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Blackfacing im Fitnessstudio: FITINN zeigt Red Bull-Video, in dem weiße Männer schwarz angemalt sind

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Von: Emily Erhold

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Bildmontage: Screenshot von einem Instagram-Post zu Blackfacing/Fassade einer Fitinn-Filiale
Symbolbild: Ein Video von Red Bull, in dem Blackfacing zu sehen ist, wird in einer FITINN-Filiale in Wien gezeigt. © Instagram-Screenshot „hass_ist_nicht_normal“/Jeff manfione/Kurier/APA-PictureDesk

Ein Video aus dem Jahr 2014, in dem Blackfacing zu sehen ist, wird in einem Wiener FITINN-Studio gezeigt. Darauf machte nun ein Instagram-Account aufmerksam.

Die Initiative „Hass ist nicht normal“ ruft dazu auf, das Video sofort aus den Studios zu entfernen.

Blackfacing-Video wird im FITINN-Studio in der Pilgramgasse gezeigt

Die Initiative berichtete am Wochenende auf ihrem Instagram-Kanal von einem Blackfacing-Fall im FITINN-Studio in der Wiener Pilgramgasse. FITINN ist ein österreichischer Fitnessstudio-Betreiber. Alleine in Österreich hat das Unternehmen 44 Standorte. Kund:innen ließen „Hass ist nicht normal“ Videos zukommen, auf denen ein Video zu sehen ist, das offenbar zumindest im Studio in der Pilgramgasse täglich abgespielt wird. „Das Video selbst ist von Red Bull und zeigt das „Soapbox“-Event, das 2014 in Bukarest stattgefunden hat“, schreibt die Initiative auf Instagram.

Der „Red Bull Soapbox Race“ fand am 14. September in der rumänischen Hauptstadt Bukarest statt. Bei dem Wettrennen traten 51 verkleidete Fahrer:innen in selbstgebastelten Seifenkisten gegeneinander an. Das Video, das in den FITINN-Studios weiterhin verbreitet wird, zeigt die Siegerehrung des Events. „Es zeigt das Gewinner-Team, das aus vier Mitgliedern besteht. Ein weißer Mann und 3 weiße Männer in Blackface. Am Ende des Videos hebt das Team seinen Award in die Luft, während die Menschen in Blackface so tun als würden sie den weißen Mann beißen/essen“, schreibt „Hass ist nicht normal“. Im Video, das der Initiative vorliegt und über ihre Bio aufrufbar ist, wird ebenfalls gezeigt, wie ein als Polizist verkleideter Mann seine Waffe gegen einen der Männer in Blackface richtet.

Aufruf zur Entfernung des Videos

Das problematische Video konnte bis Ende Jänner auch auf dem offiziellen YouTube-Kanal von Red Bull aufgerufen werden. „Hass ist nicht normal“ forderte Red Bull auf, das Video von seinem Channel zu nehmen und bat das Unternehmen um Stellungnahme. „Red Bull stellte das YouTube-Video zwischen 21.01.22 [das letzte Mal, dass wir es auf ihrem Kanal gesehen haben] und 24.01.22 [als wir es aufnehmen wollten] auf ‚privat‘. Wir wissen nicht, ob das mit dem Fall zusammenhängt, aber es fühlt sich nach einem komischen Zufall an“, schreibt die Initiative in ihrer Instagram-Story. Sie forderte auch FITINN auf, das Video aus seinen Studios zu entfernen. Follower:innen von „Hass ist nicht normal“ berichteten zudem, dass das Video auch in anderen FITINN-Studios in Österreich gezeigt wurde. „Es wurde uns auch mitgeteilt, dass das Video schon vor drei Jahren in den Studios gezeigt und von Kund:innen gemeldet wurde. Allerdings wurden von den Verantwortlichen keine Maßnahmen gesetzt“, sagt „Hass ist nicht normal“ gegenüber BuzzFeed Austria.

