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Staffel 1 von „Squid Game“ war ein riesiger Hit, aber eine zweite Staffel ist trotzdem total unnötig

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Von: Mika Engelhardt

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Bildmontage: Ausschnitt aus der Serie „Squid Game“
Staffel Eins war super, aber eine zweite Staffel von Squid Game? Wie soll die aussehen? © Noh Juhan/Netflix

Squid Game war für Netflix ein beispielloser Erfolg und wurde weltweit gefeiert. Eine zweite Staffel soll kommen, aber kann das Phänomen wirklich wiederholt werden?

Um „Squid Game“ ist wohl kaum jemand in letzten Jahr herumgekommen. Selbst meine Eltern können mit dem Namen mittlerweile etwas anfangen. Der Streaming-Gigant Netflix freute sich auf jeden Fall. Einer vergleichweise kleinen Investition von 21 Millionen US-Dollar stehen 1,65 Milliarden geschaute Minuten innerhalb des ersten Monats nach der Veröffentlichung gegenüber. Innerhalb weniger Wochen wurde die Serie zum erfolgreichsten Netflix-Original aller Zeiten.

Und das zurecht. Ich habe „Squid Game“ an nur einem Tag durchgesuchtet und muss gestehen: Die Serie ist echt super! Die letzte Folge verliert zwar einiges an Energie, aber die Serie hat eine kreative Idee, tollte Schauspieler:innen und Schauwerte und hält durchgehend die Spannung. Aber das hier soll keine Kritik werden, sondern ein dringlicher Aufruf an Netflix und die Kreativen hinter der Serie: Bitte macht keine zweite Staffel!

Aus Fehlern lernen

Erinnert ihr euch noch an „Tote Mädchen lügen nicht“? Es ist gar nicht so lange her. Wie „Squid Game“ handelte es sich dabei um eine immens populäre und kontroverse Netflix-Serie. Bei „Squid Game“ fürchteten Eltern und Schulen eine Verrohung von Kindern, bei „Tote Mädchen lügen nicht“ gab es Vorwürfe, die Serie romantisiere Selbstmord. Die Kontroversen standen den Erfolgszügen der Serien allerdings nicht im Wege - wenn überhaupt brachten sie wahrscheinlich die Menschen dazu, noch eher auf den Play-Knopf zu drücken. „Tote Mädchen lügen nicht“ basierte auf einem Buch, das mit der Geschichte der ersten Staffel auch ganz abgehandelt war. Aber dann kam der Erfolg. Und so entschied Netflix sich für die Verlängerung.

Die war eine einzige Enttäuschung. Fans und Kritiker:innen zerrissen die zweite Staffel, bei der dritten bin dann auch ich ausgestiegen. Das Ansehen von „Tote Mädchen lügen nicht“ hatte deutlich gelitten. Die erste Staffel wurde noch für Golden Globes nominiert, nach den anderen krähte kein Hahn mehr. Und jetzt seien wir mal ähnlich: Wenn man das Ende von „Squid Game“ Staffel 1 sieht, kann man sich kaum vorstellen, wie die zweite Staffel der Geschichte noch etwas Nennenswertes hinzufügen sollte. Man kann also nur hoffen, dass Netflix nicht den Tote Mädchen-Fehler macht und so nicht das Vermächtnis von „Squid Game“ gefährdet.

Was soll noch kommen?

Erinnern wir uns für einen Moment an das Ende von „Squid Game“ Staffel 1. Spoiler Alert für die, die es noch nicht gesehen haben (aber seien wir mal ehrlich: Alle haben es gesehen). Der Protagonist Seong Gi-hun überlebt als einziger Teilnehmer die tödlichen Spiele und kehrt in seine Heimat zurück. Von Traumata und Schuldgefühlen geplagt, gibt er die Hälfte seines Preisgeldes an die Mutter seines Konkurrenten Cho Sang-woo und lernt nach und nach mehr über die Organisation, die die Spiele veranstaltet. Dann lässt er sich aus irgendeinem Grund die Haare rot färben und entschließt sich im letzten Moment, etwas gegen die Organisation zu unternehmen. So weit, so Standard. Dieses Szenario haben wir schon in Filmen und Serien a la Die Tribute von Panem bis hin zu Resident Evil gesehen.

