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„Zero Asshole Tolerance“: Die WiththeLove-Agency geht gegen Rassismus und Homophobie in Clubs vor

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Von: Sophie Marie Unger

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Logo von WiththeLove-Agency und Türsteher vor einem Club.
„WiththeLove-Agency“ möchte der Diskriminierung in Clubs ein Ende setzen. © Clemens Fabry/ Die Presse 

Sich im Club wie zuhause fühlen: Das ist das Ziel der WiththeLove-Agency, die mit achtsamer Türpolitik gegen Rassismus, Sexismus, Trans- und Homophobie in Clubs vorgehen will.

Es ist echt nicht selten passiert, dass ich in einen Club gekommen bin und nur wenige Minuten später aufgrund sexistischer Kommentare, Grapschereien oder einfach nur unguter Vibes schon wieder die Flucht ergriffen habe. Und damit bin ich nicht alleine, passieren tut das ja jeden Abend. Nach den überstandenen Lockdowns scheint sich die angestaute Energie sogar noch extremer zu entladen. Abbekommen tun es oft Minderheiten und Frauen. Dagegen und noch viel mehr will nun die WiththeLove-Agency vorgehen.

Wer steckt dahinter?

Gegründet wurde die WiththeLove-Agency vom 29-jährigen Cem-Cihan Aslan. Unterstützt wird er von der 25-jährigen Chiara Lee Halle und fünf weiteren Personen. Beide hatten seit Beginn eine klare Mission: „Mehr Liebe ins Nachtleben bringen.“ Seit Jahren ist für beide nämlich das Wiener Nachtleben eine wichtige Anlaufstelle. „Für mich ist die Techno-Szene einfach ein Safe Space“, sagt Chiara Halle im Interview mit der Tageszeitung „Die Presse“. Beide sind in Deutschland aufgewachsen. Aslan hatte trotz seines Migrationshintergrunds nie Probleme in Wien Fuß zu fassen. Neben seinem Job als Tech-Recruiter war er immer in der Wiener Clubszene aktiv. Doch seit der Pandemie stellen beide einen Wandel fest. Es sei „die Sensibilisierung für Themen, die für unsere Generation relevant ist“ verloren gegangen, so Halle.

Was genau wird dagegen getan?

Damit sich wirklich alle willkommen fühlen, wurde ein Konzept entwickelt, dass sich klar gegen Rassismus, Sexismus und Trans- und Homophobie richtet. Damit das aufgeht, ist von Personal-Recruitment über Door Policy, Trainings und Künstler:innenbetreuung alles dabei. Sensibilisierung soll somit auf mehreren Ebenen stattfinden und alle Bereich des Nachterlebnisses abdecken. Die Agentur versteht sich als Bindeglied, das zwischen Gästen, Personal und Künstler:innen Austausch und Akzeptanz schafft.

Beginnen wir also bei der Türpolitik. „Es ist nicht so, dass die Sicherheitsfirmen einen schlechten Job machen“, meint Halle. Aber für Sensibilisierung und Inklusion braucht es einfach Expertise. Deshalb sind Aslan und Halle selbst als „Selector:in und Host“ in Clubs tätig. An der Tür achtet er dann bspw. schon im Vorhinein auf sexistische, homophobe und rassistische Kommentare. Es kommt nicht selten vor, dass Türsteher:innen sogar gefragt werden, ob es drinnen schon hübsche Mädls gibt. Personen, die solche und ähnliche Kommentare schieben, werden mit konkreter Erklärung vom Eintritt ausgeschlossen. Als ehemaliger Lehrer weiß Aslan, dass Aufklärung wichtig ist. Die Besucher:innen können sich daher schon von Vornherein darauf verlassen, dass kein „Arschlochverhalten akzeptiert wird“, so Aslan.

Drinnen geht es dann mit dem Gästeaustausch weiter. Fällt in Gesprächen oder durch Beobachtung auf, dass sich jemand daneben benimmt, wird diese Person nach draußen begleitet. In der Pratersauna gibt es für Frauen ein zusätzliches Angebot, dass vor Belästigung schützen soll. Fühlt man sich bedrängt, kann man sich an der Bar einen sogenannten „Angle Shot“ bestellen. Mit diesem Codewort wird den Besucher:innen sicher ein Taxi nachhause bestellt. Neben der Pratersauna sind die beiden derzeit auch im neuen Draussen-Club, im Black Market, im RRR und im Lokal Weberknecht unterwegs.

Wie hat alles begonnen?

Aslan war es, der nach einem Erlebnis an der Tür eines Clubs einfach Veränderung herbeiführen wollte. „Es hat angefangen in einer verregneten Nacht vor einem Technolokal, nach einer Schicht an der Tür. Eine Gästin hat kein Uber bekommen, kein Taxi bekommen, ihre Freunde haben sie einfach zurückgelassen und dann hat sie auch noch von einem betrunkenen Typen unangenehme Sprüche bekommen. „Da wollte ich einfach nicht mehr in der Nacht arbeiten“, erzählt Aslan gegenüber BuzzFeed Austria. Einige Monate später gründete er dann die WiththeLove-Agency, um genau jene Vorfälle nachhaltig zu bekämpfen. Die Pandemie hätte es jungen Generationen nicht möglich gemacht, das Feiern richtig zu erlernen. „Deswegen ist die Arbeit an der Tür mit den Gästen um so wichtiger“, hält Aslan fest.

Wie die Clubs selbst mit der Eröffnung nach zahlreichen Lockdowns umgingen, erfährst du hier.

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