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Black History Month in Österreich: Black Voices Volksbegehren zelebriert Schwarze Geschichte

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Von: Johannes Pressler

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Fotomontage von links Emmeraude Banda und rechts Noomi Anyanwu vom Black Voices Volksbegehren.
Emmeraude Banda (links) und Noomi Anyanwu vom Black Voices Volksbegehren. © Minitta Kandlbauer/BuzzFeed Austria

Der Februar und damit der Black History Month neigen sich dem Ende zu. Das Black Voices Volksbegehren widmete diesem besonderen Monat eine Kundgebung am Karlsplatz.

Der Pastor Martin Luther King, die Bürgerrechtlerin Rosa Parks, der Olympiasieger Tommie Smith. Diese drei Persönlichkeiten und noch viele mehr werden in den USA im Februar, dem Black History Month, geehrt und gefeiert. Damit sollen die historischen Beiträge der Afroamerikaner:innen, die sie für ihr Land geleistet haben, in den Vordergrund gestellt werden.

In Österreich ist der Black History Month jedoch noch nicht so weit verbreitet. Das Team des Black Voices Volksbegehren, dem ersten österreichischen Anti-Rassismus-Volksbegehren, versucht dem entgegenzutreten. Auf ihren Social-Media-Accounts wurde das gesamte Monat schon auf die Schwarze Geschichte in Österreich und den strukturellen Rassismus in diesem Land aufmerksam gemacht. Abschließend gab es am Sonntag (27. Februar) noch eine Kundgebung am Karlsplatz in Wien. Wir waren vor Ort und haben uns mit zwei Sprecher:innen des Volksbegehrens darüber unterhalten.

Black History Month in Österreich: „Extrem große Steigerung“

Noomi Anyanwu studiert Romanistik und Afrikawissenschaften in Wien. Für das Black Voices Volksbegehren setzt sie sich als Sprecherin ein. In Österreich würde für die 21-Jährige der Black History Month noch nicht präsent genug sein, es wäre aber schon besser, sagt uns Anyanwu im Interview: „Wenn wir uns ansehen, wie letztes Jahr über Black History geredet und medial berichtet wurde, ist es heuer auf jeden Fall eine extrem große Steigerung.“

Ebenfalls als Sprecher des Anti-Rassismus-Volksbegehrens fungiert Emmeraude Banda. Der 22-Jährige studiert Erneuerbare Energien an der Fachhochschule Technikum Wien. Für Banda ist der Black History Month ein wichtiges Mittel, um Vorurteile gegenüber der Schwarzen Community abzubauen. „Wenn man beginnt, Schwarze Geschichte zu feiern, dann ist man dazu fähig, Stereotype aufzubrechen, die sich mit der Geschichte entwickelt haben“, sagt Banda.

Kundgebung am Wiener Karlsplatz.
Noomi Anyanwu (links) und Emmeraude Banda auf der Black-History-Month-Kundgebung am Wiener Karlsplatz. © Minitta Kandlbauer

Schwarze Geschichte in Österreich: Angelo Soliman, das Paradebeispiel

In den Schulen würde für die Sprecher:innen des Black Voices Volksbegehren viel zu wenig über die Schwarze Geschichte Österreichs gelehrt werden. Dabei gäbe es einige historische Schwarze Persönlichkeiten, die einen immensen Beitrag für die österreichische Gesellschaft geleistet haben. Als Erstes fällt da Sprecherin Anyanwu gleich Angelo Soliman ein. Er kam als versklavte Person nach Österreich und spielte daraufhin in einigen Adelshäusern, darunter in Wien, eine bedeutsame Rolle. Soliman sprach mehrere Sprachen und galt sogar als brillanter Schachspieler.

Besonders prägend ist für Noomi Anyanwu jedoch, wie mit Angelo Soliman nach seinem Tod umgegangen wurde. Die Leiche Solimans wurde nämlich ausgestopft und im Naturhistorischen Museum Wien als halbnackter „Wilder“ ausgestellt. „Das offenbart sehr viel über die Schwarze Geschichte in Österreich“, sagt die Sprecherin des Volksbegehrens.

Für Emmeraude Banda sei das Schicksal von Soliman ein „Musterbeispiel, für das, was man in Österreich verändern muss“. Denn auf eine andere Art und Weise würde auch heute noch mit Schwarzen Menschen in Österreich so umgegangen werden. „Damit kann man auch reflektieren, was in der heutigen Zeit schiefläuft,“ sagt uns Banda im Interview.

20 Monate nach „Black Lives Matter“-Demo: Was davon geblieben ist

Gegründet wurde das Black Voices Volksbegehren nach den österreichweiten „Black Lives Matter“-Demonstrationen im Sommer 2020. Auslöser war die Ermordung des US-Amerikaners George Floyd durch die Polizei in Minneapolis. Damals demonstrierten in Wien rund 50.000 Menschen, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Am Sonntag bei der Black-History-Month-Kundgebung waren es laut Angaben des Black-Voices-Teams rund 50 Personen. Was ist von der Bewegung vor rund 20 Monaten also geblieben?

Für Noomi Anyanwu würden sich manche Entwicklungen sogar in die falsche Richtung bewegen, wie sie uns im Interview sagt: „Die aktuelle Bundesregierung tut eher was für anstatt gegen Rassismus.“ Dabei hebt sie vor allem die Aussage von Wirtschaftsministerin Margarte Schramböck (ÖVP) hervor, die den gesamten Kontinent Afrika als ein „Land“ bezeichnet hatte. „Das ist ja nicht nur ein geografischer Fehler, sondern hat rassistische Wurzeln“, sagt Anyanwu, mit der wir bereits nach der Blackfacing-Aussage von ÖVP-Generalsekretärin Laura Sachslehner gesprochen haben.

Gegen genau diese rassistischen Wurzeln und für die Rechte aller People of Color in Österreich setzt sich das Black Voices Volksbegehren ein. Damit sich der österreichische Nationalrat mit den Forderungen des Volksbegehrens auseinandersetzen muss, braucht es bis Anfang Mai 100.000 Unterschriften. Laut Angaben von Sprecherin Anyanwu stehe man derzeit bei 32.000.

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