1. BuzzFeed.at
  2. News
  3. Flucht & Migration

Vom Besatzungskind zum Fußball-Torjäger: Helmut Köglberger war der erste Schwarze ÖFB-Spieler

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Johannes Pressler

Kommentare

Helmut Köglberger hält einen Schal von Lask Linz.
Helmut Köglberger, der erste Schwarze Fußballstar in Österreich, im Jahr 2017. © Albin Schuster/APA-PictureDesk

Warum Helmut Köglberger (1946-2018) einer der wichtigsten Fußballer in der Geschichte Österreichs war. Ein Porträt.

Der Februar gilt in den USA als Black History Month. Hier soll der historische Beitrag der Afroamerikane:rinnen, den sie für das Land geleistet haben, in den Vordergrund gestellt werden. Auf besondere Art und Weise zeigt sich das, wenn man, so wie ich, US-amerikanische Sportarten verfolgt. Mit eigenen Black-History-Month-Trikots und Special-Edition-Sneakers zollen zahlreiche Sportler:innen dem Pastor Martin Luther King, der Bürgerrechtlerin Rosa Parks oder dem Olympiasieger Tommie Smith ihren Respekt.

Black History Month in Österreich: Fehlanzeige

In Großbritannien wird der Black History Month im Oktober gefeiert. Im restlichen Europa, darunter auch Österreich, ist er jedoch nicht so weit verbreitet. So gut wie gar nicht wird über die Bedeutung einzelner Schwarzer Persönlichkeiten in der österreichischen Geschichte gesprochen. Zumindest im Sport gehört mit David Alaba ein Schwarzer Mann zu den mittlerweile bekanntesten Österreicher:innen überhaupt. Mit Valentino Lazaro und Karim Onisiwo gab es zudem noch zwei weitere Schwarze Kicker im Kader der österreichischen Herren-Nationalmanschaft bei der Europameisterschaft im letzten Jahr.

Da kam bei mir die Frage auf, wer denn eigentlich der erste Schwarze Nationalteamspieler in der Geschichte Österreichs war. Eine kurze Google-Suche spuckte folgenden Namen raus: Helmut Köglberger. „Noch nie gehört“, musste ich ehrlicherweise selbst als lebenslanger Sportfan zugeben. Daraufhin fragte ich zwei meiner besten Freunde, ebenfalls riesige Sportfans, ob ihnen Helmut Köglberger ein Begriff wäre. Beide hatten den Namen auch noch nie gehört. Grund genug für uns, die Karriere dieses einzigartigen österreichischen Sportlers etwas genauer anzusehen.

Helmut Köglberger: Vom Besatzungskind zum Fußball-Torjäger

Geboren 1946 im oberösterreichischen Sierning, einer Gemeinde nahe Steyr, wuchs Köglberger als Sohn eines afroamerikanischen Besatzungssoldaten und einer Österreicherin auf. Im Interview mit den „Salzburger Nachrichten“ sagte Köglberger, dass er seinen Vater nie kennengelernt hätte. Kein Name, nicht mal ein Foto. Die Kindheit mit seiner Mutter sei schwierig gewesen, deswegen verbrachte er die meiste Zeit bei seiner Großmutter und der Tante. Die Bauern seien von ihm aufgrund seiner Hautfarbe nicht begeistert gewesen, erzählte Köglberger im Interview mit der Tageszeitung „Der Standard“.

Schon seit seiner Jugend gehört das Fußballspielen zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Nach Stationen beim SV Sierning und den SK Amateuren Steyr wurde Köglberger im jungen Alter von 20 Jahren beim Linzer Athletik-Sport-Klub (LASK) zum Vollprofi. Schon in seiner ersten Saison feierte er 1964/1965 mit dem LASK den österreichischen Meistertitel, der erste für den Linzer Klub. Deshalb war es auch nur logisch, dass Köglberger nur kurze Zeit später ins Nationalteam einberufen werden würde.

Helmut Köglberger (rechts) im Zweikampf mit einem anderen Fußballer.
Helmut Köglberger (rechts) im Jahr 1965, als er noch für den LASK spielte. © Votava/Imagno/APA-PictureDesk

Kapitän der Nationalmannschaft und Vereinswechsel in die Hauptstadt

Im September 1965 gab Helmut Köglberger als erster Schwarzer überhaupt sein Debüt in der österreichischen Nationalmannschaft. Für die damalige Zeit ein Meilenstein. Denn etwa in der Bundesrepublik Deutschland sollte es noch bis 1974 dauern, bis mit Erwin Kostedde ein Schwarzer sein Debüt feiern würde. In vielen anderen europäischen Nationen sogar noch später. Bei Köglberger kam obendrein hinzu, dass er mehrere Male die österreichische Kapitänschleife trug. In insgesamt 28 Einsätzen im Nationalteam brachte er es auf sechs Tore.

Nach ein paar weiteren erfolgreichen Vereinsjahren wagte Köglberger 1968 den Sprung in die Hauptstadt zur Wiener Austria. Eine Entscheidung, die Köglberger nun endgültig zu einem Star machen würde. In 179 insätzen machte der Mittelstürmer laut dem Fußball-Portal „Transfermarkt“ beeindruckende 95 Tore. Bei der Austria folgten zudem zwei weitere Meistertitel und selbst nach seinem Wechsel zurück zum LASK in der Saison 1974/1975 wurde Köglberger nochmals Torschützenkönig der österreichischen Bundesliga. Die Leistungen des Oberösterreichers hinterließen Spuren. 2008 wurde Köglberger zum LASK-Spieler des Jahrhunderts ausgezeichnet.

Helmut Köglberger (links) im Zweikampf gegen einen deutschen Nationalteamspieler.
Helmut Köglberger (links) im Einsatz für die österreichische Nationalmannschaft im Jahr 1969 gegen die Bundesrepublik Deutschland. © Votava/Imagno/APA-PictureDesk

„Ich will etwas zurückgeben“

Noch bis 1981 lief Köglberger für den LASK auf. Die erste Phase nach seinem Karriereende war geprägt von einem Schicksalsschlag. Denn nur ein Jahr, nachdem er seine Fußballschuhe auf den Nagel hängte, musste ein gutartiger Tumor im Kopf entfernt werden. Trotz weiterer gesundheitlicher Probleme in den folgenden Jahrzehnten hatte der Oberösterreicher vor allem eine Herzensangelegenheit. „Ich will etwas zurückgeben“, sagte Köglberger im Interview mit „Der Standard“.

So fungierte Köglberger viele Jahre als Jugendtrainer und initiierte auch Projekte wie eine mit seinem Sohn gegründete Fußballakademie in den Slums von Nairobi. Denn für Köglberger sollte jeder Bub und jedes Mädchen die gleichen Chancen bekommen. Egal, ob sie ins Kreuzeck treffen würden oder nicht. Helmut Köglberger verstarb als Ehemann von Christine und Vater von drei Söhnen am 23. September 2018 im Alter von 72 Jahren. Neben seiner Familie hinterlässt er eine historische Fußballkarriere und einen Namen, den jeder österreichische Sportfan, ob jung oder alt, kennen sollte.

Auch interessant

Kommentare