Das Black Voices Volksbegehren, das 2020 nach den „Black Lives Matter“-Demos in Österreich gegründet wurde, erklärte gegenüber BuzzFeed Austria:

Für uns ist ganz klar, dass nirgends Platz für Blackfacing ist - egal ob in der Kultur, beim Sport oder sonst wo. Beim aktuellen Fall ist es einerseits zu kritisieren, dass Fitinn als bekanntes Sportunternehmen dieses Videos in ihren Studios zeigt und andererseits ist es sehr problematisch, dass Red Bull als eines der größten österreichischen Unternehmen solche rassistischen Praktiken bei ihren Veranstaltungen durchführt. Das zeigt uns, dass wir beim Thema Rassismus noch viel zu tun haben in diesem Land.“

Noomi Anyanwu, Sprecherin Black Voices Volksbegehren

Das Black Voices Volksbegehren setzt sich für die Rechte aller People of Color ein. Ziel sind 100.000 Unterschriften. Die Ziele und Forderungen der Initiator:innen sollen in einem „Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus münden“.

Red Bull antwortete auf Anfrage von BuzzFeed Austria und versicherte, das Video entfernt zu haben. „Das ist völlig inakzeptabel. Wo immer wir sehen oder hören, dass solches Bildmaterial verwendet wird, werden wir alles tun, was wir können, um sicherzustellen, dass es entfernt wird“, heißt es vonseiten des Unternehmens. FITINN reagierte ebenfalls auf eine Anfrage von BuzzFeed Austria und nahm Stellung zu dem Vorfall. Das Unternehmen ließ das Video aus seinen Studios entfernen und entschuldigt sich bei seinen Mitgliedern:

FITINN wurde vom Team „Hass ist nicht normal“ darauf aufmerksam gemacht, dass es in den Ausspielungen des Kanals „FITINN TV“ eine bedenkliche Red Bull Soapbox-Race Szene aus  dem Jahr 2014 gibt. Besagtes Video zeigt inakzeptable Blackfacing Szenen und wurde umgehend der externen Redaktion der Inhalte des „FITINN TV“ gemeldet und sofort aus dem  Video-Pool entfernt. FITINN steht seit über 15 Jahren für Sportsgeist, Teamgeist und Diversität und möchte sich für den Vorfall bei allen Mitgliedern entschuldigen. Die dargestellten Szenen stehen in keinem Zusammenhang mit der Unternehmensphilosophie und haben nichts im Studiobetrieb zu suchen. FITINN lebt Diversität innerhalb des Teams, sowie tagtäglich in den Studios durch die Mitglieder. Die Studios dienen als sicherer Ort des respektvollen Miteinanders und Austausches. Das Unternehmen distanziert sich klar von Aussagen oder Inhalten, wie sie im Video  dargestellt wurden. Der Vertreiber der „FITINN TV“ Inhalte wurde zu strengeren Kontrollen  aufgefordert, damit Vorfälle wie dieser nicht mehr auftreten. „

FITINN Stellungnahme

Was ist Blackfacing und wieso ist es so problematisch?

Der Begriff „Blackfacing“ kommt ursprünglich aus den USA. Wörtlich übersetzt bedeutet er so viel wie „sich das Gesicht schwar färben“. Diese rassistische Methode hat ihren Ursprung in den sogenannten „Minstrel Shows, in denen sich weiße Menschen das Gesicht mit schwarzer Schuhpaste bemalten, um auf der Bühne einen Schwarzen Menschen abwertend zu karikieren. „Minstrel Shows“ waren im 18. und 19. Jahrhundert Musik- und Unterhaltungsveranstaltungen, bei denen weiße Menschen die Sprache und Kultur von Afroamerikaner:innen rassistisch darstellten.

Dass wir in Österreich beim Thema Rassismus wirklich noch viel zu tun haben, zeigt auch diese Aussage von ÖVP-Politikerin Laura Sachslehner.

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