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Ich hasse Eislaufen und daran wird auch der Wiener Eistraum nie etwas ändern

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Von: Christian Kisler

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Montage: Wiener Eistraum vor dem Wiener Rathaus, Paar in Eislaufschuhen
Eislaufen ist auch am Wiener Eistraum nichts für unseren Autor. © Tobias Steinmaurer/APA-PictureDesk/Westend61/IMAGO/BuzzFeed Austria

Eislaufen ist schön, es ist romantisch, es ist gesund. Es ist nix für mich, wenn auch nicht aus diesen Gründen. Daran wird auch der größte Eistraum aller Zeiten nichts ändern.

Es gibt bestimmt Leute, die jemanden wie mich als Sportmuffel bezeichnen würden. Und es stimmt, ich besitze zwar ein Vintage Puch-Clubman-Fahrrad, bin aber aus Angst um mein Leben im Wiener Straßenverkehr schon ewig nicht mehr drauf gesessen. Außerdem ist mir derzeit zu kalt. Laufen gehe ich nicht gerne. Ich besitze zwar unzählige Paar Sneaker, aber keine, mit denen ich gerne durch die Gassen der Stadt rennen würde. Außerdem ist mir derzeit zu kalt. Und ich bin derzeit in keinem Fitnessstudio eingeschrieben, die Atmosphäre dort ist nichts für mich. Außerdem ist mir derzeit zu kalt ... Wait, das kann ich in dem Fall nicht geltend machen, richtig.

Immerhin: Ich spiele für meine Leben gerne, zwar schlecht, aber mit viel Hingabe Minigolf und werfe Darts. Wobei das natürlich eher Geschicklichkeitssportarten sind. Für Erstere ist derzeit das Wetter nicht wirklich geeignet, die Ausübung Letzterer geht wiederum in der Regel mit reichlich Biergenuss einher. Abgesehen davon bin ich laut jemandem, auf dessen Urteil auch du etwas geben würdest, „für einen Wiener ein tadelloser Skifahrer“. Tatsächlich bin ich schon die Streif runtergefahren, das ist ja nicht nichts. Aber auch schon länger her.

Wiener Eistraum wird immer größer

Womit wir bei den Wintersportarten wären, wozu ich das Eislaufen auf jeden Fall zählen würde, auch wenn es ebenso in Hallen ausgeübt werden kann. Unter viel und mächtigem Trara wird seit mehr als einem Vierteljahrhundert vor dem Wiener Rathaus der sogenannte Eistraum installiert. Jahr für Jahr immer größer, breiter, besser zieht er nicht die Eisläufer:innen aus der Bundeshauptstadt, sondern auch aus den umliegenden Bundesländern an. Und wenn nicht gerade eine Pandemie wütet, massenweise Tourist:innen.

Auch heuer wieder hat Bürgermeister Michael Ludwig den Wiener Eistraum feierlich eröffnet, auch heuer gab es wieder Neuerungen - und neue Corona-Regeln. „Auf allen allgemeinen Flächen und im Anstellbereich des Wiener Eistraums gilt eine FFP2-Maskenpflicht. Beim Eislaufen kann die Maske abgenommen werden“, heißt es offiziell. Und im Gegensatz zu mancher Schwurbler:innen-Demo wird auch ordentlich kontrolliert.

Ich KANN tatsächlich Eislaufen

Das Beleuchtungskonzept auf dem 9,500 Quadratmeter großen Areal ist gelungen, die neue Aussichtsplattform eine feine Sache, die Organisation funktioniert, einen gewissen Romantikfaktor kann man dem Wiener Eistraum auch nicht absprechen. Es gibt ausreichend und nicht einmal schlechte Verpflegung. Über die Musikauswahl am Eistraum kann man streiten, aber das kann man sowieso immer und überall.

All das ist okay und stört mich nicht im Geringsten, soll sein. Wenn andere eine Freude daran haben, freut mich das meinerseits. Nur selber möchte ich nicht Eislaufen, Schlittschuhlaufen, Skaten oder wie auch immer du es nennen willst. Das liegt nicht an meinem Unvermögen auf dem Eis. Ich KANN das tatsächlich. Ich bin nicht in der Lage, Pirouetten zu drehen und würde nicht auch nur eine Minute in einem Eishockeymatch überstehen. Aber: Ich kann Eislaufen. Ich mag es nur nicht besonders.

Kindheitstrauma Eislaufen?

Das liegt wohl an einer Begebenheit in meiner Kindheit. Nicht an der Erinnerung, als ich in der Oberstufe beim Wiener Eislaufverein Leihschlittschuhe anziehen musste, die noch von der Person, die davor darin steckte, nass waren. Eklig, aber als Teenager ist man so einiges in Umkleidekabinen gewöhnt, was späteren Hygienestandards heftig widerspricht.

Nein, da war ich wesentlich kleiner, eigentlich ein Kleinkind, ich muss so um die drei Jahre alte gewesen sein. Ich war mit meiner Mutter auf einem Eislaufplatz, auf welchem, das weiß ich nicht mehr. Was ich sehr wohl weiß, dass ich sehr unsicher auf dem Eis war, die Schuhe waren unbequem, vom Geländer am Rand des Platzes habe ich mich nicht weg getraut. Wenn doch, dann nur an der Hand meiner Mutter.

Böses Aua am Eislaufplatz

Dann ist schließlich passiert, was passieren musste: Ich habe meine ersten Fahrversuche gewagt, hab die Balance verloren und bin ungebremst auf meinen Hinterkopf geknallt. Das war schlimm genug, ich kann mich interessanterweise noch heute dunkel an den Schmerz von damals erinnern. Egal, Kinder fallen ständig hin, das gehört dazu. Was an der Situation wirklich übel war: Ein paar andere Kinder haben mich in meiner Pein und meinem Kummer ausgelacht. Und auch deren Mutter beutelte sich vor Lachen.

Rückblickend kann es natürlich sein, dass es urkomisch aussah und wie in einem dieser alten Cartoons, als es mich kleinen Steppke aushebelte und ich auf die Birne donnerte. Vielleicht haben sie auch über etwas anderes gelacht, vielleicht hatten sie einfach nur Spaß am Eislaufen. Trotzdem: Auch wenn ich es später gelernt und in Ansätzen sogar ganz spaßig fand, war ich immer froh, wenn ich runter vom Platz war.

Also: So toll können die Attraktionen am Wiener Eistraum nicht sein, sobald werde ich ihn nicht aufsuchen. Andererseits: Sag niemals nie. Bis 6. März ist Zeit.

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