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Warum wir häufiger „Menschen mit Uterus“ anstatt „Frauen“ sagen sollten

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Von: Felicitas Breschendorf

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Eine Frau, die das Foto von einem orange-farbenen Uterus vor sich hält. Nicht nur Frauen besitzen einen.
Das orange-leuchtende Organ ist der Uterus. Nicht nur Frauen besitzen einen. © Panthermedia/ Imago/ Collage/ BuzzFeed News

MEINUNG

Der Verein profamilia twittert über „Menschen mit Uterus“ statt „Frauen“. Warum der Begriff oft falsch verstanden wird – und warum du ihn verwenden solltest.

Auf Twitter schreibt profamilia von „Menschen mit Uterus“ statt von „Frauen“. In den Kommentaren stören sich einige Userinnen an dem Begriff. Der Tenor: „Wir sind Frauen, keine Menschen mit Uterus“. Auf BuzzFeed News Deutschland kannst du den Begriff „Menschen mit Uterus“ auch häufiger lesen. Er bezeichnet alle Menschen, die einen Uterus besitzen. Dazu gehören Frauen, aber auch manche nicht-binäre, agender, inter, genderfluide oder trans*Personen.

Die Debatte über gendersensible Sprache ist nicht neu. Auf Twitter sprechen sich Nutzer:innen etwa offensiv gegenüber dem Gendern aus. Oft machen sich die Gender-Gegener:innen mit ihren Tweets aber ziemlich lächerlich.

Ein Tweet über Zyklus-Apps löst die Diskussion aus

Die Organisation profamila warnt auf Twitter vor Menstruatrions-Apps, die sensible Daten speichern. Aus demselben Grund hat eine Aktivistin dazu aufgefordert, die Zyklus-Apps vom Handy zu löschen. Profamilia verweist in ihrem Beitrag darauf, dass „Menschen mit Uterus“ bei Menstruations-App genauer hinsehen sollen. Wegen dieser Formulierung wird auf Twitter nun wild diskutiert. Einige weibliche Twitter-Userinnen fühlen sich angegriffen.

Userin @wifeofanagyp schreibt etwa, dass Frauen nicht auf ihre Körperteile „reduziert“ werden wollen:

Kritiker:innen sagen: Frauen werden auf ihre Körperteile reduziert

Wer das so sieht, versteht meiner Meinung nach allerdings etwas falsch. Er geht davon aus, dass der Begriff „Menschen mit Uterus“ synonym für „Frauen“ verwendet wird und empfindet es deshalb als diskriminierend, dass Frauen auf ihren Uterus reduziert werden. Statt als weiblich würden sie nur als Körperteil oder Körperfunktion angesehen. Auf diese Weise wird der Begriff häufig falsch verstanden. Dabei bezeichnet „Menschen mit Uterus“ eben nicht nur „Frauen“, sondern alle Personen, die eine Uterus haben.

Es ist falsch, dass „Mensch mit Uterus“ den Begriff der „Frau“ ersetzen soll. In einem Zusammenhang, in dem es nur um Frauen geht, wird weiterhin natürlich der Begriff „Frau“ genutzt.

Nicht nur Frauen haben einen Uterus, sondern auch nicht-binäre, agender, inter, genderfluide oder trans*Personen

Der Uterus ist ein Geschlechtsorgan. Es kann dafür zuständig sein, dass sich dort eine Eizelle einnistet und außerdem für die Menstruation sorgen. Nicht immer sind diese Funktionen intakt.

Die Mehrheit der Personen, die einen Uterus haben, sind Frauen. Das sind aber längst nicht alle. Biologisch ist es möglich, dass andere Personengruppen ebenfalls das Organ besitzen. Es gibt nicht-binäre, agender, intersexuelle, genderfluide, trans* Personen und Männer mit Uterus. Würde profamilia im Tweet nur von „Frauen“ sprechen, würden sie diese Personengruppen ausschließen. Folglich würde sich die Organisation diskriminierend verhalten. Wenn sie von „Menschen mit Uterus“ schreibt, bezieht sie alle Personen mit ein und übersieht niemanden.

