1. BuzzFeed.at
  2. News
  3. Flucht & Migration

„Menschenunwürdig“: Ein Kärntner Asylquartier gerät stark in Kritik

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Johannes Pressler

Kommentare

Geflüchtete des Ukraine-Krieges an der ungarischen Grenze.
Seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges spitzt sich in Österreich die Lage in den Geflüchtetenlagern zu. © Attila Kisbenedek/AFP/APA-PictureDesk

Ein Asylquartier in Klagenfurt wird als „menschenunwürdig“ kritisiert. Wir haben bei der zuständigen Behörde nachgefragt.

Seit mehr als einer Woche herrscht nach der russischen Invasion Krieg in der Ukraine. Bislang sind mehr als 800.000 Menschen geflüchtet. Wir haben darüber bereits berichtet. Sieben Tage nach Kriegsbeginn sind nun auch in Österreich die ersten Geflüchteten aus der Ukraine angekommen. Rund 30 Personen sind es, die im neu eingerichteten Ankunftszentrum für Geflüchtete in einer Wiener Sporthalle im 2. Bezirk aufgenommen wurden.

Während im Nordosten Österreichs also bereits die ersten leidtragenden ukrainischen Menschen des Krieges betreut und versorgt werden, bereiten sich auch weitere österreichische Stätten auf die Ankunft ukrainischer Geflüchteter vor. Eines dieser Quartiere steht seit Mittwoch (2. März) jedoch stark in der Kritik: die Sirius-Halle in Klagenfurt. Die Lage soll „menschenunwürdig“ sein, kritisiert der Klagenfurter Vizebürgermeister Philipp Liesnig (SPÖ).

„Menschenunwürdiges“ Asylquartier: Kritik nimmt zu

Die Sirius-Halle ist eigentlich eine Lagerhalle, die bereits während der Geflüchtetenkrise 2015 als Großquartier für Schutzsuchende umfunktioniert wurde. Seit Jänner dieses Jahres ist es als Asylquartier nun wieder im Einsatz. Trotz der bald erwarteten Ankunft von weiteren Geflüchteten aus der Ukraine fordert Vizebürgermeister Liesnig: „Wir müssen dafür sorgen, dass sie eine würdevolle und humane Unterkunft bekommen. Die Sirius-Halle ist dafür definitiv nicht geeignet.“

Laut der dafür zuständigen Kärntner Landesrätin Sara Schaar (SPÖ) handle es sich bei der Sirius-Halle um ein reines Bundesquartier. Daher haben wir direkt beim österreichischen Innenministerium unter der Leitung von Gerhard Karner (ÖVP) nachgefragt, wie es mit dem Asylquartier in Klagenfurt weitergehen soll. Das Innenministerium wiederum leitete unsere Anfrage an die zuständige Fachabteilung, die Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen (BBU), weiter.

Die BBU betonte anfänglich, „dass die Unterbringung von Menschen in einer Halle nicht die erste Wahl“ sei. Man sei „bemüht, bestmögliche Betreuungs- und Unterbringungsmöglichkeiten zu erzielen“. Höchste Priorität habe für das BBU aber vor allem die „Verhinderung von Obdachlosigkeit“.

Asylquartier in Klagenfurter Lagerhalle: „Nicht dauerhaft geplant“

Auf die Frage, wie es mit der Beratungs- und Betreuungseinrichtung (BBE) weitergehen würde, gab das BBU gegenüber uns folgende Stellungnahme ab:

Die Reaktivierung der BBE Klagenfurt im Dezember 2021 ist der hohen österreichweiten Gesamtbelegung und der COVID-bedingten Notwendigkeit geschuldet, Abstandsregeln in allen Quartieren einhalten zu können. Hinzu kommt aktuell die Notwendigkeit, Unterbringungskapazitäten für Menschen aus der Ukraine zu schaffen. Der Betrieb der Halle als Betreuungseinrichtung für Asylwerber ist aber jedenfalls nicht dauerhaft geplant.

Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen (BBU)

Seit Ukraine-Krieg: Nicht erste Kritik an Geflüchtetenlagern

Seit die ukrainischen Menschen aufgrund des Krieges aus ihrer Heimat flüchten müssen, scheint sich die Situation in den österreichischen Betreuungseinrichtungen zuzuspitzen. Bereits wenige Tage zuvor sprachen wir mit einem Sozialbetreuer eines Geflüchtetenlagers in einem südlichen Bundesland über die derzeitige Lage. „Ich möchte nicht mehr ins Detail gehen, aber vieles ist wirklich menschenunwürdig“, sagte uns der Sozialbetreuer.

Um welches Geflüchtetenlager es sich hierbei genau handelt, können wir nicht sagen, da der Sozialbetreuer aufgrund einer Verschwiegenheitsklausel in seinem Dienstvertrag anonym bleiben wollte. Seit dem Ausbruch des Krieges würde sich jedoch auch sein Quartier im Ausnahmezustand befinden. Dienstpläne ändern sich ständig, Überstunden würden sich von selbst verstehen. Am schwierigsten sei jedoch, genügend Schlafplätze zu organisieren, wie uns der Sozialbetreuer sagte: „Es ist wie Tetris mit Menschen.“

Auch interessant

Kommentare