Allerdings bietet sich Seong Gi-hun so überhaupt nicht als neue Katniss Everdeen an. Tatsächlich war er von Anfang an eine der langweiligeren Figuren von „Squid Game“, der meist überfordert in der Ecke saß und sich nur in letzter Sekunde (und mithilfe anderer) retten konnte. Da er aber die einzige überlebende Person ist, ist es nur schwer vorstellbar, wie er es ohne Hilfe mit einer so mächtigen Organisation aufnehmen kann. Alleine der Gedanke strapaziert meinen guten Willen für die Serie deutlich. Dass wir keinen anderen Fanliebling zurückbekommen können, macht es nicht besser, schließlich sind fast alle tot.

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Folgen wir also über den größten Teil der zweiten Staffel einer neuen Gruppe von Teilnehmer:innen in den Spielen? Sind es dieselben Spiele oder gibt es neue? All das wäre sicherlich unterhaltsam, aber wirklich aufregend wäre es nicht. Der Reiz von Staffel 1 war, herauszufinden, welches Kinderspiel als Nächstes kommt, dieses Gefühl könnte eine bloße Wiederholung einfach nicht wieder heraufbeschwören.

Aber ganz kann „Squid Game“ sich von diesem Konzept ja auch nicht lösen - schließlich ist das der Grund, warum Menschen die Serie einschalten. Und eine neue Variante von „Wir kämpfen gegen das böse System“ würde die DNA von „Squid Game“ vollkommen verändern und die subtileren Kommentare der Serie zerstören. Vielleicht wäre Seong Gi-hun also besser ins Flugzeug gestiegen und hätte ein einigermaßen glückliches Leben mit seiner Tochter verbracht. Aber nein, da musste auf Teufel komm raus noch ein Cliffhanger hin.

Keine Ideen

Auch der Serienschöpfer Hwang Dong-hyuk selbst scheint nicht unbedingt von der Idee einer zweiten „Squid Game“-Staffel begeistert zu sein. Einerseits hätte er wahrscheinlich sonst schon längst den Vertrag unterschieben, andererseits macht er in Interviews keinen Hehl daraus, wie anstrengend die Produktion der ersten Staffel für ihn war. Das Schreiben der Drehbücher dauerte Jahre und er hatte Probleme, immer wieder neue Ideen für die Geschichte zu finden. Auch das Einbauen des Cliffhangers war eher dem Seriengeschäft geschuldet als einem kreativen Impuls.

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Also ganz ehrlich, wenn die Kreativen schon diese Haltung an den Tag legen, sollten bei allen Verantwortlichen die Alarmglocken klingeln. Da bringe ich auch gerne wieder „Tote Mädchen lügen nicht“ ins Spiel. Wollen wir wirklich auf Biegen und Brechen etwas weiterführen, weil es populär ist? Hat „Tiger King“ davon profitiert? Wenn keine Geschichte, keine kreativen Gedanken mehr da sind und die Glaubwürdigkeit der Story sowieso schon strapaziert ist, sollte man eine gute Serie als solche belassen.

Kann sich ein Phänomen wiederholen?

Zuletzt möchte ich noch kurz anbringen, dass eine zweite Staffel wahrscheinlich auch Netflix nur noch enttäuschen kann. Der Erfolg von „Squid Game“ ist beispiellos. Die Zahlen sind beeindruckend, so beeindruckend, dass sie kaum noch getoppt werden können. Ebenso sieht es beim Echo in den Sozialen Medien aus. Die Menschen haben die Spiele nachgespielt, waren an Halloween als ihre Lieblingscharaktere verkleidet. Auch die soziale Botschaft der Serie rund um den Kampf zwischen Arm und Reich fand großen Anklang bei den Menschen weltweit. „Squid Game“ war, einfach gesagt, ein perfekter Hit. Natürlich wären die Erwartungen an eine Fortsetzung enorm. Und so ein großer Hype kann doch eigentlich nur in Enttäuschung enden.

Lasst es enden!

Am Ende kann ich also nur wiederholen, dass ich eine zweite Staffel von „Squid Game“ für ziemlich unnötig halte. Die erste Staffel war etwas ganz Besonderes und ich glaube nicht, dass sich das wiederholen lässt. Viel mehr ist die Geschichte für mich zu Ende und ich habe echt Angst, dass die spannende Geschichte durch eine Fortsetzung zerstört und lächerlich gemacht wird. „Squid Game“ wird ein Teil der Popkultur bleiben, auch ohne eine direkte Fortsetzung. Und manchmal ist es doch wirklich schöner, wenn eine Marke nicht totgemolken, sondern in Würde beiseite gelegt wird.

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