Warum diese Abneigung? Na, aus Bammel vor Zurückweisung anhand eines lächerlich kleinen Fotos, dass einfach weggewischt werden kann - zumal man selbst ein lausiger Fotograf ist. (Zurückweisung geschieht im wahren Leben auch, ich weiß. Das macht es nicht besser.) Aus Angst vor dem Unbekannten. Aus Sorge sich schon beim Chatten unfassbar lächerlich zu machen. Und natürlich aus Furcht, jemandem zu begegnen, den man in real life kennt, sich bis auf die Knochen zu blamieren und für alle Ewigkeiten den eigenen Bekanntenkreis meiden zu müssen.

Dazu kommt, dass ich bisher nie darauf angewiesen war, wie gesagt, ich war in langjährigen, stabilen, glücklichen Beziehungen. Hingegen einen MySpace-Account aufsetzen? Kein Problem. Facebook? Auch nicht. Insta? Na, wo denn. Wobei der Drang zur Selbstdarstellung mit jedem neuen Social-Media-Angebot nach und nach nachließ. Daher womöglich auch meine Skepsis gegenüber Dating-Apps: Ich will mich immer weniger präsentieren. Dem widersprechen jetzt natürlich diese Zeilen, das ist mir schon bewusst. Darum lehne ich ja auch nichts kategorisch ab. Ich bin einfach noch nicht so weit.

Emily: Corona war die beste Ausrede, um Single zu bleiben

Meine langjährige, stabile Beziehung ist gleich am Anfang der Pandemie in die Brüche gegangen. So stabil war sie dann also doch nicht, immerhin hat sie nicht einmal den ersten Lockdown überlebt. Langjährig war sie allerdings. Und deswegen hatte ich am Anfang auch nur wenig Bock darauf, mich wieder ins Dating-Leben zu schmeißen. Fremde Leute in einer Bar ansprechen, nur um herauszufinden, dass sie entweder extrem langweilig oder richtig ungut sind. Angesprochen werde ich auch nicht gerne, schon gar nicht, wenn Alkohol im Spiel ist. Denn dann sind die meisten Annäherungsversuche einfach unerträglich bis hin zu sexistisch und übergriffig. Der von Christian erwähnte „Aufriss“ war also auch für mich immer eine Qual. Ab einem gewissen Alter ist es auch nicht mehr wirklich akzeptabel, innerhalb seines Freundeskreises zu daten.

Kurz gesagt: Ich hatte akzeptiert, dass ich jetzt für längere Zeit Single bleibe, nur damit ich niemand Neuen kennenlernen muss. Doch dann erinnerte ich mich daran, dass wir ja in einem Ausnahmezustand leben. Annäherungsversuche beim Tanzen oder Trinken kamen ohnehin nicht mehr infrage. Das fand ich irgendwie richtig leiwand. Denn in der Vergangenheit musste ich mich vor meinen Freund:innen oft rechtfertigen, wenn ich über einen längeren Zeitraum Single blieb (Ja, eigentlich sollte ich mich absolut nicht rechtfertigen müssen). Jetzt hatte ich die ultimative Ausrede: Corona!

Online-Dating wurde für mich zum Online-Gaming

So ging es mir eigentlich ein paar Monate richtig gut. Außer ein paar unverfängliche Treffen, von denen sich keine Partei wirklich mehr erwartet hat, genoss ich mein Leben als Corona-Single. Bis ich eines Tages beim Lockdown-Spaziergang von einem großartigen Menschen angesprochen wurde. Der Mann, den ich leider wohl damals zum ersten und letzten Mal gesehen habe, kam mit schüchternen Schritten auf mich zu während ich auf einen Freund wartete und stammelte etwas hilflos: „Na, auch spazieren und so?“. Eine Corona-Anmache wie sie im Buche steht. Damals war das alles noch recht neu. Ich war allerdings nicht mehr an direkten Kontakt mit Fremden gewöhnt und musste aufgrund der komischen Situation laut lachen. Er stand total verloren da, bis er sich einfach wieder umdrehte und etwas unbeholfen davon tapste.

Mir tat das im Nachhinein so leid, dass ich den Beschluss fasste, mich wieder ins Dating-Leben zu stürzen. Vor allem, um nicht zu verlernen, wie man mit fremden Menschen umgeht, die nur nett sein wollen. Ein kleiner Teil hoffte, dass ich diesen armen Mann irgendwann auf Tinder oder Bumble matchen würde und mich für meine Art entschuldigen könnte. Wenn man bedenkt, dass ich in Wien lebe und Wien ein Dorf ist, ist das gar keine so unrealistische Vorstellung. Es folgten also Monate, in denen ich herumswipte wie eine Wilde. Es gab sicher unzählige Momente, auf denen ich einfach nur auf meinem Bett saß und gedankenlos hin- und herwischte ohne die Fotos geschweige denn die Profile der Menschen wirklich anzusehen.

Irgendwann hörte ich auf zu swipen und fing an, die besten Eisbrecher zu suchen, um mit meinen Matches zu schreiben. Dabei versuchte ich mich jedes Mal selbst zu toppen. Mein Bumble-Game war strong, aber es war vor allem eben nur ein Game. Die Dates, auf die ich tatsächlich ging, nahm ich nicht wirklich ernst.

Mein Fazit: Online-Dating ist perfekt, um Leute kennenzulernen, aber ich wünsche keinem, dass er mich auf einer dieser Apps kennenlernt. Ich nehme das Ganze nicht ernst. Viel besser wäre es, wenn jemand eine ehrliche Haut wie den Christian matcht, der auch wirklich weiß, was nachhaltiges Dating bedeutet und sich darauf einlassen möchte. Dir, Christian, rate ich, dich zu überwinden und deine Scheu abzulegen. Gerade wer schüchtern ist, profitiert von Dating-Apps. Immerhin muss man nicht sofort zurückschreiben und kann sich Zeit nehmen. Die Gefahr, dass du Online-Dating zum Gaming machst, wird bei dir vermutlich nicht gegeben sein.

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