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Open Piano For Refugees: Öffentliche Klaviere werden zum erfolgreichen Integrationsinstrument

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Von: Sophie Marie Unger

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Spielende Personen auf einem Open Piano in Wien.
Die Open Pianos sind in ganz Österreich vorhanden, schau doch mal vorbei und spitz die Ohren. © Open Piano for Refugees

Heute ist Tag des Pianos. Dass Klaviere auch Instrumente der Integration sein können, zeigt das Projekt Open Piano For Refugees.

Wegen des Ukraine-Kriegs stehen Geflüchtete und ihre Geschichten zurzeit stark im Mittelpunkt. Zahlreiche Benefizveranstaltungen, Initiativen und Organisation helfen nicht nur direkt, sondern stärken auch den Zusammenhalt. Das ist gut und wichtig. Einige Projekte mit genau jener Absicht gab es aber bereits viel früher - so auch die Open Pianos For Refugees. Seit mehr als sechs Jahren versucht man durch frei zugängliche Klaviere, unterschiedliche Gesellschaftsschichten zusammenzubringen - mit riesigem Erfolg.

Was genau ist das Open Piano For Refugees?

Viele von euch kennen es vielleicht eh schon: Ein Flügel steht plötzlich mitten in einer Mall oder Fußgängerzone und jemand klimpert darauf herum. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war das nicht etwa irgendein Straßenmusizierender, sondern jemand, der Teil des „Open Piano For Refugees“-Projekts sein wollte. Also Teil einer Gemeinschaft, die auf Musik als Integrationsinstrument baut und sich dafür einsetzt, dass Geflüchtete am gesellschaftlichen Geschehen teilhaben können. Das Schöne daran ist, dass jede:r spielen und zuhören darf und hierfür die als oftmals als Blockade wahrgenommene Sprache überflüssig wird. Das Projekt soll den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.

Wer steckt hinter diesem Projekt?

Konzeptioniert und organisiert werden die Open Pianos For Refugees heute vom sozialen Musikinstitut „Doremi“. Das Projekt wurde 2016 geboren, als zunächst lediglich die „Piano School For Refugees“ existierte. Damals wollte man 20 geflüchteten Menschen die Möglichkeit bieten, kostenlos Klavier zu erlernen. Die Begeisterung der Schüler:innen war so groß, dass sie in der Öffentlichkeit auftreten wollten und damit immer öfter die Open Pianos bespielten. Aus dieser Freude und dem Drang, andere Menschen zu begeistern, ergab sich ein Kreislauf, sodass aus den Einnahmen der Open Pianos immer mehr Geflüchtete unterrichtet werden konnten.

2018 gründete man dann ein richtiges Musikinstitut. Mit „Doremi“ bietet man heute Paarunterricht für geflüchtete und sozial benachteiligte Menschen an. Nachhaltige Integration und Wertschätzung der kulturellen Diversität werden bei gemeinsamer Freude an der Musik durch ein innovatives „Zahl so viel du kannst“-Konzept gefördert. Geflüchtete und Migrant:innen sind mittlerweile teils selbst schon Lehrer:innen orientalischer Instrumente, sodass der Kreislauf noch weitergreift.

Musikvermittlung bringt das Können auf die Bühne

Um das Potenzial der Personen vollkommen auszuschöpfen, vermittelt „Doremi“ Talente auch weiter und organisiert entgeltliche Konzerte. Somit werden auch auf beruflicher Ebene Anreize für eine erfolgreiche Integration geschaffen. Einige der geflüchteten Künstler:innen schafften es übrigens sogar auf das Musikalbum „Feat. Respect“, welches von Universal Studios vertrieben und promotet wurde.

Open Pianos For Refugees gegen den Ukraine-Krieg

Natürlich setzten man auch ein musikalisches Zeichen gegen den Ukraine-Krieg. Bereits Mitte März stellten die Initiator:innen einen Flügel der Klaviergalerie am Wiener Stephansplatz auf. Gemeinsam wurde dann musiziert, gelauscht und so gegen den Krieg in der Ukraine demonstriert. Auch ukrainische Musiker:innen nahmen teil und gaben Einblicke in die Klänge ihres Landes. Die Open Pianos haben bislang rund 4.000 Euro an die Ukraine gespendet.

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