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Vorsätze für das neue Jahr sind absoluter Blödsinn - wir enttäuschen uns damit nur selbst

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Von: Emily Erhold

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Bildmontage: Hand, die eine Liste schreibt und Hände, die eine Banane schneiden.
Gesünder essen: Ein beliebter Neujahrsvorsatz. Lame!! © Cavan Images/Westend61/Imago/BuzzFeed Austria

Neues Jahr, neue Vorsätze? Nein, danke! Wieso sollte ich mich selbst unter Druck setzen, nur um nächsten Dezember enttäuscht eine Liste in den Müll zu werfen? Hier sind meine 2 Cents zu Vorsätzen.

Wieso ist der Jahreswechsel überhaupt Anlass dazu, sich plötzlich irgendetwas vorzunehmen, was wir bis jetzt nicht geschafft haben? Als würde der Jänner magisch alles auf null setzen, uns plötzlich mehr Zeit schenken und unsere Persönlichkeit verändern. So ein Blödsinn!

Meine gescheiterten Vorsätze

Auf den Weihnachtsstress folgt der Silvesterstress (Dabei ist Silvester auch nur ein Tag wie jeder andere). Wer feiert mit wem und wo? Vor allem in der Pandemie ist diese Frage nicht so schnell geklärt. Und weil wir Menschen es generell lieben, uns selbst Stress zu machen, laden wir den Jahreswechsel auch noch mit extrem viel Bedeutung auf und nehmen uns für das neue Jahr unzählige Dinge vor, die wir sowieso nicht einhalten können. Die meisten guten Vorsätze sind ohnehin schon am 1. Jänner gebrochen.

Auch ich hab mich die letzten Jahre hinreißen lassen, eine ganze Liste an Dingen zu schreiben, die ich im neuen Jahr erreichen möchte. Da waren dann zum Teil sehr skurrile Dinge dabei. 2019 wollte ich zum Beispiel zwei Sprachen fließend sprechen lernen. Ich weiß nicht mehr, wieso eine nicht ausreichend war. Geschafft habe ich dann logischerweise keine, weil ich den Vorsatz aber auch nicht wirklich ernst genommen habe. 2020 wollte ich übrigens ganz viel Reisen - oh well!

Für 2021 nahm ich mir vor, weniger zu arbeiten und mehr Zeit für mich selbst zu haben. Ein Klassiker! Diesen Vorsatz habe ich übrigens im ersten Halbjahr eingehalten, nur um etwas über mich zu lernen: Ich bin auch nicht wirklich viel glücklicher, wenn ich wenig arbeite. Bis jetzt habe ich mich mit meinen Vorsätzen also immer wieder nur selbst enttäuscht.

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Ich werde mich 2022 nicht magisch verändern

Auch dieses Jahr habe ich bereits mit dem Gedanken gespielt, mir für 2022 einige Vorsätze aufzuschreiben. Bis ich letztens bei einer Freundin zu Besuch war, die gerade den ganzen Tag damit verbracht hatte, ihre Ziele in einem großen Ordner inklusive Mindmap und allem drumherum aufzuschreiben und zu sortieren. Ich war beeindruckt. Auch ihre Vorsätze vom letzten Jahr waren da drinnen. Den Großteil zierte sogar ein kleines grünes Häkchen. Ihr Neujahrsvorsatz-Game ist anscheinend ziemlich strong.

Dann fragte sie mich: „Und, was hast du dir vorgenommen?“ Zwar hatte ich schon die üblichen Antworten parat. „Mehr Me-Time, mehr reisen, weniger Alkohol trinken, gesünder essen“, fiel mir spontan ein. Aber irgendwie brachte ich den ewig gleichen Blödsinn einfach nicht mehr heraus und sagte: „Gar nichts. Absolut nichts.“ Ich merkte die Enttäuschung in ihrem Blick und fügte schnell hinzu: „Vielleicht sollte ich mir 2022 vornehmen, nicht mehr so viel zu grübeln.“ „Oh, ja. Das solltest du wirklich. Das ist eine gute Idee“, sagte meine Freundin begeistert.

Und dann dachte ich nach. Warum habe ich das gesagt? Nur damit sie weiß, dass auch ich ein funktionierender Mensch bin, der sich Ziele stecken kann? Dabei habe ich genug Ziele, die definiere ich aber im Laufe der Zeit und nicht nur einmal im Jahr, kurz bevor ich mich zu Silvester mit Sekt betrinke und am 1. Jänner nach Hause stolpere. Und warum müssen viele dieser Vorsätze immer etwas mit einem selbst zu tun haben? Ich werde mich 2022 ja nicht magisch verändern. Das möchte ich auch nicht. Das Grübeln ist ein Teil meiner Persönlichkeit.

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Ich nehme mir nichts mehr vor, zumindest nicht im Dezember

Nach dem Erlebnis mit dem Vorsätze-Ordner meiner Freundin, überlegte ich, ob ich mir Ziele setzen sollte, die überhaupt nichts mit mir zu tun haben. Einen gewissen Betrag an eine wichtige Organisation spenden, vielleicht. Wobei es da ja auch oft nur darum geht, mein eigenes Gewissen zu beruhigen, vor allem wenn ich es mir einfach nur vornehme, damit ich im Jahr eine selbstlose gute Tat auf meiner Liste abhaken kann. Friends-Fans wissen außerdem: Es gibt keine selbstlose gute Tat.

Wie ich so überlegte, wurde mir klar, was für ein absoluter Schas Vorsätze sind, die wir uns im Dezember setzen, um sie das ganze nächste Jahr abzuarbeiten. Wir müssen so oder so konstant an uns arbeiten und uns weiterentwickeln. Gerade die Pandemie hat gezeigt, wie unvorhersehbar die Hürden sein können, die wir überwinden müssen. Da möchte ich mir selbst nicht auch noch zusätzlich Stress machen, indem ich mir etwas vornehme, was ich nicht halten werde. Damit ich dann nächstes Jahr total enttäuscht bin und mich an die nächste Liste setze. Nein, danke.

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