Gendersensible Sprache würdigt Personen jeden Geschlechts

„Menschen mit Uterus“ ist ein gendersensibler Begriff. Gendersensibel sein bedeutet, Personen nicht aufgrund ihres Geschlechts zu diskriminieren. Dazu gehört auch, jede Person mit dem richtigen Pronomen anzusprechen. Für nonbinäre Personen gibt es in den USA das Pronomen „they“. Im Deutschen wird über Neopronomen noch diskutiert. Gendersensible Sprache ist gerecht. Sie versucht, alle Menschen gleichwertig anzusprechen. Deshalb ist es paradox, dass ihre Formulierung profamilia als „entmenschlichend“ oder „würdelos“ ausgelegt wird:

Als weniger entwürdigende Bezeichnung für Frauen nennt Twitter-Nutzerin @MissChocoSugar „girls“. Aus feministischer Perspektive ist gerade dieser Begriff erniedrigend. Frauen werden damit verniedlicht.

Menstruieren und schwanger werden können alle Menschen mit Uterus

Wann ist es wichtig, nicht nur von Frauen zu sprechen? Wer einen Uterus besitzt, gehört in der Regel zu den Menschen, die menstruieren. In einem Beitrag über Zyklus-Apps etwa ist es sinnvoll, über „Menschen mit Uterus“ zu sprechen. Dasselbe gilt für andere Nachrichten oder wissenschaftliche Texte über Menstruation. Außerdem können einige Personen mit Uterus ein Kind bekommen. Aus diesem Grund wäre es falsch, in einem Artikel über das Thema Geburt nur von Frauen zu sprechen. Von Abtreibungen sind beispielsweise auch trans*Männer betroffen.

Wichtige gesundheitliche Hinweise oder Tipps über Menstruation oder Schwangerschaft gelten nicht nur für Frauen – sondern für alle Menschen mit Uterus. Werden die entsprechenden Personen nicht adressiert, erhalten sie diese womöglich nicht. Das kann eine schlechtere gesundheitliche Versorgung zur Folge haben. Andersherum sind Informationen, die den Uterus betreffen, nicht relevant für Frauen, die keinen haben. Auf viele trans*Frauen trifft das beispielsweise nicht zu. Wenn man nur „Frauen“ schreibt, verhält man sich nicht nur ungenau, sondern auch diskriminierend. Man setzt voraus, dass jede Frauen einen Uterus besitzt.

Der Tweet von Profamilia ist ein positives Beispiel. Der Verein bietet Beratungen zu Sexualität, Schwangerschaft und Partnerschaft an. Es ist gesellschaftlich notwendig, dass die Organisation alle Menschen mit Uterus zu den Themen berät – und nicht nur Frauen.

Alternativen zu „Menschen mit Uterus“

Auf Twitter ärgern sich viele Nutzer:innen über die angeblich grobe oder unschöne Bezeichnung. Um über Menschen mit Uterus zu sprechen, gibt es je nach Thematik auch Alternativen:

Wenn es um Menstruation geht: Menstruierende Personen / Menstruierende

Achtung! Personen mit Gebärmutter solltest du nur dann verwenden, wenn es um Personen geht, die gebären können. trans*Frauen, intersexuelle Menschen und andere können einen Uterus haben, mit dem sie kein Kind bekommen können. In dem Zusammenhang ist es diskriminierend, von „Personen mit Gebärmutter“ zu sprechen.

Dasselbe gilt für gebärfähige Personen bei Themen zu Schwangerschaft und Geburt

Nur „Frauen“ zu schreiben diskriminiert trans*, inter und nonbinäre Personen

trans*, intersexuelle und nonbinäre Personen haben stark mit Diskriminierung zu kämpfen. Besonders im Netz nimmt die Hetze gegen queere Menschen zu. Wenn wir „Menschen mit Uterus“ schreiben, dann schließen wir diese Personen mit ein. Wir tragen dazu bei, dass sie weniger diskriminiert und gesellschaftlich akzeptierter werden. Es ist wichtig, dass Organisationen wie profamilia weiter offen gendersensibel schreiben. Selbst wenn daraufhin eine wütende Debatte entsteht, hat sie doch etwas Gutes: Die Menschen wurden sichtbar gemacht.

Zum Glück gibt es auf Twitter Widerstand gegenüber der Hetze. Mit TERF (Trans Exclusionary Radical Feminists) sind  Radikalfeministinnen gemeint, die sich gegen trans*Personen und ihre Rechte positionieren.

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