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Ein Geflüchteter aus dem Iran repariert Laptops und verschenkt sie an Schulen, um etwas zurückzugeben

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Von: Sophie Marie Unger

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Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Techline vor einem Laptop
Die Techline-Gründer Iman und Thomas haben das Projekt „Schenken Statt Wegwerfen“ ins Leben gerufen. © Instagram/Techline

Iman Molaie und Thomas Gaeta haben das Unternehmen Techline gegründet. Das reine Tagesgeschäft war ihnen schlichtweg zu wenig, deshalb riefen die beiden „Schenken statt Wegwerfen“ ins Leben. Was dahinter steckt, erfährst du in dieser Story.

Iman ist 28 Jahre alt und vor sieben Jahren aus dem Iran geflüchtet. In seiner Heimat war er lange als IT-Techniker tätig und damit auch sehr erfolgreich. Als er in Österreich ankam, war alles, was er sich bis dato aufgebaut hatte, plötzlich nicht mehr da. Im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen schenkte man Iman dann einen Laptop, einige Zeit später nahmen ihn Thomas und seine Familie bei sich Zuhause auf. Das war nicht nur der Beginn einer tollen Freundschaft und die Fortsetzung von Imans Berufung, sondern auch eine willkommene Möglichkeit, Danke zu sagen und die Welt ein Stück weit besser zu machen. Wir haben nachgefragt, warum das Projekt „Schenken statt Wegwerfen“ eine Herzensangelegenheit ist und wie es zustande kam.

Lieber Tom, du bist Head of Communications bei Techline. Zurzeit stellt ihr das Projekt „Schenken statt Wegwerfen“ auf die Beine, worum geht‘s genau und wie seid ihr dazu gekommen?

Alles fing damit an, dass ich Iman nach einigen Jahren wieder getroffen habe und wir eigentlich nur über Kryptowährungen quatschen wollten, doch dann hat er mir gesagt, dass er Hilfe bei seinem IT-Business braucht, um es größer aufzubauen und ich war sofort dabei. Nach und nach haben wir uns echt coole Sachen überlegt. Grundsätzlich bauen und reparieren wir Computer. Und auf Basis dessen haben wir uns aber überlegt, wie wir unsere Expertise nutzen können, damit sie auch der Welt etwas bringt. Wir wollten einfach nur Gutes tun. Iman hat so viel von Österreich bekommen und er wollte irgendetwas zurückgeben und seine Dankbarkeit ausdrücken. Er hat nämlich auch, als er in Traiskirchen war, einen Laptop geschenkt bekommen. Und da er im Iran bereits 15 Jahre als IT-Techniker tätig war und dieser Laptop im Grunde das Einzige war, was er nun hatte, war es nur logisch, wie es weitergeht. Und nachdem wir das reguläre Business aufgebaut hatten, kam „Schenken statt Wegwerfen“ ins Spiel. Wir haben uns da natürlich überlegt, wie wir das aufziehen wollen und dass das schon professionell ablaufen soll.

Und wie habt ihr das dann gemacht?

Wir haben uns an die Caritas gewendet und mal nachgefragt, wie wir das machen können. Wir wollten die Laptops ja nicht an random Leute verschenken, sondern an jene, die sie wirklich brauchen können. Die Initiative „Mutfluencer*innen“ der youngcaritas bot sich als geeignete Plattform an. Bei der geht es darum, dass junge Menschen dazu aufgerufen werden, sich Projekte zu überlegen, die den Bedürfnissen der jungen Generation entgegenkommen, welche eventuell auch durch Corona auf der Strecke geblieben sind. Da gibt es zum Beispiel manche, die in Schulen über Mental Health sprechen. Und unsere Idee hat mit „Schenken statt Wegwerfen“ im Sinne der Nachhaltigkeit sehr gut gepasst. Und so haben wir dann auch die Unterstützung der Caritas bekommen und so gab‘s auch eine erste Förderung vom Sozialministerium. Dann hat eines zum anderen geführt, wir haben angefangen, die Website aufzubauen, Interviews zu geben und so weiter.

Wie kommt ihr derzeit an die Geräte, die ihr repariert und verschenkt?

