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Migrationsforscher Knaus zum Ukraine-Krieg: „Größte Flüchtlingskatastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg“

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Von: Johannes Pressler

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Screenshot von „ZIB 2“-Interview mit Migrationsforscher Gerald Knaus.
Migrationsforscher Gerald Knaus: „Muss uns auf Geflüchtete vorbereiten.“ © Screenshot ORF

Laut den Vereinten Nationen (UN) mussten seit Kriegsbeginn bereits drei Millionen Menschen aus der Ukraine flüchten. Nach einem Ende der steigenden Zahlen geflüchteter Menschen sieht es derzeit leider nicht aus.

Das besonders Tragische: Fast die Hälfte der bisher aus der Ukraine geflüchteten Menschen sind Kinder. Nach Österreich sind bis Dienstag (15. März) 129.000 Geflüchtete aus der Ukraine gekommen. Laut dem Innenministerium unter der Leitung von Gerhard Karner (ÖVP) reisen rund 85 Prozent davon weiter in andere Länder. Dazu war am Dienstagabend der österreichische Migrationsforscher Gerald Knaus zu Gast in der „ZIB 2“ und wendete sich mit deutlichen Worten an die verantwortlichen Regierungen.

Wöchentlich eine Million Ukraine-Geflüchtete, bis zu zehn Millionen möglich

Gerald Knaus ist Mitgründer und Vorsitzender des Think Tanks European Stability Initiative (ESI) mit Sitz in Berlin. Im „ZIB 2“-Interview mit ORF-Moderator Armin Wolf betonte der Migrationsforscher, wie groß die Herausforderung für ganz Europa werden könnte. Im Moment fliehen nämlich jede Woche eine Million Menschen aus der Ukraine in andere europäische Länder. Zum Vergleich: Bei der Geflüchtetenkrise 2015 kamen im ganzen Jahr eine Million Menschen über das Ägäische Meer in die Europäische Union (EU).

Laut Knaus sei Polen bereits jetzt vollkommen überfordert. Alleine in der Hauptstadt Warschau würden sich bereits 300.000 Ukraine-Geflüchtete befinden. Für Europa wäre es jetzt sehr wichtig, sich auf bis zu zehn Millionen Geflüchtete vorzubereiten, damit sie auch jene Versorgung und Betreuung bekommen, die sie verdienen. Der Migrationsforscher dazu mit einem ehrlichen Weckruf: Es könnte nämlich in den nächsten Monaten die weltweit größte Geflüchtetenkatastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg werden.

Ukrainische Nachbarländer schon überfordert, Migrationsforscher mit Zweckoptimismus

Neben dem benachbarten Polen hob Gerald Knaus auch das Moldau hervor. In dem kleinen Land mit einer Einwohner:innenzahl von 2,6 Millionen Menschen befinden sich ebenfalls rund 100.000 Geflüchtete aus der Ukraine. „Die Nachbarn der Ukraine können diese zusätzlichen Flüchtlinge nicht aufnehmen“, sagte der Migrationsforscher. Österreich gab dazu am Montag (14. März) schon bekannt, dass man 2000 Ukraine-Geflüchtete aus Moldau übernehmen werde. Das alleine wird aber nicht reichen, insgesamt müsse sich Österreich nämlich auf rund 200.000 Schutzsuchende Menschen aus der Ukraine vorbereiten.

Die Hilfsbereitschaft der europäischen Länder sehe Knaus aber durchaus als etwas Positives an. Von Portugal über Großbritannien bis zu Frankreich gäbe es viele Menschen in diesen Staaten, die helfen möchten. Es brauche jetzt die richtigen Maßnahmen. Da würde es jetzt auch keinen Sinn ergeben, pessimistisch zu sein, wie der Migrationsforscher im „ZIB 2“-Interview sagte:

Wir brauchen Zweckoptimismus, denn es bleibt uns nichts anderes übrig. Diese Menschen werden kommen und wir können es nicht akzeptieren, dass diese Frauen und Kinder, deren Männer, Brüder, Väter weiter für die Demokratie und den Staat in der Ukraine kämpfen, bei uns im Winter auf der Straße landen.

Migrationsforscher Gerald Knaus

Wie BuzzFeed Austria bereits darüber berichtet hat, will eine neue Jobplattform in Österreich den ukrainischen Menschen den Wiedereinstieg in die Berufswelt erleichtern. Ob diese dann auch richtig funktioniert, wird sich noch zeigen.

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