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Midterms in den USA: Warum diese 18-Jährigen wählen

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Midterms: Wähler:innen bei der Stimmabgabe in den USA
Viele junge Leute dürfen bei den Midterms das erste Mal wählen (Symbolbild). © Drew Angerer/AFP

Bei den Midterms 2022 wollen junge Wähler:innen ihre Stimme nutzen, um sich Gehör zu verschaffen.

Junge Frau schaut sich selbst im Spiegel an.
Berlyn Schelling will mit ihrer Stimme etwas verändern. © Berlyn Schelling

Die Angst vor einer möglichen Schießerei in der Schule ließ Berlyn Schelling nicht los, bis sie von einer öffentlichen Highschool auf eine Online-Schule wechselte. Jetzt hat sie ihren Abschluss gemacht, ist 18 Jahre alt und darf zum ersten Mal in ihrem Heimatstaat Montana wählen.

Die Teenagerin, die als Barista arbeitet, hat sich in der Vergangenheit durch ihre Teilnahme an Black Lives Matter und Pro-Choice Protesten, sowie durch Spenden an politische Organisationen Gehör verschafft. Aber jetzt freut sie sich darauf, bei den Midterms für Kandidat:innen zu stimmen, von denen sie glaubt, dass sie ihre Ansichten teilen.

In Virginia gingen vor Kurzem mutige trans* Schüler:innen auf die Straße, um für ihre Rechte zu kämpfen.

„Es ist schwer, sich auf den Rest des Tages zu konzentrieren, wenn man darüber nachdenken muss, wie jemand [in die Schule] kommen und mich und meine Klassenkameraden gerade jetzt töten kann“, sagte sie.

Abtreibung, LGBTQ-Rechte und Einwanderung: Vieles steht auf dem Spiel

Die Jugendlichen, die jetzt alt genug sind, um am 8. November zum ersten Mal zu wählen, waren gerade einmal zwölf Jahre alt, als Donald Trump 2016 Präsident wurde. Seitdem haben sie massive Proteste gegen Polizeibrutalität, die Aufhebung von Roe v. Wade, die Verfolgung von trans Jugendlichen durch Republikaner:innen und einen Aufstand im Kapitol erlebt. Jetzt sind sie endlich 18 Jahre alt und im Wählerverzeichnis eingetragen. Sie sehen den Zugang zu Abtreibungen, LGBTQ-Rechten und Einwanderung nicht nur als etwas, für das sie protestieren, sondern als Dinge, von denen ihr Leben abhängt.

Peyton Jackson, ein Highschool Schülerin in Illinois, die im Oktober 18 Jahre alt geworden ist, hat das Rennen um das Amt des Gouverneurs des Bundesstaates genau verfolgt. Der republikanische Kandidat Darren Bailey liegt hinter dem demokratischen Gouverneur J.B. Pritzker – aber nicht annähernd so weit, wie sie es sich wünschen würde. Jackson sagt, Bailey habe „abscheuliche“ Ansichten, wie seine Anti-Abtreibungshaltung, weshalb sie den Demokraten wählen will. Außerdem wird sie sich nur bei Colleges in demokratischen Staaten bewerben, da sie weiß, wie gefährdet ihre Rechte in einem Swing State sein können.

„Ich würde mich nicht unbedingt wohl oder sicher fühlen in einem Staat, in dem bestimmte Entscheidungen oder bestimmte Ideologien vertreten werden, mit denen ich mich nicht identifiziere und in vielen dieser Swing States wird es wirklich darauf ankommen, wie einige dieser Wahlen ausgehen“, meint sie.

Eine junge Schwarze Frau macht ein Selfie in einem Auto.
Peyton Jackson will verhindern, dass die Republikaner:innen an die Macht kommen. © Peyton Jackson

Erstwähler:innen stehen vor allem hinter demokratischen Politiker:innen

Alex Stevens, Student:in im ersten Semester an der Texas A&M University, geht bei den Midterms ebenfalls zum ersten Mal wählen. Das Rennen um das Gouverneursamt in Texas zwischen dem republikanischen Amtsinhaber Greg Abbott und Beto O‘Rourke verfolgte Alex bereits aufmerksam. Abbott hat sich in letzter Zeit für das Abtreibungsverbot im Bundesstaat eingesetzt, Einwanderer in sogenannte „Sanctuary Cities“ (in diesen Städten darf nicht nach dem Immigrantenstatus einer Person gefragt werden) in anderen Bundesstaaten geschickt und Ermittlungen gegen die Eltern von trans* Kindern wegen Kindesmisshandlung eingeleitet. Die Entscheidung, wem Alex die Stimme gibt, war nicht schwer.

