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„Krieg ist das Schrecklichste“: 19-jährige Ukrainerin beschreibt ihre Flucht in Zeichnungen

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Von: Johannes Pressler

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Fotomontage von links einer Zeichnung einer jungen Frau, die sich besorgt ins Gesicht greift und rechts am Boden sitzend neben einer offenen Tür.
Die 19-jährige Polina hat ihre Flucht aus der Ukraine in Zeichnungen festgehalten. © Polina Budagovska/PIN/BuzzFeed Austria

Die 19-jährige Studentin Polina Budagovska musste mit ihrer Familie aus Kiew fliehen. In fünf Illustrationen zeichnete sie die dramatischen Szenen ihrer Flucht nach.

Seit mehr als drei Wochen herrscht Krieg in der Ukraine. Schon viel wurde über die Millionen Menschen berichtet, die in andere europäische Länder flüchten mussten. Oft wird hierbei über Zahlen und Verteilungsquoten diskutiert, jedoch weniger über die realen Schicksale dieser Menschen, geprägt von Leid und Angst. Eine davon ist die 19-jährige Polina Budagovska. Für die Hilfsorganisation CARE Österreich und ihre Partnerorganisation in der Ukraine, People in Need, hielt die Studentin aus Kiew in fünf Zeichnungen ihre Erfahrungen fest.

„Es war furchtbar. Ich hatte Angst.“

Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester musste Polina aufgrund der Invasion Russlands ihre Heimat verlassen. Die ganze Familie war komplett überrascht, wie die 19-Jährige erzählt: „Ich bin frühmorgens durch den Lärm der Explosionen aufgewacht. Meine Mutter bat meine Schwester und mich, uns zu beruhigen, schnell zu packen und nur das Nötigste mitzunehmen. Wir mussten sofort abreisen.“ Polina und ihre Familie wohnten im achten Stock eines 30-stöckigen Gebäudes. Der Lift war keine Option, der Weg über die Stiegen bis ins Erdgeschoss sei Polina wie „eine Ewigkeit“ vorgekommen: „Es war furchtbar. Ich hatte Angst. Ich hatte das Gefühl, dass etwas Schreckliches passieren würde.“ Sie sollte sich leider nicht irren.

Zeichnung von einer jungen Frau in Angst.
„Es war furchtbar. Ich hatte Angst.“ © Polina Budagovska/PIN

„Niemand konnte glauben, dass Kiew angegriffen werden würde.“

Endlich im Erdgeschoss angekommen, liefen Polina und ihre Familie direkt zu ihrem Auto. Viele ihrer Nachbar:innen taten es mit ihren Haustieren, Koffern und anderen Sachen gleich. Alle waren geschockt, wie Polina erzählt: „Niemand konnte glauben, dass Kiew angegriffen werden würde. Aber es geschah. Wir mussten weg und uns in Sicherheit bringen. Ich wollte mein Zuhause nicht verlassen. Ich hoffe, ich kann zurückkommen.“ 

Zeichnung von Menschen, die zu einem Auto rennen.
„Niemand konnte glauben, dass Kiew angegriffen werden würde.“ © Polina Budagovska/PIN

„Es war ein großes Durcheinander.“

Mit dem Auto unterwegs kann sich Polina vor allem an das große Chaos erinnern, das auf den ukrainischen Straßen herrschte: „Während wir unterwegs waren, haben wir viele Menschen auf den Straßen gesehen. Es war ein großes Durcheinander. Sie wussten nicht, was sie tun oder wohin sie gehen sollten. Viele Autos versuchten, aus Kiew zu entkommen. Wir standen lange im Stau. Es war schlimm, panische, verzweifelte Menschen zu sehen und zu erkennen, dass eine große Ungewissheit vor uns allen liegt.“

Zeichnung von einer Familie im Auto.
„Es war ein großes Durcheinander.“ © Polina Budagovska/PIN

„Wir mussten nachts anhalten, da es gefährlich war, in der Dunkelheit weiterzufahren.“

Nach zwei Tagen und 550 Kilometern kamen Polina und ihre Familie in einer Herberge in Lemberg an. Eigentlich bräuchte man für so eine Autostrecke nur rund 6 Stunden, doch die Familie musste nachts anhalten, „da es gefährlich war, in der Dunkelheit weiterzufahren“. Zudem kamen Kontrollen an mehreren Punkten, die zu einer Verlangsamung des Verkehrs führten. In Lemberg dann eine Unterkunft zu finden, war ebenfalls nicht leicht: „Aber wir hatten Glück und bekamen ein Zimmer in einer Herberge mit einem guten Luftschutzkeller, von dem ich hoffte, dass er nicht gebraucht werden würde. Aber ich lag falsch.“

Zeichnung von einer jungen Frau, die auf einem Bett sitzt. Im Vordergrund ihr Gepäck.
„Aber wir hatten Glück und bekamen ein Zimmer in einer Herberge mit einem guten Luftschutzkeller, von dem ich hoffte, dass er nicht gebraucht werden würde. Aber ich lag falsch.“ © Polina Budagovska/PIN

„Krieg ist die schrecklichste Sache der Welt.“

In der Herberge in Lemberg gehörten Luftsirenen zum Alltag, wie Polina erzählt: „Wir wissen genau, was wir im Falle von Sirenen tun müssen, wie wir zum Luftschutzkeller kommen, wann wir rausgehen können und welche grundlegenden Dinge wir immer bei uns haben sollten.“ Nach ein paar Tagen gewöhnte sich die Studentin daran, in den Luftschutzkeller zu gehen, doch für ihre kleine Schwester war es immer wieder ein Schock, die Sirenen zu hören: „Wie sie ihre Sachen nimmt und zum Luftschutzkeller eilt, in der Hoffnung, dass uns keine Raketen erreichen ... wie es leider in Kiew, Charkiw, Mariupol, Wolnowacha, Saporischschja und vielen anderen Städten in der Ukraine der Fall war ... Krieg ist die schrecklichste Sache der Welt.“ 

Zeichnung von einem Kind, das am Boden im Keller sitzt.
„Krieg ist die schrecklichste Sache der Welt.“ © Polina Budagovska/PIN

Wie ernst die Situation rund um die Geflüchteten aus der Ukraine für ganz Europa werden könnte, betonte der österreichische Migrationsforscher Gerald Knaus zuletzt in einem Interview bei der „ZIB 2“. Seiner Ansicht nach könnte die Lage nämlich in den nächsten Monaten zur weltweit größten Geflüchtetenkatastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg werden.

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