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„Es war der schönste Tag seit langem“: Das Prater-Picknick für die Ukraine brachte Tausende zusammen

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Von: Sophie Marie Unger

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Mädchen mit ukrainischer und österreichischer Flagge.
Kaiserwiese frei fürs ukrainisch-österreichische Freundschafts-Picknick. © Facebook

Die Kaiserwiese im Prater zeigte wieder einmal, dass Zusammenhalten gar nicht so schwierig ist. Rund 3.000 Menschen versammelten sich dort zum Ukraine-Picknick.

Während der Pandemie erheiterte sie unser Gemüt beim seltenen Pläuschchen mit Freund:innen, im Sommer wird sie oftmals zum Spikeball-Feld umfunktioniert oder bietet Geburtstagspartys im Freien ein angemessenes Plätzchen: Die Kaiserwiese ist ja quasi DAS Synonym für Geselligkeit und Miteinander. Vergangenes Wochenende machte sie ihrem Namen alle Ehre: Rund 3.000 Menschen kamen beim Freundschafts-Picknick für die Ukraine zusammen. Auch ich war dort und das sind meine Eindrücke.

„Ich bin so dankbar, dass ich hier sein darf“

Es war wirklich herrliches Wetter und zugegebenermaßen hatte ich überhaupt keine Vorstellungen, was genau mich beim sogenannten Freundschafts-Picknick für die Ukraine, veranstaltet von der Volkshilfe Wien und radio 88.6, erwarten wird. Doch bereits die ersten Minuten zeigten, dass hier wirklich Solidarität gefeiert wird. Zahlreiche Menschen versammelten sich auf Decken oder standen gemütlich zusammen. Ich stellte mich dann einfach irgendwo dazu und wurde sofort herzlich ins Gespräch mit einbezogen. Die geflüchtete Ukrainerin Nadia wurde von Dolmetscher Yegor übersetzt. „Ich bin einfach so dankbar, hier sein zu dürfen“, sagte sie, während sie mir ein Stück selbstgebackenes ukrainisches Kalyta (Gebäck) anbot. Ihre Flucht begann am 15. März und zog sich über zwei Wochen. „Danach war ich wirklich am Ende, aber bei all der Herzlichkeit in Österreich habe ich wieder Kraft tanken können“, sagt die 44-jährige Krankenpflegerin.

Überall gab‘s freiwillige Helfer:innen

Zahlreiche Menschen waren freiwillig vor Ort und unterstützten bei der Ausgabe von Speisen und Getränken, betreuten die Kinderstationen inklusive Kinderschminken oder waren als Dolmetscher:innen im Einsatz. Ich selbst hab beim traditionellen Blumenbinden mitgemacht und mit einer ukrainischen Floristin über die derzeitige Situation gesprochen. „Meine Eltern leben noch immer im Bunker, da sie zu alt und schwach für eine Flucht sind“, erzählte mir die 35-Jährige. Sie selbst ist schon länger in Wien und arbeitet hier als Floristin. „Vor neun Jahren wurde ich hier extrem gut aufgenommen, heute versuche ich, meinen Landsleuten so gut es geht unter die Arme zu greifen“, berichtet sie weiter.

Auch Unternehmen spendeten brav

Auch Unternehmen meldeten sich für das Picknick an, um ihren Teil beizutragen. Die Full Metal Kitchen mit Andi Hufnagl und Fernsehkoch Oliver Hoffinger kochte 300 Portionen Gulasch, für Getränke sorgte die Brau Union, Gebäck gab es von Ströck und Partybrezeln, und auch Leberkas Pepi war mit von der Partie. Organisiert wurde das Ganze von der Volkshilfe Wien und der Hilfsorganisation YOUkraine, welche erst kürzlich von drei jungen Ukrainer:innen ins Leben gerufen wurde. „Menschen aus ganz Österreich sind in Wien zusammengekommen, um ihre Unterstützung zu zeigen und ukrainische Geflüchtete herzlich willkommen zu heißen. Gemeinsam konnten wir nicht nur ein großes Fest der Freundschaft feiern, sondern auch wichtige Spendengelder für ukrainische Geflüchtete sammeln“, freut sich Tanja Wehsely, Geschäftsführerin der Volkshilfe Wien.

Musik aus der Ukraine

Ukrainische und österreichische Live-Bands sorgten dabei für die musikalische Untermalung. Besonders berührend fand ich die ukrainische Hymne, die von einem Mädchen auf der Geige und einer ukrainischen Lautenzither (Bandura) vorgetragen wurde. Der Radiosender 88.6 übernahm die Moderation. Auch Artem war im Publikum und konnte seine Freude kaum in Worte fassen. „All die schwierigen unbestimmten Zeiten machen es für uns Ukrainer:innen wirklich nicht leicht, aber heute war der schönste Tag seit langem“, erzählt er. Nie im leben hätte er sich vorstellen können, in einem anderem Land als das seinige so herzlich willkommen zu sein. Auch ich fand es schön, diese geballte Ladung an Solidarität mitzuerleben - denn zwischen Alltag, Beruf und Pandemie ist es nicht immer leicht, Engagement aufzubringen. Es lohnt sich aber auf jeden Fall!

Wenn du weiterhin helfen willst, schau doch bei den Leuten von Train of Hope vorbei!

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