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Roman Rafreider lallt im Fernsehen: Wieso wir ihn nicht vorverurteilen sollten

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Von: Christian Kisler

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Roman Rafreider im ORF-Zentrum 2017 in legerer Freizeitkleidung
Roman Rafreider im ORF-Zentrum. © Jürgen Christandl/KURIER/picturedesk.com/BuzzFeed Austria

Roman Rafreider hat mit seiner letzten Moderation für die ZIB auf ORF für Aufsehen gesorgt - er war schwer beeinträchtigt, viele meinen alkoholisiert. Der ORF hat ihn nun suspendiert. Das wirft Fragen auf. Meine 2 Cents dazu.

Stell dir vor, du willst dir im linearen Fernsehen am Dienstagabend „Willkommen Österreich“ mit Stermann und Grissemann ansehen, zu Gast sind Liedermacher Konstantin Wecker und Schriftstellerin Raphaela Edelbauer. Davor sind wie immer gefühlte 15 Minuten Werbung - und der ZIB Flash, sozusagen die Kurzfassung der Zeit im Bild, der Nachrichtensendung des ORF. Die Moderation hat diesmal der lang gediente Sprecher und Journalist Roman Rafreider über, ein Mann, der sonst mit professioneller Kälte zu glänzen weiß. Aber irgendwas ist anders an diesem Dienstag, dem 14. Dezember 2021.

Rafreider ist neben der Spur, hat Probleme mit dem Gleichgewicht, er lallt leicht, macht aus „Omikron-Variante“ kurzerhand eine „Booster-Variante“. Das Wort „Sri Lanka“ geht ihm nur schwer über die Lippen, am Ende, während der Verkündung der Wetterprognose, wirkt es gar, als müsste er sich am Tisch im TV-Studio festhalten. Die Nachtausgabe der ZIB moderiert an diesem Tag nicht mehr wie ursprünglich geplant Rafreider, sondern Kollege Martin Thür.

Das Urteil über Rafreider ist schnell gefällt

Was ist da passiert? Ein auf YouTube hoch geladenes Video verbreitet sich schnell, ebenso rasch ist auf Social Media ein Urteil gefällt: Der Mann war ganz klar ang‘soffen, er hatte wohl einen Punsch zu viel, er war der letzte auf der ORF-Weihnachtsfeier (die aus Corona-Gründen heuer gar nicht stattfand, nur so nebenbei). Auch der ORF reagiert umgehend, entfernt das Video aus seiner TVthek sowie von YouTube und suspendiert Rafreider vom Dienst. Dieser wiederum entschuldigt sich und spricht von persönlichen Gründen, geht aber nicht näher darauf ein.

Jede Menge im Unklaren also, Vorverurteilung, auch vonseiten vieler Medien und jede Menge offene Fragen. Die Kronenzeitung berichtet auf ihrer Website davon, dass Rafreiders Vater im Sterben läge und der Moderator seinen Kummer in Alkohol ertränke - freilich ohne weitere Angaben von Quellen oder wie man zu diesen Informationen gekommen sei oder mit Berücksichtigung, dass diese Information, sofern sie stimmt, ohnehin privat ist.

Nichts genaues weiß man nicht

Fix ist, dass irgendetwas nicht gestimmt hat. Roman Rafreider war eindeutig beeinträchtigt, daran gibt es nichts zu rütteln. Aber ob er alkoholisiert war oder womöglich einen von Diabetes herrührenden glykämischen Schock erlitten hat, also schwer unterzuckert war oder ein anderes gesundheitliches Problem vorgelegen ist - man weiß es nicht. Sollte er tatsächlich alkoholabhängig sein, so ist das letztlich auch eine Krankheit und der 52-jährige Vorarlberger benötigt Hilfe. Und nicht die Sorge, seinen Job zu verlieren.

Zugegeben, Rafreider mag nicht der größte Sympathieträger sein, nicht zuletzt wegen eines ominösen Konfliktes mit seiner Ex-Lebensgefährtin, woraufhin er schon einmal für ein Jahr vom Bildschirm verbannt worden ist. Nichtsdestotrotz hätte der Vorfall am Dienstag vielleicht abgefedert werden können, wenn irgendjemandem Rafreiders Zustand schon aufgefallen wäre, bevor man auf Sendung gehen würde.

Alkohol im Studio riecht niemand

Das liegt aber auch am System moderner Berichterstattung. Zu später Stunde sind gerade beim ZIB-Flash lediglich Ton- und Kameramensch mit im Studio, Moderator:innen sind alleine in der Maske und verkabeln sich selbst. Selbst wenn tatsächlich Alkohol im Spiel ist: Das riecht niemand. So oder so: Wünschen wir Rafreider, dass er heil aus der Sache kommt und dass er bald gesundet. Und dass sich nicht der Boulevard wie Geier auf ihn stürzt.

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