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Grönland schafft das Festnetz ab - für Österreich wär das fix nix

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Von: Christian Kisler

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Ein altes Tastentelefon auf einem Beistelltisch
So will niemand mehr telefonieren, Festnetz hat aber seine Vorteile. © Frank Sorge/caro images/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Grönlands einziger Netzbetreiber Tusass hat angekündigt, mit dem Jahr 2022 das Festnetz abschaffen zu wollen - und fordert andere Länder auf, es ihm gleichzutun. Allerdings herrschen in Österreich andere Bedingungen als in Grönland.

Grönland ist die größte Insel der Welt. Auf 2,16 Millionen Quadratkilometern leben gut 56.400 Menschen. Im Vergleich: Österreich weist eine Fläche von etwa 83.800 Quadratkilometern und eine Bevölkerung von fast neun Millionen Einwohner:innen auf. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, Grönland ist dünn besiedelt. Wenig verwunderlich, herrschen dort doch wenig menschenfreundliche Bedingungen. Am ehesten lässt es sich an den westlichen Küsten dieses autonomen Bestandteils des Königreichs Dänemark leben, etwa in der Hauptstadt Nuuk.

Telefonieren über Funk, im Internet surfen über Satellit

Dass sich das Leben dort nicht mit dem in Österreich vergleichen lässt, schon gar nicht wie in Städten wie Wien, Graz, Linz oder Salzburg-Stadt, liegt auf der Hand. Im Landesinneren gibt es keine ausgebauten Straßen, man fliegt oder fährt mit dem Schiff. Auch die Kommunikation verläuft hier anders. Man spricht miteinander über Funkverbindungen, Internet bezieht man über Satellitenverbindungen. Für den staatlichen und einzigen Telekommunikationsanbieter und Netzbetreiber Tusass ist es so gesehen nur konsequent, das Ende der Festnetz-Ära einzuläuten. In einer Aussendung wurde alle Kund:innen mitgeteilt, dass ihre Anschlüsse noch heuer abgedreht würden.

Im gleichen Atemzug forderte Tusass andere Länder dazu auf, sich ebenfalls vom Festnetz zu verabschieden, sei das doch eine veraltete Technologie, für die keine Ersatzteile hergestellt würde. Zudem würde der Kund:innen-Support mit sofortiger Wirkung eingestellt. Es gebe fortschrittlichere Arten, zu kommunizieren, sprich: Mobilfunk. Ärgerlich für die Betroffenen, also alle in Grönland lebenden Personen mit Festnetzanschluss, sind zwei Dinge. Erstens können sie ihre bestehenden Rufnummern nicht behalten und müssen neue beantragen. Und zweitens sind die neuen Mobilfunkverträge teurer als es jene für Festnetz waren. Zwar sind Anrufe und SMS in einem gewissen Umfang enthalten, wer aber wenig telefoniert und kaum Nachrichten schreibt, zahlt drauf.

Telefoniert wird überall auf der Welt anders

Das ist natürlich ein starkes Stück: Tusass drängt seinen Kund:innen ein Produkt auf, das diese womöglich nicht wollen, und verlangt auch noch mächtig Kohle dafür. Nicht leiwand. Zumal es keine Alternativen gibt, Tusass ist ja alleiniger Anbieter auf der Insel. Was sich anfänglich also wie eine witzige Meldung liest, entpuppt sich als Angebot ohne Ausweg.

Und natürlich lassen sich grönländische Verhältnisse nicht auf den Rest der Welt umlegen. In Großbritannien soll das Festnetz ebenfalls abgeschafft werden, bis 2025. Dabei sollen aber sämtliche alten Kupferleitungen durch Glasfaserkabel ersetzt werden. In manchen Landstrichen Afrikas, das von der Klimakrise wie kein anderer Kontinent bedroht ist, wurde nie ein Festnetz ausgebaut. Hier waren Mobiltelefone ein Segen. Verschiedene Teile der Welt haben verschiedene Gegebenheit und damit unterschiedliche Anforderungen.

In Österreich gibt es nicht überall Mobilfunk-Empfang

Werfen wir also einen Blick auf Österreich. Schon aus geografischen Gründen - ich sage nur: Alpen - gibt es nicht überall astreinen Empfang. Wer schon einmal auf einer Skitour war, weiß das. Tatsächlich leben und arbeiten in solchen Gegenden aber auch Menschen. Die sind auch schon mal froh, wenn sie nicht durch den halben Ort rennen müssen, um diese eine Ecke zu finden, in der es mit allen Mobilfunknetzen ungestörten Empfang gibt.

Hier macht sich das gute alte Festnetz bezahlt. Was ja nicht bedeutet, dass man am alten Wählscheibentelefon kleben bleibt, wie es deine Oma mal hatte und an das du dich wahrscheinlich nicht einmal mehr erinnern kannst. Und nein, ich bin auch nicht fortschrittsfeindlich, im Gegenteil. Aber ich kann nicht etwas abschaffen, ohne eine Alternative anzubieten. Und ja, es gut in diesem Fall ausschließlich ums Telefonieren, nicht um Internetempfang. Wobei letzterer über eine Standleitung auch stabiler und in den meisten Fällen schneller ist als über Mobilfunk.

Wahrscheinlich erübrigt sich die Diskussion ja eh. Weil wann hast du das letzte Mal angerufen, wenn sich dein Anliegen mittels Message oder E-Mail auch erledigen lassen hätte können? Eben.

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