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Putin den Tod zu wünschen, hilft ja auch nichts

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Von: Christian Kisler

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Eine Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine, bei der ein Schild mit der Aufschrift „Stop Putin“ hochgehalten wird.
Wladimir Putin sollen seine Taten nachgewiesen werden, dafür soll er gerade stehen. Tot nützt er wenig. © Christoph Hardt/Action Press/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Wladimir Putin, quasi Alleinherrscher über Russland, kann man spätestens seit dem von ihm angezettelten Krieg in der Ukraine viel an den Hals wünschen. Der Tod sollte es nicht sein. Meine 2Cents dazu.

Wladimir Putin ist, so wird spätestens seit dem von ihm angeordneten Angriffskrieg gegen die Ukraine berichtet, einer der reichsten Männer der Welt. Nur dass sein Vermögen halt nirgendwo ausgewiesen wird. Wer sich aber Paläste mit hunderten Zimmern bauen lassen kann, ist höchstwahrscheinlich nicht unbedingt arm wie die sprichwörtliche Kirchmaus.

Umso verwerflicher eigentlich, und das betrifft nicht nur Putin selbst, sondern Heerscharen von Oligarch:innen, wenn man bedenkt, unter welchen Bedingungen der Großteil der Menschen in Russland leben muss. Und dass die von der Europäischen Kommission bereits 2014 anlässlich der Krim-Einvernahme Russlands verhängten und aufgrund des ausgeweiteten Krieges in der Ukraine verschärften Sanktionen Putin selbst kaltlassen. Betroffen ist einmal mehr die Bevölkerung, auch vom Rückzug sogenannter westlicher Unternehmen und den Sperren Sozialer Medien.

Putin ist kein Sympathieträger

Putin ist alles andere als ein Sympathieträger. Das war er auch nie. Schon allein die Umstände, wie er als ehemaliger KGB-Agent, unbekannt und alles andere als charismatisch, zum Präsidenten Russlands wurde, waren fragwürdig. Geholfen hatte ihm, einem Schützling des von Skandalen und Krankheit gezeichneten Vorgängers Boris Jelzin, sein hartes Durchgreifen im Zweiten Tschetschenienkrieg. Der wurde 1999 von Putin eingeleitet, kurz vor Beginn seiner ersten Amtszeit. Tschetschenien strebte als autonome Republik die Unabhängigkeit von Russland an, was in Wladimir Putins von Großmannssucht geprägtem Weltbild keinen Platz hatte.

Ich weiß nicht, ob er damals schon wie heute von einem wie auch immer gearteten „Brudervolk“ sprach, ein Begriff, mit dem er auch die Menschen in der Ukraine bedachte. Auf jeden Fall durfte es nicht sein, dass Tschetschenien abtrünnig wurde. Es kam zu massiven Menschenrechtsverletzungen, die Hauptstadt Grosny wurde dem Erdboden gleich gemacht. Menschenleben zählten nichts. Trotzdem oder gerade deshalb schaffte es Putin, sich als Kriegsheld zu inszenieren. Mit den Kriegsverbrechen, die zweifelsohne begangen worden waren, konnte er nicht in Zusammenhang gebracht werden.

Kein Killerkommando gegen Putin in Sicht

Widerstand, Opposition und freie Presse wurden unter Putin ausgeschaltet, er selbst spricht von einer gelenkten Demokratie, de facto entsprechen die Begebenheiten in Russland jenen einer Diktatur. Sollte es jemals Bemühungen in einem inneren Kreis gegeben haben, Putin auszuschalten, so waren diese nicht von Erfolg gekrönt. Wahrscheinlich ist mittlerweile ein geheimes Killerkommando unterwegs, um den russischen Langzeitpräsidenten endgültig aus dem Weg zu räumen. Kleiner Scherz: So entstehen Verschwörungstheorien.

Wie auch immer, nicht erst seit Februar 2022, als sich auf Putins Geheiß der Krieg von ihrem Osten auf die ganze Ukraine ausweitete, wünschen ihm nicht wenige den Tod. Abgesehen davon, dass Gewalt nie die Lösung für irgendetwas sein kann: Selbst wenn Putin ein Bankel reißen würde, eines natürlichen Todes sterben würde, das von ihm errichtete System würde nicht von heute auf morgen zusammenbrechen. Sozial isoliert ist er ohnehin schon, befeuert zusätzlich durch seinen Verfolgungswahn.

Was ich ihm wünsche, ist nicht der Tod, auch nicht irgendeine heimtückische Krankheit, nicht einmal einen juckenden Ausschlag (obwohl ...). Was ich ihm wünsche: dass er für das von ihm und durch den von ihm aufgebauten Apparat verursachte Leid auf rechtlichem Wege zur Verantwortung gezogen wird. Die begangenen Verletzungen des Kriegsrechts in der Ukraine sollen voll und ganz auf seine Kappe gehen, dafür soll er verurteilt werden. Die historische Bedeutung, die er sich so sehr wünscht, ist ihm ohnehin schon gewiss. Allerdings nicht so, wie er sich das vorgestellt hat. Gesellschaftlich tot ist er ohnehin schon jetzt.

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