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„Wer das Auto nicht vollgetankt hatte, kommt nicht raus“: Ein österreichischer Pfarrer hilft in der Ukraine

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Von: Johannes Pressler

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Fotomontage von links einem brennenden Haus in der Ukraine, rechts der Pfarrer Günther Kroiss.
In der Ukraine herrscht Krieg. Pfarrer Günther Kroiss erzählt uns von seinen Erfahrungen in der Ukraine. © Aris Messinis/AFP/APA-PictureDesk/Caritas Burgenland/BuzzFeed Austria

Seit Jahren koordiniert Pfarrer Günther Kroiss für den Mattersburger Verein 2getthere gemeinsam mit der Caritas ein Hilfsprojekt in der Ukraine, um vom Krieg betroffenen Kindern eine Stabilität zu geben. Im Interview erzählt er von seinen Erfahrungen in der Ukraine und wie es den Menschen dort gerade geht.

Herr Pfarrer, erst vor rund einem Monat waren Sie in der Ukraine. Bereits zu dieser Zeit habe dort eine sehr angespannte Stimmung geherrscht. Was war Ihre Reaktion, als am Donnerstag (24. Februar) in der Früh bekannt wurde, dass Russland die Ukraine angreifen würde?

Basierend auf den Informationen, die ich von den Caritas-Verantwortlichen in Uschhorod im Westen der Ukraine erhalten habe, war damit schon zu rechnen. Als ich zuletzt dort war, sei das schon ein Thema gewesen. Die Menschen in Uschhorod waren allerdings der Ansicht, dass sich das Ganze nur im Osten abspielen würde. Der Caritas-Direktor von Uschhorod war erst letzte Woche bei uns in Österreich, weil wir einen Hilfstransport vorbereiten. Das ist allerdings eine Sache, die schon länger geplant war.

Was hat Ihnen der ukrainische Caritas-Direktor vor wenigen Tagen noch erzählt?

Der Caritas-Direktor von Uschhorod hat mir gesagt, dass die Leute aus Kiew und der Ostukraine Hotelzimmer buchen, Wohungen mieten und sich eine sichere Bleibe im Westen verschaffen wollen. Was ihm auch Sorgen machen würde, wäre die Tatsache, dass junge ukrainische Männer als Soldaten einberufen werden, um zu kämpfen.

Auch heute am Donnerstag hatten Sie schon die Möglichkeit, mit Bekannten aus der Ukraine zu sprechen. Wie geht es ihnen?

Ich habe mit der Frau des Caritas-Direktors von Uschhorod telefoniert. Sie ist Mutter von drei Kindern, vom jüngsten bin ich der Taufpate. Sie spricht davon, dass die Menschen in der Zentralukraine kaum die Möglichkeit haben zu flüchten, weil es keinen Treibstoff mehr gibt. Wer das Auto nicht in der letzten Nacht vollgetankt hatte, kommt einfach nicht raus. Der Bahnverkehr ist natürlich eingestellt. Die Studierendenheime und Schulen werden zu Geflüchtetenlagern umfunktioniert. Aus der Zentralukraine kommen schon Anfragen zu Matratzen und Bettwäsche. Sie hoffen, dass es ein kurzer militärischer Schlag ist und die Kampfhandlungen dann eingestellt werden. In der Region, wo sie sind, fühlen sie sich jedoch ziemlich sicher. Die Vorbereitungen für humanitäre Aktivitäten sind aber schon am Laufen. 

Als Koordinator des Hilfsprojekts waren Sie schon des Öfteren in der Ukraine. Welche Eindrücke dieser Region sind Ihnen in Erinnerung geblieben?

Die Ukraine ist zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite Russland, auf der anderen die Europäische Union (EU). Von der habe ich keine großen Projekte wahrgenommen. Ich habe das Gefühl, mit der Ukraine weiß man nicht, wohin. Sollte man dort investieren oder nicht? Es gibt auch keine Kofinanzierungen. Ich habe in Rumänien ebenfalls einzelne Hilfsprojekte und wenn man dort ein Projekt macht, übernimmt die EU die Kofinanzierung. Das gibt es in der Ukraine alles nicht. Viele Menschen aus der Ukraine, die in Deutschland arbeiten, schicken Geld nach Hause. Die Jungen versuchen wegzugehen und im Land fehlen Fachkräfte, weil sie in anderen Ländern besser bezahlt werden. Irgendwie habe ich dort das Gefühl gehabt, es gibt keine Perspektive für dieses Land.

Wie kann man von Österreich aus den Menschen in der Ukraine helfen?

Das Wichtigste ist jetzt einmal, sich einen guten Überblick zu verschaffen. Man sollte sich einlesen, das Ganze kritisch verfolgen und eine Empathie entwickeln. Gerade hat mir der Caritas-Direktor von Uschhorod am Telefon gesagt, dass es drei ukrainische Lkws gibt, die momentan in Österreich sind. Die könnten wir mit Hilfsgütern füllen. Sie brauchen Handtücher, Schlafsäcke, Decken, Matratzen. Ob wir allerdings in die Ukraine einreisen und Hilfsgüter dort hinbringen oder die Menschen aus der Ukraine ausreisen dürfen? Das weiß ich noch nicht.

Nach Russlands Angriffen auf die Ukraine herrscht derzeit kollektive Fassungslosigkeit. Wir haben junge Österreicher:innen gefragt, was die derzeitige Situation in ihnen auslöst und was sie den Menschen in der Ukraine gerne ausrichten würden.

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