1. BuzzFeed.at
  2. News
  3. Flucht & Migration

Ukrainischer Fußballer in Wien sorgt sich um seine Familie: „Bin ständig in Kommunikation mit ihnen“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Johannes Pressler

Kommentare

Das Team der SKV Ukraina Wien.
Das Team der SKV Ukraina Wien. © SKV Ukraina Wien

Anatoliy Babiychuk ist freischaffender Künstler und spielt Fußball bei der SKV Ukraina Wien. Seit der Invasion Russlands in die Ukraine beschäftigt ihn aber vor allem eine Sache: der Krieg in seiner Heimat.

„Es ist ein schwarzer Tag für Europa, für den Frieden und die Menschen in der Ukraine“, sagte Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Donnerstagabend (24. Februar) im Fernsehen. Ähnliches werden sich sicherlich die Fußballer des Sport- und Kulturvereins Ukraina Wien gedacht haben. Diese Mannschaft, bestehend hauptsächlich aus in der Ukraine geborenen Spielern, ist Teil der DSG Unterliga A und hat ihren Heimplatz in der Donaustadt im 22. Bezirk.

Bereits seit 2014, ein Jahr nach der Gründung des Vereins, spielt Anatoliy Babiychuk auf der Verteidigerposition für die Ukraina Wien. Nach Wien kam er 1998 als Austauschstudent an der Wirtschaftsuniversität Wien. Während seines BWL-Studiums begann er sich so richtig für Kunst zu interessieren. In den 2000er-Jahren wechselte Babiychuk daher an die Schule Friedl Kubelka, einer Wiener Schule für künstlerische Fotografie, und studierte daraufhin an der Akademie der bildenden Künste Wien. Seit 2010 ist er freischaffender Künstler. Derzeit beschäftigt den 46-Jährigen jedoch vor allem der Angriff Russlands auf seine Heimat und das Wohlbefinden seiner Familie in der Ukraine.

Invasion Russlands in der Ukraine: „Völlig schockiert“

Als Anatoliy Babiychuk am Donnerstag in der Früh aufwachte und die Nachrichten sah, konnte er es im ersten Moment kaum glauben. „Ich war völlig schockiert. Bis zum letzten Moment habe ich gedacht und gehofft, dass Putin nur bluffen würde“, sagt uns der gebürtige Ukrainer im Interview. Babiychuk lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Wien. Seine Verwandten sind in Tscherwonohrad. Das ist eine Stadt im Westen der Ukraine, nur 13 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt und in etwa so groß wie Villach. „Mein Vater, meine Schwester, meine Cousine. Fast alle meiner Familie sind in der Ukraine“, sagt Babiychuk und beginnt beinahe zu weinen.

Seit der Invasion von Putin in der Ukraine ist Babiychuk „ständig in Kommunikation“ mit seiner Familie. Vor unserem Gespräch hat er das getan und auch gleich direkt danach wird er wieder seine Schwester anrufen. An der Grenze zu Polen sollte die Familie von Babiychuk auf der sicheren Seite sein, würde man glauben. Doch auch die Stadt Luzk im Nordwesten der Ukraine, nur rund eineinhalb Autostunden von Tscherwonohrad entfernt, wurde bereits am Donnerstag in der Früh von Russland bombardiert. Babiychuks Familie ist direkt betroffen.

Wie es für Anatoliy Babiychuk und seine Familie jetzt weitergeht

So wie viele Ukrainer:innen in Österreich war auch Babiychuk am Donnerstag auf vielen Demonstrationen in Wien. Die restliche Zeit verbrachte er vor allem am Telefon mit seiner Familie in der Ukraine. Derzeit wird diskutiert, ob nicht die ganze Familie nach Wien ziehen sollte. „Meine Nichte und ihr eineinhalb Jahre alter Sohn sind jedenfalls schon auf dem Weg nach Wien“, sagt Babiychuk.

Nur mit seinem Vater könnte das Ganze etwas schwieriger werden, wie uns der in Wien lebende Ukrainer im Interview sagt: „Mein Vater ist 80 Jahre alt, das ist keine leichte Angelegenheit. Der will nicht mal mehr 100 Kilometer fahren.“ Von Tscherwonohrad nach Wien sind es mit dem Auto rund 850 Kilometer.

Eigentlich bereitet sich Babiychuk gerade für eine Ausstellung im Rahmen der FOTO Wien, einem Festival für Fotografie im März, vor. Die Geschehnisse der letzten Tage haben dem freischaffenden Künstler und Hobby-Fußballer aber einen riesigen Stein in den Weg gelegt: „Um ehrlich zu sein, derzeit bin ich komplett antriebslos. Das hat meine Tagesordnung vollkommen auf den Kopf gestellt.“

Auch interessant

Kommentare