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Wird in Sachen Demokratiepolitik endlich auch Jungen zugehört? Wien macht Annährungsversuche und das is super

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Von: Sophie Marie Unger

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Zwei Mädchen recherchieren am Laptop und Stadträtin Veronica Kaup-Hasler bei einer PK
Die Stadt Wien will Demokratie und Wissenschaft stärken - Stadträtin Veronica Kaup-Hasler stellt das Projekt vor. (Fotomontage) © Unsplash/APA Picturedesk/Georg Hochmuth

Die Stadt Wien möchte gegen Wissenschafts- und Demokratieskepsis vorgehen und ruft dafür zwei neue Förderschienen ins Leben. Junge Menschen sollen ihre Ideen und Projekte ab Mitte Februar einreichen. Wie genau das funktioniert und warum ich das so fein find, erfahrt ihr hier.

Die Corona-Pandemie, Politik-Affären und die Klimakrise führen zu Unruhen in der österreichischen Gesellschaft. Vertrauensverlust in politische Parteien und in demokratische Institutionen, Wissenschaftsskepsis und aufgeheizte Proteste mit verhärteten Fronten stehen an der Tagesordnung. Auf der Suche nach Lösungen, damit sich endlich wieder alle lieb haben, wurschteln die da oben irgendwie herum und sind so mit sich selbst beschäftigt, dass junge Menschen, die vielleicht wirklich was beitragen wollen, kaum zu Wort kommen. Jetzt will die Stadt Wien dagegen vorgehen und Projekte fördern, die vor allem durch Aufklärung und Kommunikation die Dinge wieder ins Gleichgewicht bringen. Im Fokus - und das find ich mega - stehen junge Zielgruppen.

Worum geht‘s genau?

Konkret handelt es sich um zwei verschiedene Förderprojekte. „Vom Wissen der Vielen - Wissenschaftsvermittlung in Wien“ zielt auf die Beseitigung der Wissenschaftsskepsis ab. Dabei sollen Wissensräume in möglichst vielen Bezirken geschaffen werden und nicht nur in Stadtteilen, wo an sich schon tendenziell mehr wissensaffine Menschen leben. Man könnte es auch niederschwellige wissenschaftliche Nahversorgung nennen. Gesucht werden Kommunikationsprojekte, die zum Mitmachen einladen und kritisches Denken anregen. Pro Projekt stehen 150.000 Euro in einem Zeitraum von 12 bis 18 Monaten zur Verfügung. Insgesamt investiert die Stadt Wien 1,1 Millionen Euro.

„Democracy in Progress“ hingegen möchte das Vertrauen in Demokratie und die zivilgesellschaftliche Partizipation stärken. Gefragt sind Projektvorhaben, die einerseits die bestehenden demokratischen Strukturen hinterfragen und darauf aufbauend Modelle zur Teilhabe forcieren. Dabei sollen Solidarität großgeschrieben und stabile demokratische Strukturen gebildet werden. Das hört sich ja schonmal nicht schlecht an. Pro Projekt gibt es ebenfalls 150.000 Euro, insgesamt stellt man 600.000 Euro zur Verfügung.

Warum wir das wahrnehmen sollten

Mit den Förderungen wolle man „schnell und unkompliziert jungen Teams ermöglichen, tätig zu werden“, sagte die Wiener Stadträtin für Kultur und Wissenschaft, Veronica Kaup-Hasler. Und das ist ja wirklich das beste dran: JUNGE TEAMS. Denn in den vergangenen Jahren hatte man irgendwie nicht unbedingt das Gefühl, als junger Mensch zum Mitreden und Mitdenken eingeladen worden zu sein - zumindest nicht von der Parteipolitik. Noch immer hört man hier Stimmen, die meinen, dass wir politikverdrossen sind. Doch das kann ich einfach nicht glauben. Ich glaube wir sind sehr politisch - Themen wie Gerechtigkeit, Klimaschutz und Menschenrechte bewegen uns.

Ich bin der Überzeugung, dass sich die politische Teilnahme einfach verschoben hat. Die Parteien scheinen sehr fern von uns. Frage ich meine Freund:innen, so weiß niemand so genau, welche Partei gewählt werden soll. Vielmehr suchen wir nach neuen Formen von politischen Engagement. Der leidenschaftliche Klima-Aktivismus ist dabei das beste Beispiel. Doch natürlich braucht es da eine Brücke zu den Handlungsträger:innen. Die Aufgabe der Parteien sollte es sein, uns zuzuhören und unsere Bedürfnisse in echte Sachpolitik auf Augenhöhe umzuwandeln. Dass das nicht von heut auf morgen geht, ist klar, denn die Generationenkluft ist groß - so sind nur elf der 183 Abgeordneten im Nationalrat derzeit unter 30. Politik wird daher logischerweise fast automatisch für die Babyboomer gemacht. Deshalb ist aktives Zuhören und das Vertrauen in junge Ideen (die im erstem Moment vielleicht crazy wirken) so wichtig.

Schön ist es, dass - zumindest auf Stadtregierungsbasis - nun Schnittstellen geschaffen werden. Mit den Förderungen werden junge Menschen endlich wieder einmal motiviert, ihren Senf dazuzugeben. Und das sollten wir auf jeden Fall wahrnehmen. Deine Ideen kannst du über www.wien.gv.at im Zuge eines Online-Antrags einreichen.

Was noch wünschenswert wäre

Wie schon oben angeklungen, wird das Vorhaben ja wieder einmal nur auf Stadtebene ausgeführt. Es wäre doch toll, wenn sich das ganze Land beteiligen könnte. Denn die besprochenen Defizite gibt es ja nicht nur in Wien. Es wäre daher wünschenswert, wenn andere Bundesländer nachziehen und ähnliche Projekte ins Leben rufen, damit nicht nur die Wiener:innen die Möglichkeit zur Mitsprache bekommen.

Zudem hoffe ich, dass sich die Stadt dabei nicht so patschert anstellt, wie sie dies in den vergangenen Wochen hinsichtlich der Klimabelange gemacht hat. Da dürfte vor allem in der Kommunikation nämlich wirklich einiges schief gelaufen sein. Vielleicht versucht die Stadt dadurch, ihr Image aufzubessern. Wenn das ganze jedoch in einem für alle sinnvollem Diskurs mündet, so kann man darüber hinwegsehen.

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