Zurzeit kommen Leute selbst auf uns zu - also vor allem Privatpersonen, die uns alte Geräte schenken. Die sammeln wir und da haben wir auch schon echt viel beisammen. Wir haben noch nicht mal die großen Firmen angesprochen - sprich: wenn wir kleine und mittelgroße Konzerne ansprechen, die dann alle paar Jahre ihre Geräte austauschen, dann wird das schon noch ein bisschen größer. Da kann man dann wirklich viel verändern.

An wen habt ihr die Geräte bislang verschenkt, wo gibt es besonders Bedarf dafür?

Über die Caritas haben wir den Anschluss zu Lerncafés gefunden. Dort bekommen finanziell benachteiligte Kinder kostenlose Nachhilfe und dorthin haben wir einige Geräte dann auch gespendet. Wir haben auf jeden Fall gemerkt, dass der Bedarf riesig ist. Da gibt es fünfköpfige Familien, die einfach nur ein Gerät zu Hause zur Verfügung haben. Mutter und Vater müssen zu Hause im Homeoffice sein und die Kinder sollen daheim lernen und alle müssen sich dieses eine Gerät teilen. Und da haben wir echt gewusst, da ist einfach so viel Unterstützung notwendig, weil jede:r sollte ja auch am digitalen Alltag teilhaben können.

In einer Pandemie ist es mutig, solche Projekte zu starten, warum genau jener Zeitpunkt?

Man glaubt immer, man gibt zurück, wenn man genug Geld hat, oder man fängt an Gutes zutun, wenn man schon irgendwer ist und dann kommt irgendwann Charity dran. Aber ich hab gewusst, wenn wir nicht sofort anfangen - parallel zu unserem Unternehmen - dann werden wir das immer aufschieben. Und deshalb war es uns wichtig, dass, egal wie zeitaufwendig das sein wird, wir das parallel aufziehen.

Gibt es ein langfristiges Ziel, wenn ja, wie verfolgt ihr das?

Unser Ziel wäre es, dass wir nicht nur die Laptops reparieren und verschenken, sondern, dass wir die Menschen auch digital und technisch weiterbilden. Und da sind junge Menschen ganz wichtig. Da haben wir jetzt auch schon die Möglichkeit bekommen, das in einer Schule zu forcieren. Wir waren da in einer Volksschule und dort haben wir über Technik geredet, um ein wenig die Angst vor der Technik nehmen. Damit die Schüler:innen sehen, was man damit machen kann und wie beispielsweise Technik von Innen aussieht. Und das haben die Kids wirklich gut aufgenommen. Am Anfang wollten viele bei der Polizei oder der Feuerwehr arbeiten und als wir am Schluss gefragt haben, wer denn gerne im Technikbereich arbeiten möchte, haben alle aufgezeigt und das war wirklich schön.

Mehr Mädchen für MINT-Berufe (technischen Berufe) zu begeistern, ist nun auch das Ziel der österreichischen Regierung, wie war deine Erfahrung in der Schule?

Voll gut! Die haben da voll mitgemacht. Wir haben am Anfang schon auch drauf geschaut, dass sich die Burschen nicht in den Vordergrund drängen, aber die Mädchen waren sofort total interessiert. Alle Mädchen haben am Ende ihre Hand gehoben als ich gefragt habe, ob es ihnen Spaß gemacht hat. Ich denke schon, dass man auf diese Weise ziemlich begeistern kann.

Wie kommt da der Aspekt der Nachhaltigkeit durch?

Wir holen aus jeder Phase das Optimum raus. Wir reparieren die Geräte, was an sich schon nachhaltig ist. Entscheidet sich jemand dann doch für einen neuen Laptop, dann nehmen wir den alten gerne als Spende entgegen, hauen ein neues Betriebssystem rauf und dann können wir diesem Laptop ein neues Leben schenken und gleichzeitig das Leben eines Menschen verbessern. Wenn der Laptop dann wirklich kaputt ist und nicht mehr gefixt werden kann, dann zerlegen wir ihn und nehmen die Teile in unsere Schulvorträge mit, wo wir sie herzeigen und dann auch an die Kinder verschenken.

Was steht als nächstes bei euch an?

Die nächste Gerätespende wird an ukrainische Geflüchtete gehen. Weil viele, die ihr Land verlassen, natürlich oft gar nichts mitgenommen haben und nun solche Geräte brauchen werden, um zu arbeiten, sich zu vernetzen und sich auch neu zu organisieren.

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