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Selbst am Internationalen Tag der Jogginghose werde ich mit dem Fetzen nicht vor die Tür gehen

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Von: Christian Kisler

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Ein Mann in Jogginghosen schläft auf einer Couch
Jogginghose auf der Couch? Gerne, aber nicht in aller Öffentlichkeit. © Idealo Internet GmbH/OTS/BuzzFeed Austria

Am Internationalen Tag der Jogginghose soll das bequeme Beinkleid gefeiert werden. Außerhalb meiner vier Wände werde ich sie aber nicht anziehen. Meine 2 Cents zum Thema.

Zu Beginn der Pandemie, als sich im März 2020 der erste Lockdown abzeichnete, wurden einige Dinge zu begehrten Gütern. Immerhin dachten viele, sie müssten sich für lange Zeit daheim einbunkern. Ja, damals war ein Lockdown noch eine große Sache, die Straßen waren menschenleer. Deshalb wurden im Vorfeld etwa Unmengen an Klopapier und Germ erstanden, an Masken dachte noch niemand. Irre eigentlich.

Wie dem auch sei, für nicht wenige bedeutete die neue Situation auch das erste Mal Homeoffice. Da wollte man doch wenigstens bequem angezogen sein. Kein Wunder, dass ein bestimmtes Kleidungsstück ganz hoch im Kurs stand und bald überall ausverkauft war: die Jogginghose. Wie schon der Name vermuten lässt, war sie ursprünglich einzig und allein für sportliche Aktivitäten im Freien bei niedrigeren Temperaturen entworfen worden, damals, in den 1920er Jahren.

Freizeithose oder Jogginghose?

Irgendwann ist sie dann doch zum Synonym für „Gammellook“ geworden, wer was auf sich hielt, brachte nicht einmal den Mist runter, ohne sich vorher andere Hosen anzuziehen. Vielerorts kam man nicht einmal zu Hause auf die Idee, Jogginghosen zu tragen. Für daheim gab es bestenfalls sogenannte „Freizeithosen“ - worin auch immer sich diese von der abfällig beäugten Beinkleidung groß unterschied.

Seit 2009 feiern wir am 21. Jänner den Internationalen Tag der Jogginghose, was wir tatsächlich einer Eingebung von vier Grazer Jugendlichen verdanken. Dank Facebook-Events verbreitet sich die Idee relativ flott rund um die Welt, was Modeschöpfer Karl Lagerfeld 2012 in der Sendung von Markus Lanz zu einem bis heute immer wieder gerne zitierten Satz veranlasste: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“

Keine Jogginghosen für mich

Und ja, ich muss gestehen, dass ich diesen Satz durchaus eine Zeit lang unterschreiben habe können. Wie heißt es denn so schön in einem leicht befremdlichen Sprichwort: „Mit vollen Hosen ist gut stinken“. Soll heißen, was man nicht besitzt, das kann einem auch nicht abgehen. Korrekt, ich nannte bis vor einigen Jahren keine Jogginghose mein Eigen. Weil: Im Winter hatte ich eh nicht das Bedürfnis draußen laufen zu gehen, da gibt es Alternativen auch indoors. Da benötigt man dann keine Sweat-Pants, wie die Hose passen zum Sweatshirt auch genannt wird. Beim Skifahren ebenso wenig, das wäre dann prinzipiell eine recht nasse, ungemütliche Angelegenheit.

Was jetzt nicht heißt, dass ich zu Hause nur den feinen Zwirn getragen habe, nein, ganz und gar nicht. Bei mir waren es dann halt alte, zerschlissene Jeans, die mir fast schon vom schmalen Körper fielen. Was daran so viel besser sein sollte, als gleich eine vernünftige Jogginghose anzuziehen, kann ich nicht mehr wirklich nachvollziehen.

Mit der Jogginghose auf der Couch knotzen - herrlich!

Vor einigen Jahren hab ich durch meine damalige Freundin dann doch noch die Vorzüge einer Jogginghose schätzen gelernt. Ganz fremd waren sie mir ja nicht, als Jugendlicher hab ich auch hin und wieder welche getragen - ausschließlich daheim, versteht sich. Und ich muss gestehen, es gibt kein schöneres Gefühl, als heim zu kommen und die Straßenkleidung gegen Hausgewand inklusive Jogginghose zu tauschen, auf der Couch zu knotzen, Serien zu gucken, ein Buch zu lesen oder Musik zu hören. Und wenn die Katze einen Faden zieht, ist es auch nicht weiter tragisch, es ist ja keine Hose, mit der ich außer Haus gehen würde.

Yep, das halte ich nach wie vor so: Dass ich mich umziehe, bevor ich das Haus verlasse, und sei es nur das Beinkleid. Ich würde mich damit nicht wohlfühlen. Umgekehrt ist es mir ziemlich wurscht, ob andere meinen, Jogginghosen auch draußen zu nicht sportlichen Tätigkeiten anziehen zu müssen. Letztlich kommt es ja auf die Träger:innen an, nicht auf das Kleidungsstück, wie jemand auf andere wirkt.

Armin Wolf in gelben Jogginghosen auf Sendung

Übrigens hat Karl Lagerfeld nur zwei Jahre nach seinem berühmten Sager selbst Jogginhosen entworfen. Für Chanel. In diesem Jahr hat Zeit-im-Bild 2-Anchorman Armin Wolf die Sendung anlässlich des damaligen Tags der Jogginghose in knallgelben Sweatpants abmoderiert. Mit Hemd, Krawatte und Sakko, nur um den Spaß mit Kollegin Lou Lorenz-Dittlbacher zu wiederholen. Auch eine Möglichkeit, aber keine erstrebenswerte.

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