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Das Ende der Passwörter ist da - endlich!

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Von: Christian Kisler

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Montage: eine junge Frau liest auf ihrem Smartphone, ein Computerbildschirm mit Passworteingabefeld
Das Ende des Passworts ist dank FIDO nah. © Imagebroker/Imago/Julian Stratenschulte/EPA/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Das Ende ist nahe, zumindest was Passwörter anbelangt. Und zumindest, wenn es nach Google, Apple und Microsoft geht. Ob das, was danach folgt, besser ist, sei dahingestellt. Nur gut, dass mit dem Passwort-Wahn nun Schluss ist. Meine 2Cents dazu.

Eine neue App, ein neuer Dienst, ein neues Passwort, und schon wieder den Kopf zerbrechen. Weil es immer wieder anders sein muss, tunlichst lang, mit Buchstaben und Zahlen, und bei manchen Anbietern ganz wichtig, mit Sonderzeichen. Von der neuerdings um sich greifenden Zwei-Faktoren-Authentifizierung ganz zu schweigen. Dabei kann man etwa Online-Banking nur noch nutzen, wenn man nicht nur ein Passwort eingibt, sondern zusätzlich einen via Handy zugesendeten Code.

Ganz ehrlich, das verkompliziert die Sache ungemein. Wenn Hacker:innen auf fremde Daten zugreifen wollen und dabei etwas von ihrem Handwerk verstehen, dann gelingt ihnen das so oder so. Im Gegenteil, mit besonders gefinkelt verschlüsselten Passwörtern wird nur noch der Sportsgeist geweckt, nach dem Motto: Challenge accepted.

Passwörter muss man sich merken können

Passwörter an sich sind ja alles andere als sicher und können leicht gestohlen werden. Ganz zu schweigen davon, dass kein Mensch sich die wahnwitzige Unmenge an Passwörtern merken kann. Der verstorbene Hamster, die quicklebendige Katze, dein Geburtstag oder der deiner Ex-Freundin, Bezüge auf deine Hobbys, seien es Tischtennis spielen, Fantasyfiguren bemalen, Briefmarken sammeln oder Gitarre spielen: Die meisten wählen etwas mit persönlichem Bezug, das kann dann P!ngpong1994 oder 20GoblinMei$ter02 oder so etwas sein.

Ideal sind natürlich welche, die per Zukunftsgenerator erstellt werden, ieF5ak%sH6f§ou3Go9 zum Beispiel. Behält allerdings niemand im Gedächtnis, weshalb die meisten Browser auch vorschlagen, das jeweilige Passwort zu speichern. Ich bin kein Sicherheitsexperte, aber ganz koscher scheint mir das auch nicht - auch wenn ich selbst oft und gerne davon Gebrauch mache. Natürlich gibt es auch Passwortmanager wie etwa KeePass, aber das ist eher etwas für den beruflichen Alltag.

FIDO bereitet dem Passwort ein Ende

Wenn also Google, Apple und Microsoft gemeinsam das Ende des Passworts verkünden, sorgt das erst einmal für innere Jubelschreie. Aber um es kurz zu machen: 1. Das dauert noch. 2. Voraussetzung dafür ist FIDO. Was zum Geier ist FIDO? FIDO steht für Fast IDentity Online, auf Deutsch etwa „schnelle Identität bei digitalen Verbindungen“ und ist eine Allianz, unter der sich Hunderte Unternehmen zusammengeschlossen haben. Darunter Riesen wie PayPal, Visa, Mastercard, Amazon, Samsung und viele mehr. Nicht alle sind freilich Sympathieträger, Amazon etwa hat erst kürzlich vier Mitarbeiter:innen gekündigt, weil sie eine Gewerkschaft gründen wollten.

Wie auch immer, bei FIDO kommt ein Standardverschlüsselungsverfahren zum Einsatz, das es ermöglicht, dass sich die User:innen lediglich bei einer App oder Website anmelden müssen - ganz ohne Passwort. Die drei großen Player Google, Apple und Microsoft wollen das in ihre Betriebssystemen und Browsern integrieren und so eine Welt ohne Passwort schaffen. Hat das Ganze einen Haken? Selbstverständlich! Um sich identifizieren zu können, muss man auf Fingerprint oder Gesichtserkennung zurückgreifen. Womit Google, Apple und Microsoft womöglich mehr wissen, als uns lieb ist. Wer unter Verfolgungswahn leidet, sollte sich lieber weiterhin mit Hundertschaften an Passwörtern herumquälen.

„Das Internet“ kennt mich ohnehin in- und auswendig

Da ich aber ohnehin ständig online und bereits durchsichtig wie nur was geworden bin, ist das auch schon wurscht. Fingerabdruck als Identifikationsmerkmal ist schon ein alter Hut. „Das Internet“ weiß eh schon alles über mich und meine Vorlieben, da hilft es auch nicht, Verlauf und Cookies zu löschen. Was liegt, das pickt. Nur Hauptsache keine Passwörter mehr ausdenken und merken müssen.

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