Hier erklären wir, warum sich Eltern keine Sorgen machen müssen, wenn queere Themen in der Schule besprochen werden.

Eine junge Person mit dunkelroten, langen Haaren lächelt in die Kamera.
Alex Stevens fürchtet um ihre Rechte, deswegen bekommen die Demokraten Alex Stimme. © Alex Stevens

„Ich bin LGBT“, sagt Stevens. „Ich bin weiblich geboren. Ich bin hispanisch. Greg Abbott hat meine Interessen nicht im Sinn, und das weiß ich. Und es ist wirklich beängstigend, in einem Staat zu leben, in dem er sich nur um den finanziellen Gewinn von Texas und weißen Männern kümmert.“

Die Aufhebung des Urteils Roe v. Wade zwang Alex samt männlichem Partner, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Stevens entschied sich für die Pille – eine Entscheidung, die Alex nur ungern trifft. „Wir haben über Familienplanung gesprochen, aber ich bin 19 und gehe aufs College“, so Stevens. „Ich will in nächster Zeit keine Kinder bekommen, und deshalb ist es die sicherste Option bei dem, was gerade passiert.“

Jugendliche Wähler:innen wollen für ihre Rechte einstehen

Kellen Zeng, eine 18-jährige Studentin im ersten Jahr an der Fordham University in New York, findet das erste Mal wählen kompliziert.

Junge asiatische Frau posiert für ein Foto.
Kellen Zeng will wählen, auch wenn die Erfolgschancen gering sind. © Kellen Zeng

„Es ist ein Durcheinander an Gefühlen“, sagt sie. „Ich will aufgeregt sein, weil ich zum ersten Mal wählen darf und das bin ich auch, aber gleichzeitig wird man mit der Tatsache konfrontiert, dass es fast wie eine Illusion ist, eine Wahl zu haben, vor allem dort, wo ich in meinem Bezirk wohne.“

Sie lebt auf Staten Island, einem überwiegend republikanischen Bezirk, wo es kaum andere Leute gibt, die ihre Werte, wie Gerechtigkeit für PoCs (People of Colour), LGBTQ-Rechte und Abtreibungsrechte, vertreten. In ihrer Nachbarschaft kandidiert die republikanische Abgeordnete Nicole Malliotakis, die von Trump unterstützt wurde, für die Wiederwahl. Zeng wird Malliotakis nicht wählen. Die Republikanerin hat sich gegen ein Gesetz zum Schutz von trans Personen vor Diskriminierung ausgesprochen und die Sicherheit der Grenzen zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Kampagne gemacht. Aber ihre Plakate sind überall. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Malliotakis wiedergewählt wird.

Minderheiten leben schon jetzt in Angst

„Jedes Mal, wenn ich die Gartenschilder sehe, erinnert mich das daran, dass ich in dieser Gemeinschaft nicht willkommen bin, weil diese Kongressabgeordnete und die Dinge, für die sie steht, sehr gegen meine Identität gerichtet sind“, erzählt Zeng, die queer und asiatisch ist. „Überall, wo ich hinkomme, muss ich darauf achten, dass ich wegen meiner politischen Ansichten in einen Streit mit den Leuten um mich herum gerate und das ist bei einer ganzen Reihe von Themen der Fall.“

Zeng kann am Wahltag nicht den Unterricht verpassen, also plant sie, die 45 Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu einem Wahllokal zu fahren. Für die Wahl würde sich der Umweg lohnen.

„Diese Wahl ist von so viel Ungewissheit geprägt. Das ist sehr beunruhigend, weil einfach so viel auf dem Spiel steht.“

Autorin ist Paige Skinner. Der Artikel erschien am 01. November 2022 auf buzzfeednews.com. Aus dem Englischen übersetzt von Friederike Hilz.

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