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„Der Mehrheit in Österreich ist das ziemlich egal“: Black Community bemerkt Rassismus-Wurschtigkeit

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Von: Sophie Marie Unger

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Wiener Tranzgruppe Gold Caviar Crew bei Sars-Protesten und bei einem Fotoshoot.
Die Gold Caviar Crew setzt sich als Tanzgruppe und individuell für viele Projekte ein. © Instagram

Die Gold Caviar Crew ist eine schwarze Frauen-Tanzgruppe aus Wien. Mit ihren Dance-Performances möchten sie oft Zeichen setzen, die in Österreich aber nicht immer gesehen werden.

Jessica, Lolu, Louzy, und Chichi kennen sich schon ewig. Sie sind in Wien geboren und aufgewachsen. Seit 2017 tanzen sie gemeinsam in der Gold Caviar-Dancecrew (GCC). In ihren Classes bringen sie Menschen zusammen, um ihnen durch Afrostyles ein Stück ihrer Kultur näherzubringen. Oft haben ihre Performances aber auch eine Geschichte, die Menschen motivieren soll, selbst Handlungen zu setzen. Denn „Österreich ist ein Land, in dem immer noch so viel Rassismus besteht und wo Afrikaner:innen immer noch als Aliens betrachtet werden“, hält Chichi fest.

Die Gold Caviar Crew und ihre Projekte

Individuell und als Gruppe setzen sich die Frauen für Themen ein, die in Österreich oft zu kurz kommen und bieten trotz Fulltime-Jobs Hilfe an, wo es möglich ist. Durch ein virales Video vom Muttertag 2019 haben sie sich auch auf Instagram eine riesige Community geschaffen. „Es ist immer leicht, was zu posten oder was zu sharen, aber wir schauen schon auch, dass ein bisschen mehr getan wird als nur das“, erzählt Lolu. Jessica bspw. betreut zurzeit nigerianische Student:innen, die aus der Ukraine flüchten. Zudem beteiligten sie sich an der Initiative „Dancers against war“, wobei über tausend Euro an UNICEF und Safe the Children gespendet wurden. Vergangenen Sommer haben GCC im Zuge des Black Voices Volksbegehren eine Performance auf die Beine gestellt und beteiligen sich immer wieder an Protestaktionen der „EndSARS“-Bewegung, welche gegen Polizeigewalt in Nigeria ankämpft.

In Österreich herrscht Verdrossenheit

Neben den zahlreichen Projekten ist es ihnen aber schon wichtig, auf aktuelle Vorkommnisse zu reagieren. Dass sich viele Menschen in Österreich außerhalb der Community damit beschäftigen, bezweifeln sie jedoch. Ein konkretes Beispiel wäre da die Debatte um das Logo des heimischen „Mohrenbräu“-Biers. „Ich hab das Gefühl, dass dieses Thema vielen Leuten in Österreich nicht wichtig ist, ich denke sogar, dass das der Mehrheit in Österreich das ziemlich egal ist - es ist nicht so, dass solche Themen hier in Österreich große Wellen schlagen“, sagt etwa Louzy. Warum das so ist, führt GCC auf die starren Traditionen zurück.

Warum gibt es in Österreich noch so viel Rassismus?

In Österreich hänge man ziemlich an der Tradition und verteidige die auch „irrsinnig“, so Louzy. „Man hält sehr fest an gewissen Traditionen, ohne zu verstehen, was es für andere bedeutet - da gibt es ja tausende Beispiele neben Mohrenbräu, wie wir von bekannten Nachspeisen oder von Apotheken wissen“, sagt Lolu. Doch auch wenn es nicht gerade super schnell vorangeht, verorten die Frauen Veränderungen. „Es gibt auch Beispiele, wo man sieht, dass Druck schon etwas ändern kann und etwas weitergeht. Julius Meindl war ja auch so ein Thema. Die sind ewig an ihrem Logo gehangen und haben dann doch ein großes Rebranding gemacht“, so Lolu.

Was kann man dagegen tun?

Grundsätzlich ist bei all diesen Themen wichtig, dass man einfach dran bleibt. Denn egal, um was es sich konkret handelt, Tradition aufzubrechen dauert und da muss man auch geduldig bleiben. „Man sieht schon, dass Menschen etwas bewirken können, dass wenn man da einfach dran festhält und das weiter thematisiert doch etwas geht. Dauert manchmal vielleicht etwas lange, aber ich glaube nicht, dass die Mühen vergeben sind.“

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