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Papst fordert Eltern auf, homosexuelle Kinder nicht zu verurteilen - die Kirche macht aber genau das

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Von: Emily Erhold

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Papst Franziskus
Der Papst forderte Eltern auf, homosexuelle Kinder nicht zu verurteilen. © FILIPPO MONTEFORTE/AFP/APA-PictureDesk

Papst Franziskus forderte bei einer Generalaudienz im Vatikan Eltern dazu auf, ihre schwulen und lesbischen Kinder nicht zu verurteilen. Das Gleiche sollte er auch seiner eigenen Institution vorschlagen.

Denn queere Menschen werden in der katholischen Kirche noch immer diskriminiert. Das zeigte zuletzt die Initiative #OutInChurch, durch die sich Anfang der Woche 125 Mitarbeitende der römisch-katholischen Kirche in Deutschland geoutet haben.

Papst Franziskus will Eltern bestärken

In seiner wöchentlichen Audienz äußerte sich Papst Franziskus am 26. Jänner überraschend zu homosexuellen Kindern. Er sprach dabei über Schwierigkeiten, auf die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder stoßen könnten. „Ich denke in diesem Moment an die vielen Menschen, die von der Last des Lebens erdrückt werden und nicht mehr hoffen, nicht mehr beten können“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. „Ich denke auch an die Eltern, die Probleme mit ihren Kindern haben; Kinder, die krank sind, die unheilbare Krankheiten haben. Was für ein Schmerz ist das für die Eltern! Manche erleben, dass ihre Kinder eine andere sexuelle Orientierung haben, und fragen sich, wie sie ihre Kinder begleiten können. Da sollte man keine verurteilende Haltung einnehmen“, führte er aus. Schließlich richtet er sich direkt an die Eltern: „Ich sage, diesen Eltern: Lasst euch nicht erschrecken, es gibt viele Probleme, aber denkt immer an den Herrn (...) verurteilt eure Kinder nie.“

Die Aussagen des Papstes sind nicht allzu überraschend. Immer wieder scheint er einen Schritt auf homosexuelle Gläubige zuzugehen. Die Betonung liegt auf „scheint“, denn was er von den Eltern fordert, fordert er noch lange nicht von seiner eigenen Institution. Die katholische Kirche diskriminiert auch heute noch Mitglieder der LGBTQI+-Community. Der offizielle Katechismus, also das Lehrbuch der grundlegenden Glaubensinhalte für Familie, Schule und Kirche, sieht homosexuelle Handlungen weiter als Sünde. Erst Anfang 2021 hatte der Vatikan deutlich klargestellt, dass homosexuelle Partnerschaften nicht den Plänen Gottes entsprächen und sie deshalb von der Kirche auch nicht gesegnet werden können. Auch wenn sich viele katholische Kirchen weltweit gegen diese offizielle Vorgabe wenden und vereinzelt schwule und lesbische Paare segnen, positioniert sich die Kirche hier eindeutig gegen ihre queeren Mitglieder.

#OutInChurch

Dass sie sich damit nicht nur gegen gläubige Angehörige der LGBTQI+-Community richtet, sondern auch gegen viele ihrer eigenen Mitarbeitenden, zeigte sich erst Anfang der Woche in Deutschland. In einem gemeinschaftlichen Coming-Out, das es in dieser Größenform wohl noch nie zuvor in der katholischen Kirche gegeben hatte, forderten 125 Mitarbeitende von katholischen Einrichtungen, das kirchliche Arbeitsrecht zu ändern. Denn noch immer ist die Kirche in Deutschland - und übrigens auch in Österreich - vom Diskriminierungsverbot ausgeschlossen. Die Kirche hat ihr eigenes Arbeitsrecht. Wie sehr die Mitarbeitenden darunter leiden, konnte man am Montag in der ARD-Doku „Wie Gott uns schuf“ sehen. Queere Menschen erzählen darin, wie sie ihr Leben oder ihre Beziehungen jahrelang geheim halten mussten.

Der Vatikan hat bisher noch nicht auf dieses Massen-Coming-out in Deutschland reagiert. Kein Pieps vom Papst. Stattdessen fordert er Eltern auf, ihre Kinder nicht zu verurteilen. Über jahrelange Diskriminierung queerer Menschen vonseiten der Kirche wird nicht gesprochen. Statt vor der eigenen Tür zu kehren, werden andere bevormundet. Wieder Papst persönlich zu homosexuellen Menschen und anderen queeren Personen steht, werden wir wohl nie erfahren. Viel zu widersprüchlich waren seine Aussagen in der Vergangenheit. Bereits 2018 hatte er in Bezug auf „Kinder mit homosexuellen Neigungen“ den Eltern geraten, diese nicht zu „verdammen“. Gleichzeitig erklärte er: „Es gibt viele Dinge, die man mit der Psychiatrie machen kann, um zu sehen, wie die Dinge sind“. Eigentlich ist es auch egal, was seine persönliche Meinung ist. Leider sieht es aber nicht so aus, dass er in naher Zukunft die Kirche an ebenso in die Pflicht nehmen wird wie er das in diesem Fall mit den „Eltern homosexueller Kinder“ macht.

Attacken auf Menschenrechte von LGBTQI+

Dabei wäre es gerade jetzt ein bedeutendes Zeichen, wenn sich die Kirche ganz offiziell zu queeren Menschen bekennt und ihre Rechte bestärkt. Immer mehr Länder wie beispielsweise Polen oder Ungarn verletzen die Bürgerrechte von queeren Personen. Erst am 25. Jänner zeigte sich die parlamentarische Versammlung der Europarats in einer Resolution darüber besorgt, dass Hasssprache, Gewalt und Hassverbrechen gegenüber der LGBTQI+-Community innerhalb der EU zunehmen. Der Papst könnte hier viel bewirken. Denn Religion und kirchliche Institutionen tragen vor allem in konservativen Ländern einen großen Teil dazu bei, dass queere Menschen diskriminiert werden.

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