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Salzburger Militärchef fordert Grundwehrdienst für 8 Monate, das Kernproblem ist aber ein anderes

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Von: Johannes Pressler

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Fotomontage von links Grundwehrdienern mit Waffen und rechts dem Salzburger Militärchef Anton Waldner.
Der Salzburger Militärchef Anton Waldner fordert, dass der Grundwehrdienst wieder acht Monate lang gehen sollte. © Roland Schlager/APA/Neumayr Fotografie - Christian L/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Der Salzburger Militärkommandant Anton Waldner wünscht sich, dass der Grundwehrdienst wieder acht Monate lang geht. Wäre das wirklich eine gute Idee? Meine 2Cents:

Im Bundesheer herrscht gerade Hochbetrieb. Insbesondere seit dem Ukraine-Krieg wird wieder intensiv über den aktuellen Zustand des österreichischen Heeres diskutiert. Am Freitag (8. April) wurde dazu von der ÖVP-Grünen-Regierung eine neue Bundesheerreform beschlossen. Die Führungsstruktur soll von nun an schlanker sein und Verwaltung und militärische Führung etwas getrennter voneinander arbeiten. Da Generalstabschef Robert Brieger nach Brüssel wechselt, wird zudem schon bald eine neue Person den mächtigsten Posten innerhalb des Heeres haben. Doch eine Aussage aus den Militärkreisen fiel in den letzten Wochen besonders aus der Reihe - und sie könnte auch dich direkt betreffen.

Salzburger Militärchef fordert Grundwehrdienst für 8 Monate

Vor Kurzem stellte der Salzburger Militärkommandant Anton Waldner im ORF-Interview die Forderung auf, der Grundwehrdienst müsse wieder von sechs auf acht Monate verlängert werden. Dabei bezieht sich Waldner vor allem auf die Grenzeinsätze der großteils jungen Soldaten, wodurch die militärische Ausbildung an sich zu kurz kommen würde. „Er ist nicht fertig ausgebildet. Wir müssen Zeit zurückgewinnen, die Assistenz zurückfahren. (...) Wir beim Heer sollten unsere Kernkompetenz wieder herstellen können“, sagte der Salzburger Militärchef im Zuge einer großen Milizübung im Flachgau.

Mehr als 16 Jahre ist es mittlerweile her, als der Grundwehrdienst von acht Monate auf sechs verkürzt wurde. Der damalige Verteidigungsminister war der aktuelle Tiroler Landeshauptmann Günther Platter. Am selben Tag, dem 1. Jänner 2006, wurde übrigens auch entschieden, den Zivildienst von 12 Monaten auf neun Monate zu verringern. Bis zur nunmehrigen Forderung vom Salzburger Militärchef stand der Aufruf, diese Beschlüsse wieder rückgängig zu machen, eher selten im Raum. Das Problem des Grundwehrdienstes jedoch rein auf die Länge zu beziehen, ist der falsche Ansatz.

Reform des Grundwehrdienstes: Es braucht mehr Attraktivität

Der Ruf des Grundwehrdienstes ist in den letzten Jahren immer schlechter geworden. Gründe dafür gibt es mehrere, BuzzFeed Austria hat über einige Baustellen im Heer schon berichtet. Viele junge Männer, die direkt nach der Matura ihren Dienst absolvieren, gehen mit der simplen Einstellung an die Sache, die sechs Monate „einfach hinter sich bringen zu wollen“. Schon des Öfteren wurde mir gesagt, man habe sich für den Grundwehrdienst nur deshalb entschieden, weil er drei Monate kürzer als der Zivildienst sei. Mit Interesse an einer militärischen Ausbildung oder sogar dem Wunsch, „seinem Land dienen zu wollen“, hat das alles wenig zu tun.

Noch ein viel größeres Problem als die Motivation an sich ist die Bezahlung. Im Moment erhält ein Grundwehrdiener rund 320 Euro im Monat. Für einen 18-Jährigen möge das ein nettes Taschengeld sein, während man die Wochenenden noch gemütlich zu Hause bei den Eltern verbringt. Doch was ist mit jenen, die sich bereits mitten in der Berufswelt befinden, ihre aktuellen Jobs für sechs Monate unterbrechen und auf ihr volles Gehalt verzichten müssen? Hierbei den Präsenzdienst wieder zu verlängern, könnte sie finanziell noch mehr unter Druck setzen, als sie ohnehin schon sind. Das betrifft vor allem jene, die sich dazu entscheiden, ihren Präsenzdienst erst später nachzuholen.

In einer Sache hat der Salzburger Heereskommandant jedoch recht: Der Grundwehrdienst benötigt definitiv die ein oder andere Veränderung. Doch bevor über eine Verlängerung auf acht Monate diskutiert werden kann, sollte sich Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) vielleicht lieber grundsätzliche Gedanken darüber machen, wie man den Grundwehrdienst an sich den jungen (und teilweise auch älteren) Männern wieder schmackhafter machen könnte. Denn dann würden die zwei Monate mehr oder weniger auch keine große Rolle mehr spielen.

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